Politik
Grüne fordern wegen der Hitzewellenpolitik die Absetzung des Umweltministers
Die Präsidentin der Grünen, Lisa Mazzone, fordert, dass Umweltminister Albert Rösti sein Departement entzogen wird. Sie wirft ihm vor, die Bevölkerung nicht zu schützen und die Klimapolitik des Landes angesichts der anhaltenden starken Hitzewelle und Trockenheit aktiv zurückzuwerfen.

Die Schweiz stöhnt unter einer unablässigen Hitzewelle, und die politische Temperatur in Bern hat soeben den Siedepunkt erreicht. Die Präsidentin der Grünen, Lisa Mazzone, hat eine scharfe Offensive gegen Umweltminister Albert Rösti lanciert und fordert, dass ihm das Umweltdossier mit sofortiger Wirkung entzogen wird. Mazzones Ultimatum ist klar: Rösti habe nicht nur versäumt, die Schweizer Bevölkerung zu schützen, sondern mache die Fortschritte des Landes im Klimaschutz aktiv zunichte. Während das Quecksilber auf beispiellose Werte steigt, argumentieren die Grünen, die Führung des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) sei zur Belastung geworden. «Ich bin überzeugt, dass jeder andere Bundesrat in diesem Departement besser wäre als Albert Rösti», erklärte Mazzone und signalisierte damit einen völligen Vertrauensverlust. Das ist nicht bloss eine Meinungsverschiedenheit über die Politik, sondern ein umfassender Angriff auf den Status quo des Bundesrats. Die Grünen stellen die Lage als Frage des nationalen Überlebens dar und halten die Dringlichkeit der Klimakrise einer aus ihrer Sicht lethargischen und rückwärtsgewandten ministeriellen Agenda entgegen.
Trockenheit dörrt das Kernland aus, während Bern zögert
Die Zahlen zu den Umweltschäden dieses Sommers sind erschreckend, und die menschlichen Folgen nehmen bereits zu. Noch bevor der Juli zu Ende ist, verzeichnet die Schweiz Hitzewellenopfer, während aus der Landwirtschaft ein verzweifelter Hilferuf kommt. Die Flüsse führen immer weniger Wasser und erreichen gefährlich tiefe Pegelstände. Das führt zu einem massenhaften Fischsterben, das die lokalen Ökosysteme bedroht. Mazzones Kritik ist scharf: «Wir stecken mitten in einer Krise, und der Schweizer Bundesrat ist in den Ferien.» Die Grünen fordern einen sofortigen Notfallplan mit umfassenden Begrünungsmassnahmen, obligatorischen Gebäudesanierungen und wirksamem Schutz am Arbeitsplatz, um Arbeitnehmende vor extremer Hitze zu schützen. Im Gegensatz zum zögerlichen Vorgehen, das sie der Regierung vorwerfen, stellen sich die Grünen eine Schweiz vor, die mit der Geschwindigkeit in Kriegszeiten auf Dekarbonisierung umstellt. Die Trockenheit beeinträchtigt nicht nur die Felder, sondern legt auch die Schwachstellen einer Klimapolitik offen, die Rösti laut Mazzone systematisch ruiniere. Die Forderung nach seiner Absetzung wird vom Anblick rissiger Erde und leerer Stauseen angefeuert, einem sichtbaren Zeugnis des politischen Versagens, das die Grünen für nicht länger zu ignorieren halten.
Politisches Kreuzfeuer erschüttert den Konsens im Bundesrat
Trotz der Dringlichkeit steht Mazzone in den Machtzentren weitgehend allein da. Die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Grünliberalen (GLP) teilen zwar ihren Frust, gehen aber nicht so weit, Röstis Absetzung zu fordern. Der SP-Parlamentarier Hasan Candan räumt ein, dass die aktuellen Massnahmen die Umwelt nicht ausreichend schützen. Die Tradition der Stabilität des Bundesrats bleibt jedoch ein starkes Hindernis für erzwungene Rücktritte. Unterdessen kritisierte GLP-Präsident Jürg Grossen die Regierung dafür, «viel zu zögerlich» zu handeln, und verwies insbesondere auf die stockende Dekarbonisierung des Verkehrs. Grossen hält jedoch daran fest, dass die Organisation der Departemente durch den Bundesrat dessen eigene Angelegenheit sei und nicht durch Druck von aussen bestimmt werden dürfe. Stefan Müller-Altermatt von der Mitte warnte, solche persönlichen Angriffe gefährdeten die Institution des Bundesrats selbst. Er deutete an, die Grünen betrieben bloss dieselbe «Auge-um-Auge»-Politik wie die SVP. Diese politische Blockade schafft ein gefährliches Vakuum: Während die Parteien über Verfahren und Anstand streiten, verändert sich das Klima unaufhaltsam weiter. Die Schweizer Bevölkerung gerät dadurch zwischen ideologische Grabenkämpfe und die Realität der Umweltkrise.
Viel steht auf dem Spiel in den sich erwärmenden Alpen
Die Folgen dieser politischen Konfrontation reichen weit über die Bundesämter in Bern hinaus. Während SVP-Präsident Marcel Dettling die Forderungen der Grünen als blosse «Suche nach Aufmerksamkeit» abtut, bleibt die Realität einer sich erwärmenden Schweiz unbestreitbar. Die Alpen erwärmen sich doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, und die politischen Entscheide, die heute getroffen oder vermieden werden, bestimmen die Widerstandsfähigkeit des Landes für Jahrzehnte. Falls Rösti an der Spitze des UVEK bleibt, befürchten die Grünen, dass der Umweltschutz weiter zurückgebaut wird, um traditionelle Energieinteressen zu begünstigen. Ignoriert die Regierung hingegen den Ruf nach einem Massnahmenplan, riskiert sie eine öffentliche Gegenreaktion, wenn Hitzewellen häufiger und heftiger werden. Die aktuelle Krise hat den Klimawandel von einer künftigen Bedrohung zu einer unmittelbaren politischen Bewährungsprobe gemacht. Ob mit einer Neuverteilung der Departemente oder einem radikalen Kurswechsel in Röstis eigener Agenda: Die Schweizer Regierung muss sich nun der Tatsache stellen, dass das «Weiter wie bisher» so rasch schwindet wie die Gletscher in den Bergen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Schweiz eine gemeinsame Antwort finden kann oder ob sie im parteipolitischen Streit gelähmt bleibt, während die Hitze zunimmt.