Kunst
Globaler Kunstmarkt erholt sich 2025, laut Art Basel und UBS
Nach einem Einbruch wuchs der globale Kunstmarkt gemäss dem jüngsten Art Market Report von Art Basel und UBS um 4 Prozent auf 59,6 Milliarden Dollar. Die Erholung wurde von einem Anstieg der Verkäufe von Kunstwerken im Wert von über 10 Millionen Dollar um 30 Prozent und der wachsenden Bedeutung von Kunstmessen getragen.

Der globale Kunstmarkt hat seinen Abwärtstrend gestoppt und legte 2025 kräftig um 4 Prozent auf beeindruckende 59,6 Milliarden Dollar zu. Nach einem schmerzhaften Einbruch von 12 Prozent im Vorjahr hat sich die Branche deutlich neu ausgerichtet. Art-Basel-CEO Noah Horowitz bezeichnet dies als «strategischen Wendepunkt». Das ist nicht bloss eine Stabilisierung, sondern ein Zeichen der Widerstandsfähigkeit eines Sektors, von dem viele befürchteten, er stehe vor einer längeren Rezession.
Der jüngste Art Market Report von Art Basel und UBS bestätigt, dass der Rückgang gestoppt ist. Das Wachstum fällt im Vergleich zu den Boomjahren zwar bescheiden aus, doch die Richtungsänderung ist entscheidend. Der Markt hat verlorenen Boden gutgemacht, getragen von neuem Vertrauen unter den Superreichen. Die Daten zeigen eine klare Zweiteilung: Während die breite Wirtschaft mit Unsicherheit ringt, bleibt die Nachfrage nach Kunstwerken höchster Qualität unersättlich. Der Wert von 59,6 Milliarden Dollar steht für mehr als bloss Verkäufe, er zeugt von der anhaltenden Liquidität der Kunst als globaler Anlageklasse.
Meisterwerke im Hochpreissegment treiben den Aufschwung
Das grosse Geld ist auf dem Auktionsmarkt zurück. Die Erholung kam nicht allen gleichermassen zugute, sondern wurde ausschliesslich von der Spitze des Marktes getragen. Die Verkäufe von Werken im Wert von über 10 Millionen Dollar schnellten um 30 Prozent in die Höhe. Dieser deutliche Aufschwung wurde durch den Verkauf bedeutender Privatsammlungen befeuert. Während sich das mittlere Marktsegment stabilisiert, boomt das oberste Preissegment. Für die Milliardäre dieser Welt bleibt Kunst damit eine erstklassige Wertanlage.
Auktionshäuser profitieren besonders von diesem Trend und verzeichneten einen kräftigen Verkaufsanstieg von 9 Prozent. Im deutlichen Gegensatz dazu legte der Galerienhandel lediglich um bescheidene 2 Prozent zu. Die Dynamik ist klar: Wenn Unsicherheit herrscht, zieht es Sammlerinnen und Sammler wegen der Transparenz und des Spektakels in den Auktionssaal. Der Anstieg der Verkäufe im achtstelligen Bereich um 30 Prozent unterstreicht die Rückkehr zur Jagd nach Trophäen. Seltene Meisterwerke lösen aggressive Bietergefechte aus, unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage.
Die Rückkehr der Kunstmesse
Die digitale Ermüdung ist vorbei, der physische Marktplatz hat seinen Spitzenplatz zurückerobert. Kunstmessen haben ihre Präsenz deutlich ausgebaut und machen inzwischen 35 Prozent des gesamten Galerienumsatzes aus. Das ist ein Anstieg um vier Prozentpunkte und der höchste Anteil seit 2022. Die Branche hat ein klares Zeichen gesetzt: Nichts ersetzt den Handschlag, den Champagner und das unmittelbare Erlebnis, Kunst vor Ort zu betrachten.
Diese Renaissance ist für das gesamte Ökosystem entscheidend. Messen bilden das pulsierende Herz des Galeriennetzwerks und bringen die nötige Dichte an Sammlerinnen und Sammlern zusammen, um Werke zu verkaufen. Die Daten deuten darauf hin, dass die Abhängigkeit von digitalen Viewing Rooms nach der Pandemie ihren Höhepunkt erreicht hat. Sammlerinnen und Sammler wollen vor Ort sein. Die Rückkehr in die Messehallen treibt die Erholung im Galerienhandel voran und zeigt, dass das soziale Kapital der Kunstwelt ebenso wertvoll ist wie die Leinwand selbst.
Die Schweiz übertrifft die globalen Schwergewichte
Während die globalen Schwergewichte USA, Grossbritannien und China ihren gemeinsamen Marktanteil von stabilen 76 Prozent hielten, sorgte die Schweiz für eine Überraschung. Der Schweizer Kunstmarkt legte 2025 beeindruckend um 13 Prozent zu und übertraf damit den globalen Durchschnitt von 4 Prozent deutlich. Während anderswo eine vorsichtige Erholung im Gang war, gab der Schweizer Sektor Vollgas.
Dieses zweistellige Wachstum festigt den Status der Schweiz als spezialisierte Kraft in der globalen Kunstwirtschaft. Dabei geht es nicht nur um die Art Basel, sondern auch um ein starkes heimisches Ökosystem aus Sammlerinnen und Sammlern, Galerien und Freilagern, das mit typisch schweizerischer Effizienz und Diskretion arbeitet. Die grossen Märkte behaupten ihre Vormachtstellung durch ihr Volumen, die Schweiz punktet hingegen mit hoher Wachstumsdynamik. Sie zieht wertvolle Transaktionen an, bei denen Stabilität und Fachwissen wichtiger sind als die blosse Grösse.
Kunsthändler erwarten eine positive Zukunft
Die Stimmung hat sich von einer Haltung des Überlebens hin zu mehr Ambition gewandelt. Dem Bericht zufolge rechnen 43 Prozent der Kunsthändlerinnen und Kunsthändler im laufenden Jahr mit steigenden Verkäufen, weitere 38 Prozent erwarten stabile Umsätze. Nur eine Minderheit rechnet mit einem Rückgang. Dieser Optimismus ist keine unbegründete Hoffnung, sondern stützt sich auf die konkrete Zunahme der Transaktionen und die Rückkehr grosser Käuferinnen und Käufer an den Verhandlungstisch.
Mit dem weiteren Verlauf des Jahres 2026 steht der Markt auf sichererem Boden. Der von Horowitz erwähnte «Wendepunkt» deutet darauf hin, dass der Tiefpunkt hinter uns liegt. Bei stabilen Zinsen und einem Auktionskalender voller hochkarätiger Einlieferungen sind die Voraussetzungen für anhaltendes Wachstum gegeben. Der Kunstmarkt hat den Sturm überstanden. Für Händlerinnen, Händler und Sammlerinnen und Sammler stehen die grünen Triebe von 2025 gut, um im kommenden Jahr zu einem ertragreichen Geschäft aufzublühen.