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Swiss Observer

Kampagne zum Schutz Schweizer Landwirtschaft vor GVO sammelt 133'000 Unterschriften und erzwingt Abstimmung

Ein Bündnis aus über 50 Organisationen hat erfolgreich 133'000 Unterschriften für eine Initiative zum Schutz der gentechfreien Landwirtschaft in der Schweiz gesammelt. Der Vorschlag, der der Bundeskanzlei übergeben werden soll, dürfte zu einer nationalen Abstimmung über die Zukunft der Biotechnologie in der Schweizer Lebensmittelproduktion führen.

Kampagne zum Schutz Schweizer Landwirtschaft vor GVO sammelt 133'000 Unterschriften und erzwingt Abstimmung
AISWI swissinfo.ch

Beeindruckende 133'000 Unterschriften sind zusammengekommen. Damit wurden die Erwartungen übertroffen und eine klare, unmissverständliche Botschaft nach Bern gesandt: Die Schweizer Bevölkerung verlangt die Kontrolle über ihre Lebensmittelversorgung. In einer eindrücklichen Demonstration der direkten Demokratie hat ein Bündnis aus über 50 Organisationen in den Kantonen erfolgreich mobilisiert, um die gentechfreie Landwirtschaft zu schützen. Das ist nicht bloss eine Petition, sondern ein politisches Erdbeben, das die Bundeskanzlei zum Handeln zwingt.

Die grosse Unterstützung, die deutlich vor Ablauf der Frist am 27. Februar zusammenkam, unterstreicht die Dringlichkeit, die die Bevölkerung empfindet. Während andere Länder die Biotechnologie rasch übernehmen, verteidigt die Schweizer Bevölkerung ihr landwirtschaftliches Erbe entschieden. Die Vereinigung für gentechnikfreie Lebensmittel gab den Meilenstein am Montag bekannt und bestätigte, dass die Schwelle für eine nationale Abstimmung klar überschritten wurde. Dieser Anstieg des zivilgesellschaftlichen Engagements zeigt, dass die Debatte über gentechnisch veränderte Organismen noch lange nicht beendet ist, im Gegenteil: Sie nimmt gerade erst Fahrt auf.

Die Frist 2030: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Zeit für die genetische Reinheit der Schweiz läuft ab. Da das geltende Moratorium für gentechnisch veränderte Organismen 2030 auslaufen soll, steht das Land an einem entscheidenden Scheideweg. Das Parlament hat das Verbot im Juni 2025 möglicherweise um fünf Jahre verlängert, doch mit dieser Initiative soll aus einer befristeten Pause ein dauerhafter verfassungsrechtlicher Schutz werden. Die Kampagnenorganisationen geben sich nicht damit zufrieden, die Entscheidung aufzuschieben. Sie verlangen einen soliden, langfristigen Rechtsrahmen, der auch wechselnden politischen Mehrheiten standhält.

Die Initiative ist ein präventiver Schritt gegen die Deregulierung der Biotechnologie in der Lebensmittelproduktion. Die Befürworterinnen und Befürworter argumentieren, dass das Auslaufen des Moratoriums ohne strenge, verfassungsmässig verankerte Kontrollen die Schleusen für unumkehrbare Veränderungen im Schweizer Ökosystem öffnen könnte. Indem sie schon jetzt eine Abstimmung erzwingen, wollen sie den Schutz festschreiben, bevor die Frist 2030 einen überhasteten politischen Kompromiss nötig macht. Das Ziel ist absolute Klarheit: Die Schweizer Landwirtschaft soll sich weiterhin von einem globalen Markt abheben, der zunehmend von im Labor veränderten Nutzpflanzen geprägt ist.

Eine gemeinsame Front: Die Stärke der Koalition

Das ist keine Randbewegung, sondern eine gewichtige Koalition, die für das Herz der Schweizer Gesellschaft steht. Die Kampagne wird von mehr als 50 einflussreichen Organisationen unterstützt und vereint eine Vielfalt, die Respekt verdient. Bedeutende Akteure wie Bio Suisse, Greenpeace, Swissaid und die Kleinbauern-Vereinigung haben sich mit der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) zusammengeschlossen.

Ein so breites Bündnis bildet eine starke politische Kraft. Es vereint Umweltschützerinnen und Umweltschützer, denen die Biodiversität am Herzen liegt, Bäuerinnen und Bauern, die sich um ihre Marktposition sorgen, und Konsumentinnen und Konsumenten, die Transparenz verlangen. Diese Einigkeit ist die grösste Stärke der Kampagne. Wenn Organisationen von radikalen Umweltgruppen bis hin zu traditionellen Bauernverbänden mit einer Stimme sprechen, kann es sich der Bundesrat nicht leisten, sie zu ignorieren. Es ist ihnen gelungen, die Kluft zwischen städtischen Aktivistinnen und Aktivisten und ländlichen Produzentinnen und Produzenten zu überbrücken und eine gemeinsame Front zu bilden, die sich für den Erhalt der Integrität der Schweizer Lebensmittelproduktion einsetzt.

Wahlfreiheit und Risikokontrolle

Im Zentrum dieses Kampfes steht eine nicht verhandelbare Forderung: uneingeschränkte Wahlfreiheit. Die Initiative verlangt ausdrücklich den Schutz der gentechfreien Landwirtschaft und versteht diesen als Grundrecht der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Kampagnenorganisationen argumentieren, dass eine Kontamination unvermeidlich sei, sobald GVO in die freie Umwelt gelangen. Dadurch werde den Konsumentinnen und Konsumenten faktisch die Möglichkeit genommen, sich für rein natürliche Produkte zu entscheiden.

Die Risiken seien zu hoch, um sie einzugehen, betonen sie. Besondere Sorge gilt der biologischen Landwirtschaft, einem Premiumsektor, in dem die Schweiz weltweit führend ist. Jede Kontamination durch Biotech-Pflanzen könnte der Marke «Bio Suisse» schweren Schaden zufügen und das Vertrauen in Schweizer Exporte untergraben. Mit der Forderung nach strenger Regulierung und Schutz vor biotechnologischen Risiken will die Initiative die Bäuerinnen und Bauern des Landes vor den unvorhersehbaren Folgen der Gentechnik bewahren. Damit verteidigt sie ebenso die Schweizer Marke wie die Umwelt.

Die nächsten Schritte: Der Weg zur Abstimmung

Die Maschinerie der direkten Demokratie ist nun in Gang gesetzt. Das Initiativkomitee will nach Bern gehen und die Unterschriftenbögen bis zum Ablauf der Frist am 27. Februar bei der Bundeskanzlei einreichen. Nach der Einreichung werden die Behörden die Gültigkeit der 133'000 Unterschriften überprüfen. Angesichts des deutlichen Abstands zur erforderlichen Zahl von 100'000 dürfte dies eine Formsache sein.

Nach der Überprüfung werden Bundesrat und Parlament den Vorschlag beraten und wahrscheinlich einen Gegenvorschlag oder eine Ablehnungsempfehlung vorlegen, wie es im politischen Betrieb üblich ist. Das letzte Wort hat jedoch die Bevölkerung. Eine nationale Abstimmung ist nun so gut wie sicher. Damit ist der Weg frei für eine heftige öffentliche Debatte über die Zukunft der Lebensmitteltechnologie. Die Schweiz stellt sich auf einen entscheidenden Moment ein, der zeigen wird, ob ihre Felder eine gentechfreie Bastion in Europa bleiben oder ihre Tore für die Biotech-Revolution öffnen.