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Swiss Observer

Regierung erhält breite Unterstützung für neues EU-Verhandlungspaket

Der Schweizer Bundesrat hat bekannt gegeben, dass er von den konsultierten Kreisen breite Unterstützung für sein geplantes neues Abkommen mit der Europäischen Union erhalten hat. Trotz vereinzelter Forderungen nach Klärungen will die Regierung weiter vorangehen und ihre Botschaft bis März verabschieden.

Regierung erhält breite Unterstützung für neues EU-Verhandlungspaket
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Bundesrat hat den diplomatischen Stillstand überwunden und sich ein deutliches Mandat gesichert, um mit dem neuen Abkommenspaket mit der Europäischen Union voranzugehen. Die Regierung gab am Freitag bekannt, dass eine klare Mehrheit der konsultierten Kreise den Vorschlag unterstützt. Das ist nicht bloss ein vorsichtiger Schritt, sondern ein kräftiges Bekenntnis, das Bern in die Lage versetzt, ein Abkommen abzuschliessen, das dem Land seit Jahren entgangen ist.

Während Skeptiker mit einer Spaltung gerechnet hatten, zeigen die Ergebnisse der Vernehmlassung eine geschlossene Front zugunsten stabiler bilateraler Beziehungen. Die Regierung tastet sich nicht länger vorsichtig heran, sie geht nun entschlossen vor. Mit der breiten Unterstützung hat der Bundesrat die äussersten Ränder der Opposition faktisch isoliert und einen starken Weg zur Integration geschaffen. Diese Zustimmung ist jedoch an Bedingungen geknüpft. Die Regierung räumt ein, dass die Unterstützung zwar gross, aber an Bedingungen gebunden ist: Wichtige Anspruchsgruppen verlangen gezielte Anpassungen, bevor die Tinte trocken ist. Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Die Schweiz verfolgt nun energisch ein Abkommen, das ihre wirtschaftliche Zukunft über Jahrzehnte prägen wird.

Die Frist im März rückt näher

Mit dem Abschluss der Vernehmlassung am 31. Oktober läuft die Zeit bis zu einer wichtigen Frist im März. Der Bundesrat handelt mit beispielloser Dringlichkeit und will seine offizielle Botschaft ans Parlament innert weniger Monate verabschieden. Dieser Zeitplan lässt keinen Raum für Selbstzufriedenheit. Die Regierung fasst derzeit die Rückmeldungen einer grossen Zahl von Anspruchsgruppen zusammen, doch die Richtung ist vorgegeben: Das Paket geht ans Parlament.

Das Tempo des Verfahrens unterstreicht, wie viel auf dem Spiel steht. Abwarten ist keine Option mehr. Die Strategie der Regierung ist klar: Sie will den durch den Erfolg der Vernehmlassung entstandenen Schwung nutzen und die endgültige Botschaft vorlegen, solange die politische Unterstützung anhält. Der ehrgeizige Zeitplan deutet darauf hin, dass die Regierung zuversichtlich ist, die verbleibenden Hürden rasch überwinden zu können. Mit dem Zieltermin im März signalisiert der Bundesrat sowohl Brüssel als auch der Schweizer Bevölkerung, dass die Zeit endloser Debatten vorbei ist und die parlamentarische Beratung ansteht.

Der Streit um den Lohnschutz

Trotz der breiten Zustimmung zeichnet sich ein erbitterter Streit um die zentrale Frage des Lohnschutzes ab, der zum Brennpunkt des gesamten Abkommens werden könnte. Zwischen bürgerlichen Parteien und Gewerkschaften ist ein tiefer Graben entstanden. Während die Gewerkschaften eine klare Linie gezogen haben und einen besseren Schutz der Sozialpartnerschaft auf betrieblicher Ebene fordern, lehnen bürgerliche Kreise diese Massnahmen kategorisch ab. Dieser Konflikt stellt die grösste interne Gefahr für den Erfolg des Pakets dar.

Der Bundesrat hält jedoch an seiner Position fest. In einer deutlichen Erklärung bezeichnete die Regierung die umstrittene Bestimmung als «wesentlich», um das empfindliche Gleichgewicht des Pakets zu wahren. Damit fordert sie die Gegner direkt heraus und signalisiert, dass sie beim Schutz der Arbeitnehmenden nicht einfach nachgeben wird, nur um politische Kräfte zufriedenzustellen. Die Gespräche mit den Sozialpartnern sollen weitergehen, doch die Stimmung ist angespannt. Die Regierung muss nun in einem polarisierten Umfeld einen Kompromiss von grosser Tragweite aushandeln, ohne dass eine der beiden Seiten Anzeichen eines Einlenkens zeigt.

Zuwanderung und Mitsprache der Kantone

Die Zuwanderung bleibt ein heikles Thema der Schweizer Politik. Das neue EU-Paket nimmt es direkt auf und fordert eine robuste «Schutzklausel». Die Vernehmlassung brachte eine deutliche und einhellige Forderung zutage: Die Kantone müssen mit am Tisch sitzen. Die Anspruchsgruppen verlangen, dass sowohl die kantonalen Behörden als auch die Sozialpartner stärker daran beteiligt werden, die Zuwanderungsbremse auszulösen und zu steuern. Die Botschaft ist klar: Die Aufsicht des Bundes allein reicht für die Regionen nicht aus.

Der Bundesrat hat diese Forderung gehört und will die konkreten Punkte zur Schutzklausel überprüfen. Diese Anpassung ist entscheidend, um die langfristige Unterstützung der Kantone zu sichern. Sie hatten im Oktober unter genau diesen Bedingungen vorläufig zugestimmt. Indem die Kantone stärker in den Zuwanderungsmechanismus eingebunden werden, will die Regierung einen der heikelsten Aspekte des Vertrags entschärfen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Regionen dem Paket bereits zustimmen, wenn es im Parlament behandelt wird, statt den Widerstand anzuführen.

Der Weg nach vorn mit viel auf dem Spiel

Der Weg nach Brüssel ist nun geebnet, doch die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Während der Bundesrat seine Botschaft für März vorbereitet, stellt sich die politische Maschinerie der Schweiz auf eine historische Auseinandersetzung ein. Die Regierung hat mit der breiten Unterstützung die erste grosse Hürde genommen. Doch die Tücke liegt weiterhin in den Einzelheiten der verlangten «Klärungen». In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob es der Regierung gelingt, unter grossem Druck eine fragile Koalition aus Gewerkschaften, Kantonen und Wirtschaftsvertretern zusammenzuhalten.

Gelingt dies, wird das Paket die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen der Schweiz zu ihrem wichtigsten Handelspartner neu definieren. Ein Scheitern könnte hingegen zu einem diplomatischen Stillstand mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen führen. Die Regierung setzt alles auf dieses Paket und betrachtet den derzeitigen Konsens als einmalige Chance. Die als «wesentlich» bezeichneten Elemente sind festgelegt, der Zeitplan steht: Die Schweiz steht am Beginn einer neuen Ära. Der Bundesrat geht voran, und das Land verfolgt die Entwicklung mit angehaltenem Atem.