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Swiss Observer

Ermittlungen decken weit verbreiteten Betrug mit Aufenthaltsbewilligungen in der Schweiz auf

Schweizer Behörden decken ein kriminelles Netzwerk auf, das gefälschte europäische Dokumente verbreitet. Schätzungen zufolge könnten bis zu 10 % der Aufenthaltsbewilligungen betrügerisch erlangt worden sein.

Ermittlungen decken weit verbreiteten Betrug mit Aufenthaltsbewilligungen in der Schweiz auf
AIThe Local Switzerland

Schweizer Behörden haben ein weit verbreitetes Betrugsschema aufgedeckt, bei dem gefälschte europäische Dokumente verwendet wurden, um illegal Aufenthaltsbewilligungen zu erhalten. Die Ermittlungen haben einen alarmierenden Trend zutage gefördert, der die Integrität des Schweizer Einwanderungssystems gefährdet. Berichten der Bundespolizei (fedpol) zufolge wurden allein 2024 insgesamt 3735 gefälschte Dokumente beschlagnahmt, ein Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahr. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass diese Funde nur einen Bruchteil aller im Umlauf befindlichen gefälschten Dokumente ausmachen.

Ausmass und Tragweite des Problems

Das Ausmass des Betrugs mit Aufenthaltsbewilligungen hat Schweizer Behördenvertreter schockiert. Laut Alexander Ott, Sprecher der Berner Migrationsbehörde, könnten schätzungsweise 10 % aller Schweizer Aufenthaltsbewilligungen betrügerisch erlangt worden sein. Diese Einschätzung stützt sich auf Festnahmen durch die Polizei und sichergestellte Fälschungen und wurde von Simon Baechler, dem Leiter der Kriminalpolizei Neuenburg, bestätigt. Besonders akut ist das Problem, weil die Schweiz zum Schengen-Raum gehört, wo sporadische Grenzkontrollen es Menschen mit gefälschten Dokumenten erleichtern, unentdeckt ins Land zu gelangen.

Kriminelle Netzwerke und ihre Aktivitäten

Ermittlungen haben hochentwickelte kriminelle Netzwerke ausgemacht, die hauptsächlich in der Türkei ansässig sind und die Fälschung und Verbreitung von EU-Pässen organisieren. Diese Dokumente werden anschliessend genutzt, um das Einwanderungsabkommen der Schweiz mit der Europäischen Union auszunutzen. Bei einem kürzlich durchgeführten Einsatz in Neuenburg nahmen die Behörden 50 Personen fest, die mit einem Schema zum Einsatz illegaler Arbeitskräfte in lokalen Restaurants in Verbindung standen. Der Fall zeigte, wie diese Netzwerke bestimmte Wirtschaftsbereiche ins Visier nehmen. Dazu zählen beispielsweise Nagelstudios und Restaurants, in denen die Überprüfungsverfahren möglicherweise weniger streng sind.

Herausforderungen bei der Erkennung und Sicherheitsmassnahmen

Die Raffinesse moderner Fälschungen stellt die Behörden bei ihrer Aufdeckung vor grosse Herausforderungen. Marcel Schafroth, Dokumentenexperte beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, warnt, dass Fälscher immer geschickter werden und sogar Merkmale des neuen Schweizer Identitätsausweises nachbilden können. Kleine Gemeinden sind besonders gefährdet, da ihnen die Infrastruktur und das Fachwissen grösserer Städte fehlen, um gefälschte Dokumente zu erkennen. Erschwerend kommt hinzu, dass Gemeindemitarbeitende, die Aufenthaltsbewilligungen bearbeiten, unzureichend geschult sind. Viele geben zu, in der Vergangenheit gefälschte Dokumente übersehen zu haben.

Reaktion der Regierung und nächste Schritte

Schweizer Behörden mobilisieren sich, um diese kritische Sicherheitsherausforderung anzugehen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat eine umfassende Beurteilung der geltenden Praktiken in Auftrag gegeben und plant, dem Bundesrat bis Ende Jahr Vorschläge für politische Massnahmen zu unterbreiten. Die Bemühungen konzentrieren sich auf eine bessere Schulung von Grenzwächtern und Gemeindemitarbeitenden, insbesondere in kleineren Gemeinden. Der Verband Schweizerischer Einwohnerdienste setzt sich für eine Reform der Verfahren zur Überprüfung von Dokumenten ein. Diese Initiativen zeigen, dass sich die Schweiz dafür einsetzt, die Integrität ihres Einwanderungssystems zu wahren und gleichzeitig der zunehmenden Raffinesse des modernen Dokumentenbetrugs zu begegnen.