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Swiss Observer

Glencore meldet Verlust von 1,6 Milliarden Dollar wegen sinkender Kohlepreise

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore meldet für 2024 einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar, obwohl der Umsatz auf 231 Milliarden Dollar gestiegen ist. Sinkende Kohlepreise belasten die Profitabilität.

Glencore meldet Verlust von 1,6 Milliarden Dollar wegen sinkender Kohlepreise
AISWI swissinfo.ch

Der Zuger Rohstoffriese ist ins Straucheln geraten. In einer überraschenden Mitteilung zu den Geschäftszahlen gab der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore für 2024 einen enormen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Dollar bekannt. Diese Zahl steht in starkem, paradoxem Kontrast zur Umsatzentwicklung des Unternehmens: Die Verkäufe stiegen tatsächlich auf 231 Milliarden Dollar, gegenüber 218 Milliarden Dollar im Vorjahr. Während die Umsatzmotoren auf Hochtouren laufen, schmelzen die Gewinnmargen dahin.

Das ist nicht bloss eine geringfügige Korrektur, sondern ein deutlicher finanzieller Rückschlag für einen der mächtigsten Konzerne der Schweiz. Glencores Geschäftsjahr 2024 war geprägt von hohen Umsätzen, aber einem geschrumpften Wert. Während sich das Unternehmen mit volatilen globalen Märkten auseinandersetzt, deutet die Diskrepanz zwischen dem steigenden Umsatz und einem Verlust in Milliardenhöhe auf eine komplexe Krise im Hintergrund hin. Investoren und Analysten müssen nun über die gewaltigen Umsatzzahlen hinausschauen und sich der harten Realität des Unternehmensergebnisses stellen.

Die Kohlefalle: Profitabilität bricht ein

Der Grund für diesen finanziellen Aderlass ist klar: Kohle. Der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) brach dramatisch von 10,4 Milliarden Dollar auf 6,9 Milliarden Dollar ein. Der Einbruch der globalen Kohlepreise hat Glencores starke Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen offengelegt und belastet die Profitabilität des Unternehmens, während andere Bereiche versuchen, sich zu stabilisieren.

Glencore konnte zwar seine Kohlefördermenge steigern, vor allem dank einer strategischen Übernahme in Kanada, doch der Marktwert des schwarzen Goldes ist geschrumpft. Das Unternehmen befindet sich nun in einer heiklen Lage: Es fördert mehr von einem Rohstoff, der derzeit deutlich weniger wert ist. Der Einbruch des Betriebsgewinns um 3,5 Milliarden Dollar verdeutlicht die Volatilität des Energiesektors und wirft dringende Fragen zum Zeitpunkt im Rohstoffzyklus auf. Der Markt hat sich verändert, und Glencore bekommt den Abschwung zu spüren.

Produktionsrückgang: Metalle verlieren an Glanz

Abseits der Kohlegruben kämpft Glencore mit einem umfassenderen Produktionsrückgang. Der Bericht für 2024 zeigt einen besorgniserregenden Trend bei den zukunftsorientierten Metallen im Portfolio des Unternehmens. Die Produktion von Kupfer, Kobalt und Nickel, wichtigen Bestandteilen der globalen Energiewende, ist gegenüber dem Vorjahr gesunken. Auch die Ölförderung setzte ihren Abwärtstrend fort.

Dieser Rückgang der Produktion ist alarmierend. Während die Welt nach Batteriemetallen und Infrastruktur für die Elektrifizierung verlangt, fördert Glencore weniger. Das Unternehmen kämpft praktisch an zwei Fronten: Es muss sich in seiner Sparte für fossile Brennstoffe gegen sinkende Preise behaupten und gleichzeitig die Produktion in seiner wichtigen Metallsparte steigern oder zumindest aufrechterhalten. Dieses durchzogene Produktionsjahr deutet auf betriebliche Herausforderungen hin, die über blosse Schwankungen der Marktpreise hinausgehen.

Ausschüttungen an Aktionäre: Trotz Defizit

Trotz des Verlusts von 1,6 Milliarden Dollar unternimmt Glencore entschlossene Schritte, um seine Investoren zufriedenzustellen. Das Unternehmen kündigte eine Ausschüttung von rund 2,2 Milliarden Dollar an die Aktionäre an. Dieser mutige Schritt soll Zuversicht und Stabilität vermitteln. Das Paket umfasst eine Basisdividende von 0,10 Dollar pro Aktie sowie ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 1 Milliarde Dollar.

Diese Strategie ist ein klassischer Abwehrmechanismus von Unternehmen: Wenn die Gewinne schwächeln, wird Geld zurückgegeben. Mit der Aufrechterhaltung dieser Ausschüttungen signalisiert das Unternehmen mit Sitz in Zug, dass seine Bilanz solide genug ist, um den Herausforderungen des Jahres 2024 standzuhalten. Milliarden auszuschütten und gleichzeitig einen Nettoverlust auszuweisen, ist jedoch ein Drahtseilakt. Kurzfristig werden damit die Aktionärsrenditen priorisiert, zugleich werden aber die Barreserven geschmälert, während die operative Profitabilität unter Druck steht.

Neue Führung: Strategische Veränderungen im Verwaltungsrat

Mitten in den finanziellen Turbulenzen verändert sich die Zusammensetzung der Glencore-Führung. Der Verwaltungsrat hat María Margarita Zuleta mit sofortiger Wirkung als neues unabhängiges, nicht exekutives Mitglied berufen. Zuleta ist kolumbianische Staatsangehörige und Professorin an der School of Government der Universidad de los Andes. Sie bringt umfassende regionale Fachkenntnisse mit.

Ihre Ernennung ist strategisch. Glencore besitzt umfangreiche Vermögenswerte in Südamerika, insbesondere die Kohlemine Cerrejón in Kolumbien. Daher ist Fachwissen in der lokalen Unternehmensführung entscheidend. Der Schritt erfolgt, während die Gerüchte über mögliche Grossfusionen, darunter angebliche Vorgespräche mit Rio Tinto, weiter kursieren. Während Glencore durch ein schwieriges finanzielles Umfeld navigiert, deutet die Neubesetzung im Verwaltungsrat darauf hin, dass der Konzern seine geopolitischen Beziehungen stärken und sich auf weitreichende Unternehmensmanöver im Jahr 2025 vorbereiten will.