Wohnen
Wohnungskrise verschärft sich: Leerwohnungsziffer in der Schweiz erreicht 1 %
Der Wohnungsmangel in der Schweiz verschärft sich das fünfte Jahr in Folge. Landesweit stehen nur 48’000 Wohnungen leer, besonders betroffen sind die urbanen Zentren.

Der Schweizer Wohnungsmarkt hat einen kritischen Punkt erreicht: Die Leerwohnungsziffer ist landesweit auf 1 % gesunken und damit das fünfte Jahr in Folge zurückgegangen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik stehen schweizweit nur noch 48’000 Wohnungen leer. Das entspricht einem deutlichen Rückgang um 0,08 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreswert von 1,08 %. Der anhaltende Abwärtstrend hat ernsthafte Sorgen um den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum im ganzen Land ausgelöst.
Die Lage hat offiziell Krisenniveau erreicht, denn Fachleute betrachten eine Leerwohnungsziffer von unter 2 % üblicherweise als Anzeichen für einen Wohnungsmangel. Der aktuelle Wert von 1 % weist auf ein schweres Ungleichgewicht am Markt hin, das sowohl städtische als auch ländliche Gebiete betrifft, wenn auch unterschiedlich stark.
Regionale Unterschiede
Die Wohnungskrise zeigt in den Schweizer Kantonen deutliche regionale Unterschiede. Am stärksten ist der Mangel in Genf, wo die Leerwohnungsziffer alarmierend tiefe 0,34 % beträgt. Es folgen Zug (0,42 %) und Zürich (0,48 %). In der Genferseeregion ist die Leerwohnungsziffer von 0,96 % auf 0,83 % gesunken. Das Tessin verzeichnete trotz grösserer Verfügbarkeit einen bemerkenswerten Rückgang von 2,08 % auf 1,92 %.
Nur zwei Kantone, Jura (3,03 %) und Solothurn (2,05 %), weisen weiterhin eine Leerwohnungsziffer von über der kritischen Schwelle von 2 % auf. Besonders betroffen sind die französischsprachigen Kantone: Die Werte liegen bei 0,89 % in der Waadt, 1,11 % in Freiburg und 1,82 % in Neuenburg. Diese geografischen Unterschiede verdeutlichen, wie komplex die Wohnungsproblematik in der Schweiz ist und dass gewisse Regionen stärker unter dem Mangel leiden als andere.
Auswirkungen auf die urbanen Zentren
Die urbanen Zentren tragen die Hauptlast der Wohnungskrise. In den grösseren Städten ist der Mangel besonders akut. Am prekärsten ist die Situation in Zürich, Genf und Zug, wo die Leerwohnungsziffer deutlich unter 0,5 % liegt. In diesen Ballungsräumen nehmen der Druck durch das Bevölkerungswachstum, der begrenzte Baugrund und die hohe Nachfrage nach Drei- und Vierzimmerwohnungen zu. Besonders betroffen sind Familien auf der Suche nach einer Wohnung.
Der Wohnungsmangel beginnt die Binnenmigration zu beeinflussen: Immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner ziehen einen Umzug in Gebiete mit grösserem Wohnungsangebot in Betracht. So erwägen etwa Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Waadt, in die Freiburger Region Vevey zu ziehen, um eine verfügbare Wohnung zu finden. Dies zeigt, wie die Krise traditionelle Wohnmuster verändert.
Lösungen und Ausblick
Da mittlerweile in fünfzehn Kantonen Leerwohnungsziffern von unter 1 % gemeldet werden, wird es immer dringlicher, umfassende Lösungen zu finden. Besonders betroffen sind Familien, die Drei- und Vierzimmerwohnungen suchen. Das deutet darauf hin, dass gezielt familiengerechter Wohnraum geschaffen werden muss.
Gefragt ist ein mehrdimensionaler Ansatz. Dazu könnten der verstärkte Bau neuer Wohnungen, eine bessere Nutzung des bestehenden Wohnungsbestands und politische Massnahmen für eine ausgewogenere regionale Entwicklung gehören. Während sich der Mangel weiter verschärft, wächst der Druck auf die kantonalen und eidgenössischen Behörden, wirksame Massnahmen gegen dieses zunehmende landesweite Problem zu ergreifen.