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Swiss Observer

Der haitianische Filmemacher Raoul Peck wird Ehrengast von Visions du Réel

Der gefeierte Regisseur präsentiert diesen April an der wichtigsten Dokumentarfilmfestival der Schweiz in Nyon eine Masterclass und Retrospektive

Der haitianische Filmemacher Raoul Peck wird Ehrengast von Visions du Réel
AISWI swissinfo.ch

Der gefeierte haitianische Filmemacher Raoul Peck wurde zum Ehrengast der 56. Ausgabe von Visions du Réel ernannt, dem wichtigsten Dokumentarfilmfestival der Schweiz. Die Veranstaltung findet vom 4. bis 13. April in Nyon statt und würdigt Pecks einflussreiche Karriere, die sich durch ihren Fokus auf emanzipatorische Kämpfe und Geschichten aus der Perspektive unterdrückter Völker auszeichnet. Die Ankündigung unterstreicht das Engagement des Festivals, eindrückliches, politisch engagiertes Dokumentarkino zu zeigen.

Festival-Highlights: Masterclass und Retrospektive

Im Rahmen der Ehrung wird Raoul Peck eine Masterclass leiten und den Teilnehmenden einzigartige Einblicke in seinen kreativen Prozess und seine filmische Philosophie geben. Das Festival zeigt zudem eine Retrospektive seiner dokumentarischen Arbeiten. Zu den gezeigten Filmen gehört sein jüngster Film, Ernest Cole: Lost and Found, der in Cannes im Rahmen einer Sondervorführung Premiere feierte. Darüber hinaus präsentiert das Festival seine preisgekrönte vierteilige HBO-Serie Exterminate All The Brutes. Dieses Sonderprogramm wird in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse und der Filmabteilung der ECAL organisiert und unterstreicht eine bedeutende Partnerschaft innerhalb der Schweizer Kulturszene.

Ein Rückblick auf Raoul Pecks Karriere und Filmschaffen

Raoul Pecks Filmografie ist eine eindrückliche Auseinandersetzung mit politischen Persönlichkeiten, Schriftstellern und der komplexen Geschichte des Kolonialismus. Sein Film Lumumba: Death of a Prophet aus dem Jahr 1990 ist ein wegweisendes Werk über das Leben des kongolesischen Politikers. Am bekanntesten ist Peck jedoch wohl für den Dokumentarfilm I Am Not Your Negro aus dem Jahr 2016, der für einen Oscar nominiert wurde und sowohl einen Bafta als auch einen César gewann. Der Film, der auf dem unvollendeten Manuskript von James Baldwin basiert, setzt sich eindringlich mit Rassismus in den Vereinigten Staaten auseinander. Seine HBO-Serie Exterminate All The Brutes festigte seinen Ruf weiter. 2022 gewann sie einen Peabody Award für ihre schonungslose Reise durch die Geschichte des Kolonialismus.

Ein Leben im Zeichen des Engagements: Von Haiti auf die Weltbühne

Raoul Peck wurde 1953 in Port-au-Prince, Haiti, geboren. Sein Leben war ebenso ereignisreich wie seine Filme. Als Kind floh er mit seinen Eltern vor der Duvalier-Diktatur und fand im neu unabhängigen Kongo Zuflucht. Seine prägenden Jahre verbrachte er auf verschiedenen Kontinenten, von Schulen in Brooklyn in den USA bis nach Orléans in Frankreich. Nach einer Ausbildung zum Ingenieur und Ökonomen wechselte er zum Journalismus und zur Fotografie, bevor er in den 1970er-Jahren im stark politisierten Berlin Film studierte. Sein tiefes Engagement für Politik und Kultur gipfelte in seiner Ernennung zum haitianischen Kulturminister, ein Amt, das er von 1995 bis 1997 innehatte. Seine globale Perspektive zeigt sich auch in seiner Tätigkeit als Jurymitglied bei grossen Filmfestivals wie Cannes, der Berlinale und Sundance.

Die 56. Ausgabe von Visions du Réel in Nyon

Die Würdigung von Raoul Peck ist ein zentraler Bestandteil der bevorstehenden 56. Ausgabe von Visions du Réel. Das Festival mit Sitz in Nyon bleibt eine wichtige Plattform für den internationalen Dokumentarfilm. Das vollständige Festivalprogramm wird mit Spannung erwartet und am 12. März offiziell vorgestellt. Mit der Wahl Pecks zum Ehrengast verspricht diese Festivalausgabe zum Nachdenken anzuregen und sich intensiv mit den drängenden sozialen und politischen Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.