Wirtschaft
Der Schweizer Traditionszelthersteller Spatz holt die Produktion zurück in die Schweiz
Das Zürcher Unternehmen Zelthangar übernimmt die legendäre Schweizer Zeltmarke Spatz. Es plant, die Produktion wieder in die Schweiz zurückzuholen und die Pfadilager-Tradition zu bewahren.

Ein legendärer Name des Schweizer Kulturerbes kehrt nach Hause zurück. Mit einem entscheidenden Schritt, der in der heimischen Produktionsbranche für Aufsehen sorgt, hat das Zürcher Unternehmen Zelthangar offiziell Spatz übernommen, die legendäre Zeltmarke, die seit Generationen das Outdoor-Leben von Schweizer Pfadis prägt. Dabei geht es nicht einfach um einen Eigentümerwechsel, sondern um die Rettung einer kulturellen Institution. Ab März übernimmt Zelthangar das gesamte Spatz-Lager und stellt damit sicher, dass Vertrieb, Verkauf und wichtige Reparaturdienstleistungen nahtlos weitergeführt werden.
Die Übernahme ist ein Wendepunkt für die Schweizer Outdoor-Branche und könnte eine Renaissance des lokalen Handwerks einläuten. Spatz-Zelte sind nicht einfach Ausrüstung, sie sind fest in der Schweizer Jugendkultur verankert und dienen seit Jahrzehnten Tausenden von Pfadis als robuste Unterkunft. Indem Zelthangar die Marke übernimmt, bewahrt das Unternehmen ein Erbe, das zu einem blossen Namen auf einem Schild zu verkommen drohte. Die Branche blickt gespannt darauf, wie sich dieser Zürcher Herausforderer der Verantwortung für eine nationale Tradition stellt.
Die Auslagerung rückgängig machen
Die Geschichte der Schweizer Produktion war allzu oft eine des Wegzugs, doch Zelthangar schreibt sie neu. Die Übernahme geht auf einen tiefgreifenden ideologischen Konflikt zurück, der vor Jahren entstand, als Spatz seine Produktionslinien in den Fernen Osten verlegte. Der Entscheid, die Kosten gegenüber der heimischen Herkunft zu priorisieren, stiess bei Puristen auf Ablehnung und führte zur Gründung von Zelthangar. 2018 kehrte Diego Walder, ein Handwerker, der in den Spatz-Produktionshallen sein Metier gelernt hatte, der Marke den Rücken, um seinen eigenen Weg zu gehen, statt die Auslagerung Schweizer Qualität hinzunehmen.
Nun haben sich die Rollen umgekehrt: Der Schüler hat den Meister übernommen. Die Übernahme ist eine direkte Herausforderung des globalisierten Lieferkettenmodells, das der Marke Spatz ihre «Swiss Made»-Seele genommen hat. Während die Branche mit logistischen Herausforderungen ringt, ist Zelthangars Schritt eine mutige Erklärung dafür, dass sich Tradition nicht auslagern lässt. Das Unternehmen ist nun in der Lage, die Entwicklung umzukehren und die Abhängigkeit von der asiatischen Produktion abzubauen, die ursprünglich den Keil zwischen Walder und seine geliebte Marke getrieben hatte.
Eine Herzensangelegenheit
Für Zelthangar-Gründer Diego Walder geht diese Übernahme über Bilanzen und Gewinnmargen hinaus. In einer eindringlichen Stellungnahme erklärte Walder, die Übernahme sei «weit mehr als nur ein Geschäftsschritt» und bezeichnete sie unmissverständlich als «Herzensangelegenheit». Diese emotionale Verbundenheit ist die treibende Kraft hinter dem Geschäft. Walder ist kein externer Investor, der auf Markenwert aus ist, sondern ein Handwerker, der das Zeltmacherhandwerk bei Spatz selbst erlernt hat.
Diese persönliche Geschichte bringt eine Leidenschaft und ein Engagement in die Übernahme ein, wie man sie bei Firmenübernahmen selten sieht. Walders genaue Kenntnis des Produkts, von der Spannung des Segeltuchs bis zu den Nähten, verschafft Zelthangar einen einzigartigen Vorteil. Er weiss genau, was verloren ging, als die Produktion die Schweiz verliess, und verfügt über das technische Know-how, um sie wieder aufzubauen. Es ist eine Wiedervereinigung von Handwerker und Werk, die eine Führung verspricht, welche auf Respekt für das Handwerk und nicht bloss auf den Geschäftserfolg gründet.
Der lange Weg nach Hause
Das grosse Ziel ist klar, auch wenn der Weg steinig ist: Die Herstellung von Spatz-Zelten soll in die Schweiz zurückkehren. Walder sagte, es sei nun «denkbar», diese Kultobjekte langfristig wieder im Inland zu produzieren. Dafür muss Zelthangar seine Kapazitäten deutlich ausbauen. Der Aufbau einer inländischen Produktion für schwere Segeltuchzelte bedeutet, hohe Arbeitskosten und logistische Hürden zu überwinden, die ursprünglich zur Verlagerung der Produktion geführt hatten.
Das Engagement ist jedoch unerschütterlich. Zelthangar erhält nicht einfach eine Marke, sondern baut ein ganzes Ökosystem wieder auf. Während das Unternehmen den Spatz-Lagerbestand integriert und den Betrieb stabilisiert, wird der Schwerpunkt auf den Ausbau der Kapazitäten verlagert. Gelingt dies, könnte die Rückkehr zur inländischen Produktion anderen Schweizer Traditionsmarken als Vorbild dienen und zeigen, dass Qualität und Herkunft sich in einem globalisierten Markt weiterhin durchsetzen können. Vielleicht schlafen die Pfadis in der Schweiz schon bald wieder unter Segeltuch, das tatsächlich und vollständig schweizerisch ist.