Tourismus
Wanderer aus Deutschland nach Begegnung mit Herdenschutzhunden in Graubünden verletzt
Zwei Wanderer aus Deutschland erlitten nach einer Begegnung mit Herdenschutzhunden im Val Sumvitg in Graubünden leichte Verletzungen. Einer der Wanderer rutschte nach dem Vorfall zehn Meter einen Hang hinunter. Der Vorfall wird nun vom Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit untersucht.

Ein schrecklicher Sturz über zehn Meter einen steilen Berghang hinunter hat eine gewöhnliche Wanderung im Herzen Graubündens in einen lebensbedrohlichen Albtraum verwandelt. Am Montag, dem 3. August, trafen zwei deutsche Staatsangehörige im Alter von 21 und 22 Jahren im abgelegenen Val Sumvitg auf zwei Herdenschutzhunde und wurden mit der unbändigen Kraft des Schweizer Herdenschutzes konfrontiert. Was als Abstieg von der Fuorcla da Cavel Richtung Run Sut begann, endete in einem verzweifelten Kampf um Sicherheit. Der 22-jährige Wanderer verlor während der Begegnung den Halt und rutschte zehn Meter das gefährliche Gelände hinunter. Die erlittenen Verletzungen werden derzeit zwar als leicht eingestuft, doch die psychische Belastung einer solchen Begegnung in grosser Höhe ist immens. Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) rückte umgehend aus und flog beide Betroffenen ins Spital nach Ilanz. Der Vorfall macht deutlich, wie internationaler Tourismus und traditionelle Schweizer Landwirtschaft aufeinandertreffen. Dabei kann die Grenze zwischen einem malerischen Wanderweg und einem bewachten Gebiet im Nu verschwinden.
Behörden leiten dringende Untersuchung zur Sicherheit bei Herdenschutzhunden ein
Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit ist offiziell tätig geworden und hat gemeinsam mit der Kantonspolizei Graubünden eine umfassende Untersuchung des Vorfalls im Val Sumvitg eingeleitet. Es handelt sich nicht bloss um einen lokalen Unfall, sondern um eine kritische Prüfung der Frage, wie Herdenschutzhunde in öffentlich zugänglichen Gebieten eingesetzt werden. Die Ermittler untersuchen das Verhalten der beiden beteiligten Hunde, um festzustellen, ob ihre Reaktion verhältnismässig war oder ob bei der Betreuung der Herde Fehler gemacht wurden. In der Schweiz werden Herdenschutzhunde darauf trainiert, ausgesprochen eigenständig und wachsam zu sein. Gleichzeitig müssen sie mit den Tausenden Wanderern zusammenleben, die jedes Jahr in die Alpen strömen. Das Ergebnis der Untersuchung könnte künftige Vorschriften für Landwirte in der Region bestimmen. Während sich die 21 und 22 Jahre alten Wanderer erholen, rückt die Frage der Verantwortung in den Vordergrund. War der Weg ausreichend markiert? Waren die Hunde genügend ausgebildet? Diese Fragen stehen nun im Zentrum einer Rechts- und Sicherheitsdebatte, die das Wandererlebnis in der Ostschweiz verändern könnte.
Der Beschützerinstinkt: Der zunehmende Einsatz von Arbeitshunden
Die Schweiz setzt vermehrt auf Herdenschutzhunde, während sie sich mit der Rückkehr grosser Raubtiere wie Wölfen auseinandersetzt. Diese Hunde sind keine Haustiere, sondern biologische Schutzsysteme, die seit Jahrhunderten so gezüchtet werden, dass sie Bedrohungen unbeirrbar aggressiv begegnen. Diese uralte Lösung führt jedoch zu Spannungen in der modernen Welt. Die Tiere sind zwar für den Schutz von Schafen und Rindern unerlässlich, doch ihre Präsenz auf beliebten Wanderwegen schafft für unerfahrene Wanderer eine heikle Situation. Der Gegensatz ist deutlich: Wanderer suchen Erholung, während der Hund eine Verletzung seines Reviers wahrnimmt. Statistiken aus dem gesamten Alpenraum deuten darauf hin, dass Bisse zwar selten sind, die einschüchternde Wirkung jedoch erheblich ist. Der Vorfall im Val Sumvitg erinnert eindrücklich daran, dass der «Beschützerinstinkt» nicht zwischen einem Raubtier und einem Touristen unterscheidet. Während die Schweiz weiterhin ihre «wilde Schönheit» bewirbt, muss sie zugleich die realen Gefahren bewältigen, die eine bewirtschaftete und geschützte Landschaft mit sich bringt.
Sicher unterwegs auf den Hochalpen: Verbindliche Verhaltensregeln
Um in den Schweizer Alpen sicher unterwegs zu sein, braucht es heute mehr als nur körperliche Fitness. Auch ein Verständnis für die Psyche von Tieren ist nötig. Der Schweizer Alpen-Club (SAC) und landwirtschaftliche Organisationen haben klare, verbindliche Verhaltensregeln für Wanderer herausgegeben: Schwingen Sie keine Stöcke, vermeiden Sie direkten Blickkontakt und nähern Sie sich niemals Jungtieren. Der Unfall im Val Sumvitg zeigt, wie dringend diese Hinweise sind. Für den 22-Jährigen, der zehn Meter den Hang hinunterrutschte, hatte die Lektion einen hohen Preis. Künftig tragen beide Seiten Verantwortung für die Sicherheit. Wanderer müssen den «bewirtschafteten» Charakter dieser Weiden respektieren, während die Landwirtschaft dafür sorgen muss, dass Herdenschutzhunde ausreichend sozialisiert sind, um unbegründete Eskalationen zu vermeiden. Während die Wandersaison im Sommer ihren Höhepunkt erreicht, ist die Botschaft aus Graubünden klar: Die Berge sind ein gemeinsamer Lebensraum, aber keineswegs eine kontrollierte Umgebung. Respektieren Sie den Hund, sonst riskieren Sie einen Sturz. Die Zukunft des Schweizer Alpentourismus hängt von diesem heiklen, oft gefährlichen Gleichgewicht ab.