Justiz
Justizminister schlägt elektronische Überwachung zur Bekämpfung von Femiziden vor
Nach 18 Femiziden in diesem Jahr setzt sich der Schweizer Justizminister Beat Jans für ein Überwachungssystem mit Fussfesseln ein, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern.

Achtzehn Menschenleben verloren. Das ist die erschütternde Bilanz der Femizide in der Schweiz seit Anfang 2025. Während das Land mit dieser düsteren Zahl ringt, hat Justizminister Beat Jans mit einem eindringlichen Aufruf zum Handeln erklärt, dass die Zeit des passiven Beobachtens vorbei sei. In einem Land, das oft für seine Sicherheit gerühmt wird, hat die Zunahme der Gewalt gegen Frauen eine kritische Schwachstelle unseres Justizsystems offengelegt.
«Kein Gewaltverbrechen fordert so viele Opfer wie Gewalt gegen Frauen», sagte Jans mit Nachdruck in einem Interview mit Schweiz am Wochenende. Die Dringlichkeit ist spürbar. Angesichts der stark steigenden Zahlen setzt sich der Minister für sofortige, konkrete Massnahmen ein, um dem Blutvergiessen Einhalt zu gebieten. Das ist nicht bloss eine statistische Auffälligkeit, sondern ein nationaler Notstand, der einen grundlegenden Wandel beim Schutz der Bevölkerung durch den Staat verlangt. Die Regierung räumt endlich ein, dass herkömmliche Kontakt- und Rayonverbote gegen entschlossene Täter nicht ausreichen. Deshalb braucht es einen Kurswechsel hin zu einem konsequenten Eingreifen in Echtzeit.
Der elektronische Schutzschild: Mit Technologie die Wende schaffen
Um dieser tödlichen Welle entgegenzuwirken, setzt sich Jans für den Einsatz elektronischer Fussfesseln ein, einer digitalen Verbindung, die Distanz gewährleisten und Leben retten soll. Dabei handelt es sich nicht um ein theoretisches Konzept: In zehn Schweizer Kantonen laufen bereits Versuche, was auf einen deutlichen Ausbau der Überwachung im häuslichen Umfeld hindeutet. Das geplante System soll mehr leisten als eine einfache Ortung: Es dient als aktiver Warnmechanismus und alarmiert die Behörden und die Betroffenen, sobald ein Täter eine festgelegte Sperrzone verletzt.
Während Kritikerinnen und Kritiker oft Bedenken zum Datenschutz äussern, ist die Haltung der Regierung nun eindeutig: Das Recht auf Leben steht über der Freiheit gewalttätiger Straftäter. Mithilfe der GPS-Technologie will die Schweiz die gefährliche Lücke zwischen einer gerichtlichen Anordnung und ihrer Durchsetzung schliessen. Die Initiative bedeutet eine deutliche Verschärfung der Schweizer Haltung zu häuslicher Gewalt: Statt auf Bestrafung im Nachhinein setzt man auf Prävention. Die Botschaft an die Täter ist unmissverständlich: Ihr werdet überwacht, und der Staat ist bereit einzugreifen, bevor der erste Schlag fällt.
Das spanische Modell übernehmen
Auf der Suche nach Lösungen blickt die Schweiz nach Süden. Spanien gilt als Vorbild im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt, und Minister Jans macht keinen Hehl daraus, dass er den Erfolg des Landes nachahmen möchte. «In Spanien hat man Mittel gefunden, um Frauen besser zu schützen», erklärte Jans nach einer eingehenden Prüfung der spanischen Schutzmassnahmen Anfang dieser Woche.
Das integrierte spanische System verbindet strenge Gesetze mit modernsten technologischen Mitteln, eine Formel, die sich laut Jans problemlos auf die Schweizerische Eidgenossenschaft übertragen lässt. Der spanische Ansatz zeigt, dass sich die Entwicklung der Gewalt mit politischem Willen und den richtigen Instrumenten beeinflussen lässt. Mit der Übernahme dieser bewährten Strategien räumt die Schweiz ein, hinterhergehinkt zu sein, zeigt aber zugleich ihre Bereitschaft, von den Besten zu lernen. Die Verbindung von «guten Gesetzen und technologischen Mitteln» ist der doppelte Ansatz, der nötig ist, um die Kultur der Straflosigkeit zu durchbrechen, die Fälle häuslicher Gewalt oft umgibt.
Der Realitätscheck: Technologie und Personal
Technologie ist jedoch kein Zaubermittel. Der Neuenburger Generalstaatsanwalt Pierre Aubert, der bereits 2023 ein Pilotprojekt lanciert hat, warnt vor dem trügerischen Gefühl der Sicherheit. Die digitale Infrastruktur ist zwar leistungsfähig, doch der menschliche Faktor bleibt der Engpass. «Man kann nicht alle 400 Meter einen Polizisten postieren, der im Alarmfall einsatzbereit ist», mahnte Aubert und brachte damit eine Dosis Realismus in die Debatte.
Eine Fussfessel kann Alarm auslösen, aber weder ein Messer noch eine Kugel physisch aufhalten. Ob Jans' Vorschlag Erfolg hat, hängt nicht nur von der technischen Ausrüstung ab, sondern auch davon, wie rasch die Kantonspolizeien reagieren können. Fehlt genügend Personal, um auf die digitalen Warnungen zu reagieren, droht das System zu einem lautstarken Beobachter einer Tragödie zu werden. Wenn die Schweiz nun vorwärtsgeht, wird die Herausforderung darin bestehen, hochmoderne Überwachung mit den nötigen Ressourcen vor Ort in Einklang zu bringen, damit aus einer digitalen Warnung ein lebensrettender Einsatz werden kann.