Wohnen
Wohnungsnot verschärft sich: Schweizer Mieten dürften jährlich um 3–5 % steigen
Das Bundesamt für Wohnungswesen warnt vor erheblichen Mietzinserhöhungen in den kommenden Jahren, da die Nachfrage nach Wohnraum in der Schweiz das Angebot weiterhin übersteigt.

Die Schweiz steht vor einer erheblichen Herausforderung auf dem Wohnungsmarkt. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) warnt vor deutlichen Mietzinserhöhungen in den kommenden Jahren. In einer eindringlichen Ankündigung, die in der Schweizer Immobilienbranche für Aufsehen gesorgt hat, prognostiziert Martin Tschirren, Direktor des BWO, jährliche Mietzinserhöhungen von 3–5 %. Damit weist er auf die wachsende Diskrepanz zwischen der Nachfrage nach Wohnraum und dem verfügbaren Angebot in einem der stabilsten Wohnungsmärkte Europas hin.
Analyse des Marktes
Die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt weist bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit der Krise von 2014 auf, als die Leerwohnungsziffer einen historischen Tiefstand erreichte. Die jüngsten Daten des Bundesamts für Wohnungswesen zeigen einen besorgniserregenden Trend: Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das Angebot kontinuierlich. Besonders deutlich ist dieses Ungleichgewicht in den grossen Städten, wo Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Wohlstand den Bedarf an Wohnraum weiter antreiben. Der Druck auf den Markt wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass Wohnraum als Anlageobjekt immer attraktiver wird. Das treibt die Preise sowohl bei Miet- als auch bei Wohneigentum in die Höhe.
Herausforderungen beim Bauen
Die Baubranche steht vor erheblichen Hürden, wenn es darum geht, die Wohnungsnot zu lindern. Seit 2016 ist die Zahl der Baubewilligungen um fast ein Drittel gesunken, ein Zeichen für die besorgniserregende Verlangsamung beim Bau neuer Wohnungen. Das Bundesamt für Wohnungswesen bezeichnet Einsprachen und Widerstand vor Ort als wichtigste Hindernisse für neue Bauprojekte. Eine kürzlich veröffentlichte Studie schlägt vor, das Einspracheverfahren zu reformieren, um missbräuchliche Verzögerungen zu verhindern und gleichzeitig die wesentlichen Mitwirkungsrechte zu wahren. Erschwerend kommt hinzu, dass nur wenige Grundstücke für eine Überbauung verfügbar sind. Dadurch wird es für Gemeinden immer schwieriger, den Wohnraumbedarf mit herkömmlichen Umzonungen zu decken.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Wohnraumentwicklung in der Schweiz wird durch das Raumplanungsgesetz streng geregelt. Dieses zentrale Gesetz schafft einen Ausgleich zwischen der Siedlungsentwicklung und dem Schutz der Umwelt. Es wurde 1979 verabschiedet und später revidiert. Das Gesetz legt strenge Regeln für die Nutzung und Überbauung von Land fest. Es räumt einer kompakten Siedlungsentwicklung Vorrang ein und schützt gleichzeitig Landwirtschaftsland und Naturlandschaften. Diese Vorschriften sind zwar für eine nachhaltige Entwicklung unerlässlich, erschweren aber zusätzlich die Bekämpfung der Wohnungsnot. Die Einschränkungen bei der Umzonung von Land für Bauzwecke spiegeln das starke Engagement der Schweiz für den Umweltschutz wider, tragen aber auch zu den derzeitigen Angebotsengpässen bei.
Auswirkungen auf Mieterinnen und Mieter
Für Mieterinnen und Mieter in der Schweiz sind die Folgen erheblich. Das Bundesamt für Wohnungswesen prognostiziert für die kommenden Jahre jährliche Mietzinserhöhungen von 3–5 %. Diese Prognose betrifft besonders Menschen, die neu auf den Wohnungsmarkt kommen oder innerhalb des Marktes umziehen möchten. Die Entwicklung könnte die soziale Ungleichheit weiter verschärfen, da steigende Wohnkosten Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen überproportional belasten. Falls sich die wirtschaftlichen Bedingungen nicht wesentlich ändern oder keine neuen politischen Massnahmen ergriffen werden, müssen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz auf steigende Wohnkosten einstellen. Das erhöht den allgemeinen Kostendruck in einem der teuersten Länder Europas zusätzlich.