Wirtschaft
Impfstoffhersteller Janssen schliesst Berner Standort bis Ende 2026
Die Johnson-&-Johnson-Tochter Janssen bestätigt, dass sie ihren Entwicklungsstandort für Impfstoffe in Bern-Bümpliz schrittweise schliessen wird. Die vollständige Schliessung ist bis Ende 2026 geplant. Betroffen sind rund 300 Mitarbeitende, für die ein Sozialplan ausgehandelt wurde.

Ein einschneidender Wandel trifft die Industrielandschaft von Bern: Die Johnson-&-Johnson-Tochter Janssen bestätigt die vollständige Schliessung ihres Standorts in Bern-Bümpliz. Für den Standort läuft nun die Zeit ab, denn als endgültiges Schliessungsdatum wurde Ende 2026 festgelegt. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende Unterbrechung, sondern um einen vollständigen strategischen Rückzug. Der Pharmakonzern wird seine lokalen Aktivitäten in den kommenden Monaten schrittweise abbauen.
Der Entscheid, der erstmals im Juli angekündigt wurde, ist nun endgültig. Der Schweizer Pharmasektor bleibt zwar robust, doch die Schliessung bedeutet für die Region Bern einen erheblichen Rückschlag. Das Unternehmen verkleinert nicht bloss seinen Betrieb, sondern gibt seinen Produktionsstandort in den Vororten der Hauptstadt vollständig auf. Der Schritt verdeutlicht die kompromisslose Effizienz globaler Pharmakonzerne, bei denen lokale Wurzeln zugunsten einer internationalen Konsolidierung rasch gekappt werden. Während die Türen geschlossen werden, richtet sich der unmittelbare Fokus auf die wirtschaftliche Lücke, die der Wegzug im Stadtteil Bümpliz hinterlässt.
Belegschaft im Visier
Die menschlichen Folgen dieses Konzernumbaus sind unmittelbar und schwerwiegend: Knapp 300 Mitarbeitende stehen vor dem Verlust ihrer Stelle. Das ist ein schwerer Schlag für die lokale Arbeitnehmerschaft und entzieht der Berner Wirtschaft Hunderte spezialisierte Stellen. Nach einem Anfang Juli gestarteten Konsultationsverfahren wurde ein Sozialplan ausgehandelt, um die Folgen abzufedern. Die Realität des Stellenabbaus bleibt jedoch hart.
Die Personalvertretung hat wichtige Zugeständnisse erreicht. Der Plan umfasst Abgangsentschädigungen und Kinderzulagen und bietet den Betroffenen, die plötzlich vor einer unsicheren Zukunft stehen, eine finanzielle Unterstützung. Besonders berücksichtigt wird die Situation älterer Mitarbeitender: Beschäftigte über 50 Jahre erhalten längere Kündigungsfristen. Das verschafft ihnen auf einem umkämpften Arbeitsmarkt mehr Zeit. Zudem hat das Unternehmen «umfassende Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung» zugesagt, damit die Mitarbeitenden neue Stellen finden können. Diese Massnahmen bieten zwar einen gewissen Schutz, können die Belastung für 300 Familien in der Region aber nicht vollständig auffangen.
Klinische Rückschläge erzwingen den Entscheid
Innovationsrisiken haben diese Entwicklung ausgelöst. Der Grund für die Schliessung lässt sich direkt auf das Scheitern eines aussichtsreichen E.-coli-Impfstoffkandidaten zurückführen. Das Produkt sollte Infektionen durch das Bakterium verhindern, konnte in klinischen Studien aber nicht die erforderliche Wirksamkeit nachweisen. Damit war die Entwicklungspipeline am Berner Standort nicht mehr tragfähig. In der risikoreichen Impfstoffentwicklung kann ein einziges Scheitern in einer klinischen Studie einem ganzen Standort das Aus bescheren.
Gleichzeitig verliert der Standort auch seine übrigen Kernkompetenzen. Die Produktion lentiviraler Vektoren (LVV), wichtiger Bestandteile moderner Zelltherapien, wird in der Schweiz schrittweise eingestellt. Die Produktionskapazitäten werden in die Niederlande verlagert. Dieser Schritt verdeutlicht, wie beweglich globale Lieferketten sind. Die Kombination aus dem Scheitern in der klinischen Entwicklung und der strategischen Verlagerung liess dem Berner Werk innerhalb des Johnson-&-Johnson-Konzerns keine tragfähige Zukunft.
Ungewisse Zukunft für Bümpliz
Während der Betrieb heruntergefahren wird, ist die Zukunft der Gebäude und Anlagen in Bümpliz ungewiss. Johnson & Johnson prüft derzeit «verschiedene Optionen» für den Standort. Das sorgt bei lokalen Immobilienentwicklern und Branchenkollegen für Spekulationen. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte ausdrücklich, dass auch ein Verkauf des Standorts an einen Drittanbieter infrage kommt.
Dies könnte anderen Biotechunternehmen, die in der Schweizer Hauptstadt expandieren möchten, eine Chance bieten und einen Teil der spezialisierten Infrastruktur erhalten. Bis ein Käufer gefunden ist, droht der Standort jedoch leerzustehen. Für die Schweizer Wirtschaft hat es nun Priorität, zu verhindern, dass dieses attraktive Industrieareal ungenutzt bleibt. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob der Standort unter neuer Eigentümerschaft eine neue Zukunft erhält oder als leer stehendes Denkmal eines gescheiterten Vorhabens zurückbleibt.