Technologie
Schweizer Forschende entwickeln hitzebeständige Drohnen zur Unterstützung der Feuerwehr
Eine neue «Firedrone», entwickelt von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), hält Temperaturen von bis zu 200 °C stand. Dadurch kann sie in brennende Gebäude fliegen und Live-Bilder liefern, die dabei helfen, Gefahrenquellen zu orten und Einsatzkräfte zu schützen.

Die Technologie zur Brandbekämpfung hat gerade einen Quantensprung gemacht. Während herkömmliche Drohnen vom Himmel stürzen, sobald die Temperaturen die moderate Marke von 40 °C überschreiten, schreibt eine neue Schweizer Innovation die Einsatzregeln neu. Die «Firedrone», entwickelt von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), trotzt extremer Hitze und funktioniert selbst bei Temperaturen von bis zu 200 °C einwandfrei. Das ist nicht bloss eine schrittweise Verbesserung, sondern eine beeindruckende Steigerung der Hitzebeständigkeit um 500 Prozent gegenüber handelsüblichen Geräten.
Dank dieser bahnbrechenden Fähigkeit kann die Drohne direkt ins Zentrum von Feuersbrünsten fliegen, etwa in brennende Industriehallen, mehrstöckige Parkhäuser und Tunnel. An solchen Orten ist das Überleben von Menschen eine Frage von Sekunden. Indem sie in diese Gefahrenzonen eindringt, liefert die Drohne wichtige Informationen in Echtzeit, ohne ein einziges Menschenleben zu gefährden. Die Bedeutung für die Schweizer Rettungsdienste ist enorm. Einsatzleiter müssen Personal nicht länger blind in undurchsichtigen Rauch schicken: Die Firedrone fungiert als unverwüstliche Aufklärerin und verändert das Wesen des Ersteinsatzes in gefährlichen Umgebungen grundlegend.
Aerogel-Technologie als Hitzeschutz
Das Geheimnis dieser beispiellosen Widerstandsfähigkeit liegt in der hochmodernen Materialwissenschaft. Die Firedrone ist von einer Hülle aus Polyimid-Aerogel umgeben, einem revolutionären, leichten Isoliermaterial, das wie eine thermische Festung wirkt. Dieses fortschrittliche Aerogel umhüllt die empfindliche Elektronik und schützt sie vor der sengenden äusseren Hitze, während ein internes Temperaturmanagementsystem die Temperatur im Geräteinnern aktiv reguliert. Das ist Schweizer Ingenieurspräzision in höchster Vollendung.
Mit hochauflösenden Infrarotkameras ausgestattet, übersteht die Drohne nicht nur die Hitze, sondern macht auch Unsichtbares sichtbar. Sie überträgt Live-Wärmebilder an die Einsatzkräfte und durchdringt so dichten Rauch, der menschliche Feuerwehrleute orientierungslos machen würde. Auch für die Herausforderungen komplexer Infrastrukturen haben die Entwickler eine Lösung gefunden. Da GPS-Signale in massiven Betonbauten oft nicht verfügbar sind, verwendet die Firedrone spezielle Lokalisierungssysteme, um autonom zu navigieren. So behält sie auch in den verwirrendsten Bereichen einer brennenden Fabrik, in denen kein Signal verfügbar ist, ihren Kurs und erfüllt ihren Auftrag zuverlässig.
Revolution bei Rettungseinsätzen
Die Auswirkungen dieser Technologie auf die Einsätze können kaum überschätzt werden. Fabian Wiesemüller, Entwickler bei der Empa, beschreibt die heutige Realität deutlich: «Heute müssen Feuerwehrleute selbst in brennende Gebäude gehen, um Gefahrstoffe oder vermisste Personen zu lokalisieren.» Dieses herkömmliche Vorgehen setzt mutige Frauen und Männer tödlichen Risiken aus, noch bevor das Ausmass der Gefahr überhaupt bekannt ist. Die Firedrone macht dieser Ära des blinden Eindringens ein Ende.
Mit dieser hitzebeständigen Aufklärungsdrohne können Einsatzleiter nun aus sicherer Entfernung einen umfassenden Überblick über die Gefahrenzone gewinnen. Die Drohne erkennt Brandherde, lokalisiert Opfer und zeigt strukturelle Schwachstellen auf, bevor auch nur ein Fuss die Schwelle überquert. Diese Informationen sind in komplexen Umgebungen wie Tunneln oder Chemiewerken entscheidend, wo es keinen Spielraum für Fehler gibt. Das Ergebnis ist eine grundlegende Änderung der Strategie: Gefahrenquellen werden schneller lokalisiert, Ressourcen effizienter eingesetzt und vor allem die Risiken für die Schweizer Rettungskräfte erheblich verringert.
Industrielle Effizienz und Zukunft
Auch über den Bereich der Notfallhilfe hinaus dürfte die Firedrone die industrielle Instandhaltung revolutionieren. Dank ihrer Fähigkeit, bei hohen Temperaturen zu arbeiten, eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Inspektion laufender Zementwerke und Stahlwerke. Bislang müssen diese Anlagen vor einer Inspektion lange und kostspielig abgekühlt werden. Die Firedrone macht diese Ausfallzeit überflüssig und ermöglicht sofortige Inspektionen bei hohen Temperaturen, sodass die Schweizer Industrie effizient weiterarbeiten kann.
Der Weg zur Kommerzialisierung ist bereits eingeschlagen. Das Projekt wurde ursprünglich an der Empa entwickelt und wird nun von einer Tochtergesellschaft der Empa und der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) vorangetrieben. Die Technologie hat anspruchsvolle Feldtests im Ausbildungszentrum Andelfingen und in laufenden Zementwerken erfolgreich bestanden. Die langfristige Vision ist eine nahtlose Integration: Feuerwehrautos sollen künftig mit mobilen Andock- und Wartungsstationen ausgerüstet werden. So könnte die Firedrone zu einem standardmässigen, jederzeit einsatzbereiten Werkzeug bei jeder grösseren Feuerwehr werden und die Position der Schweiz als weltweit führend bei Sicherheitsinnovationen stärken.