Wirtschaft
Golf entwickelt sich in der Schweiz zu einer Branche mit einem halben Milliarden Franken Umsatz
Der Schweizer Golfsport entwickelt sich zu einer bedeutenden Wirtschaftskraft und erwirtschaftet jährlich 500 Millionen Franken. Die Mitgliederzahlen steigen, und ausgefeilte Geschäftsmodelle lösen den traditionellen elitären Status ab.

Die Schweizer Golfbranche hat sich zu einer bedeutenden Wirtschaftskraft entwickelt und erwirtschaftet jährlich beeindruckende 500 Millionen Franken. Dieser Wandel spiegelt die Entwicklung des Sports von einer exklusiven Luxusaktivität zu einem starken Wirtschaftssektor wider. Das Wachstum der Branche zeigt sich daran, dass die Zahl der Golfplätze von 68 vor den 1980er-Jahren auf heute 98 Anlagen im ganzen Land gestiegen ist. Sie zählen über 105’000 Mitglieder, davon sind 30 Prozent Frauen. Der Ausbau dieser umfangreichen Infrastruktur hat ein vielfältiges Ökosystem geschaffen, das Sport, Freizeit und Geschäftsmöglichkeiten verbindet.
Demokratisierung des Golfsports in der Schweiz
Die Schweizer Golfszene hat einen bedeutenden Demokratisierungsprozess durchlaufen. Wie Lukas Eisner, Präsident des Schweizerischen Golfverbands, festhält: «Golf ist ein viel weniger privilegierter Sport als vor 40 Jahren.» Dieser Wandel zeigt sich in besser zugänglichen Mitgliedschaftsoptionen und innovativen Möglichkeiten, am Golfsport teilzunehmen. Die Migros GolfCard und die Association of Independent Golfers (ASGI) bieten inzwischen erschwingliche Alternativen an. Für rund 380 Franken pro Jahr ermöglichen sie den Zugang zu mehreren Clubs. Indoor-Trainingszentren wie L’Indoor in Genf führen Trainingsmethoden auf Basis künstlicher Intelligenz ein. Damit sprechen sie eine vielfältigere Spielerschaft an und modernisieren die Entwicklung der spielerischen Fähigkeiten.
Geschäftsmodell und Betrieb
Schweizer Golfclubs arbeiten mit ausgefeilten Geschäftsmodellen, die mehrere Einnahmequellen verbinden. Die jährlichen Mitgliederbeiträge liegen zwischen 1’000 und 7’000 Franken und damit deutlich unter den häufig in den USA verlangten 100’000 Franken. Zusätzliche Einnahmen erzielen die Clubs über Greenfees von 80 bis 150 Franken pro Runde, nicht rückzahlbare Beiträge von 5’000 bis 100’000 Franken sowie den Verkauf von Aktien. Die Betriebskosten sind jedoch beträchtlich: Die jährlichen Unterhaltskosten pro Club belaufen sich auf 2,5 bis 3 Millionen Franken. Die Branche behält zudem ihren Wert als Plattform für geschäftliche Kontakte. Viele Führungskräfte nutzen Golf, um während vierstündiger Runden Beziehungen aufzubauen und Entscheidungen zu treffen.
Ausblick und Herausforderungen
Die Schweizer Golfbranche steht bei ihrer weiteren Entwicklung vor Chancen und Herausforderungen. Seit der Pandemie ist die Nachfrage gestiegen, doch das traditionelle Modell nicht rückzahlbarer Beiträge wird zunehmend hinterfragt, da jüngere Generationen hohe Eintrittsgebühren ablehnen. Die Branche passt sich mit technologischen Innovationen und flexibleren Mitgliedschaftsmodellen an. Grossveranstaltungen wie das Omega European Masters in Crans-Montana mit einem Budget von 12 Millionen Franken zeigen, dass der Sport weiterhin internationale Aufmerksamkeit und Investitionen auf sich ziehen kann. Die Herausforderung besteht darin, die Zugänglichkeit mit den hohen Standards und der Exklusivität in Einklang zu bringen, die den Schweizer Golfsport seit Langem prägen.