Umwelt
Greenpeace protestiert gegen Tiefseebergbaupläne eines Schweizer Unternehmens
Die Umweltorganisation Greenpeace hat in Basel gegen das in Freiburg ansässige Unternehmen Allseas protestiert. Sie verurteilte dessen Pläne, im Pazifik Tiefseebergbau zu betreiben, und warnte vor verheerenden Folgen für die Meeresökosysteme.

Am Samstagabend um Punkt 21.30 Uhr wurde das historische Rheinufer im Grossraum Basel zum Schauplatz eines Kampfes um die Zukunft des Planeten. Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten machten mit einer hochauflösenden Filmprojektion direkt auf die Fassade der Alten Universität auf ihr Anliegen aufmerksam. So wurde ein Symbol der Schweizer akademischen Tradition zur Projektionsfläche für eine Umweltwarnung. Dies ist kein Einzelfall, sondern die dritte grosse Eskalation einer landesweiten Kampagne, die bereits Zürich und das Schloss Chillon im Kanton Waadt erreicht hat. Die Botschaft ist klar: Die Schweizer Öffentlichkeit wird nicht länger ignorieren, was sich Tausende Meter unter der Meeresoberfläche abspielt. Die Projektion erhellte das dunkle Wasser und zwang Passantinnen und Passanten, sich mit der industriellen Zerstörung im abgelegenen Pazifik auseinanderzusetzen. Die spektakuläre Aktion richtet sich gegen den in Freiburg ansässigen Offshore-Konzern Allseas und rückt eine globale ökologische Krise direkt vor die Haustür der Schweizer Institutionen.
Die Hidden Gem: Ein Konzernriese in der Kritik
Allseas mit Sitz in Châtel-Saint-Denis setzt sein riesiges Schiff «Hidden Gem» ein, um eine umstrittene Partnerschaft mit dem kanadischen Unternehmen The Metals Company (TMC) voranzutreiben. Dieses Schiff ist kein gewöhnliches Schiff, sondern eine schwimmende industrielle Festung, ausgestattet mit einem ferngesteuerten Tauchgerät, das metallreiche Knollen vom Meeresboden absaugen soll. Allseas und TMC vermarkten dieses Vorhaben offensiv als «nachhaltige» Lösung für die Energiewende. Kritikerinnen und Kritiker bezeichnen es hingegen als räuberische Ausbeutung der letzten unberührten Grenzregion der Welt. Das Ausmass des Vorhabens ist enorm: Es sollen Mineralien für die Batterieproduktion gewonnen werden, und dafür würde der Meeresboden vollständig gestört. Die Unternehmen präsentieren sich als Pioniere des «grünen» Bergbaus und werden dafür von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern heftig kritisiert. Diese argumentieren, «nachhaltiger» Tiefseebergbau sei ein gefährlicher Widerspruch in sich. Der Firmensitz im Kanton Freiburg steht nun im Zentrum einer globalen Debatte über die ethischen Fragen rund um schwere Offshore-Einsätze.
Regulierungschaos: Bergbau ohne Genehmigung
Die rechtliche Grundlage des Vorhabens gerät zunehmend unter Druck. Greenpeace erhebt den schwerwiegenden Vorwurf, Allseas arbeite ohne Auftrag der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA). Statt einen globalen Konsens oder einen soliden internationalen Regulierungsrahmen abzuwarten, stütze sich das Unternehmen angeblich auf eine umstrittene präsidiale Verordnung des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Damit werde der multilaterale Geist umgangen, für den sich die Schweiz auf der Weltbühne üblicherweise einsetzt. Die fehlende Genehmigung der ISA schafft einen gefährlichen Präzedenzfall und legt nahe, dass Unternehmensinteressen das internationale Seerecht aushebeln können. Dieses regulatorische Vakuum wirft eine entscheidende Frage auf: Darf ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz internationale Gewässer auf Grundlage eines Dekrets eines ausländischen Staatsoberhaupts ausbeuten? Die Spannung zwischen unternehmerischer Handlungsfreiheit und internationalem Recht hat einen kritischen Punkt erreicht. Die Schweizer Regierung gerät dadurch in eine heikle Lage, während sie wirtschaftliche Interessen gegen ihren Ruf als diplomatisch integre Akteurin abwägen muss.
Ökologische Zeitbombe: Die CO2-Bedrohung
Wenn der Tiefseebergbau wie geplant voranschreitet, droht eine verheerende Umweltkatastrophe. Greenpeace warnt, Eingriffe in diese empfindlichen Ökosysteme wären «verheerend» und könnten riesige Mengen CO2 freisetzen, die seit Jahrtausenden im Meeresboden gebunden sind. Die Tiefsee ist eine der grössten Kohlenstoffsenken der Welt. Ihre Störung könnte genau jene Klimakrise beschleunigen, die mit den gewonnenen Mineralien eigentlich bekämpft werden soll. Zudem zerstört das Sammeln der Knollen Lebensräume von Arten, die nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen. Die von den Tauchgeräten aufgewirbelten Sedimentwolken können sich über Kilometer ausbreiten, Meereslebewesen ersticken und die Nahrungskette stören. Es geht nicht nur um den Meeresboden, sondern um die Gesundheit des gesamten Ozeans. Die Ironie ist offensichtlich: Bei der Suche nach Metallen für «saubere» Energie riskieren wir einen ökologischen Zusammenbruch, der unumkehrbar sein könnte. Die Wissenschaft ist alarmiert, während sich die Branche schneller entwickelt als unser Verständnis der Folgen.
Schweizer Souveränität und globale Verantwortung
Die Schweiz steht nun vor einer Bewährungsprobe in Sachen unternehmerische Verantwortung. Als Binnenstaat hat die Schweiz die Hohe See oft aus einer gewissen Distanz und mit neutraler Haltung betrachtet. Doch Unternehmen wie Allseas im Kanton Freiburg rücken die Notlage der Ozeane näher an die Alpen. Die Schweizer Öffentlichkeit fordert zunehmend, dass Unternehmen mit Sitz in der Schweiz die höchsten globalen Standards einhalten, unabhängig davon, wo sie tätig sind. Der Protest in Basel ist Ausdruck eines grösseren Wandels: Gefordert wird «verantwortungsvolles Unternehmertum» über Landesgrenzen hinweg. Während sich die «Hidden Gem» auf ihre nächste Einsatzphase im Pazifik vorbereitet, richten sich die Augen der Welt und der Schweizer Stimmbevölkerung auf den Ausgang. Der Entscheid, wie solche Unternehmen reguliert werden sollen, wird die Rolle der Schweiz in der globalen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts prägen. Wird die Eidgenossenschaft ein sicherer Hafen für umstrittene Rohstoffgewinnung bleiben, oder wird sie sich an die Spitze der Forderung nach einem Moratorium für die Zerstörung der Tiefsee stellen? Die Antwort wird vom Rhein bis in die Tiefen des Pazifiks nachhallen.