Wirtschaft
Genfer Messe «Watches and Wonders» startet trotz Flaute im Luxussegment mit Besucherrekord
Trotz eines schwierigen globalen Marktes für Luxusgüter ist die Messe «Watches and Wonders» in Genf mit einer Rekordzahl an Ausstellern und erwarteten Besuchern eröffnet worden. Damit unterstreicht sie ihre zentrale Bedeutung für die Schweizer Uhrenindustrie.

Gleich 65 Marken sind nach Genf gekommen, ein Rekord für die Watches and Wonders 2026. Während der globale Luxusmarkt mit einer abkühlenden Nachfrage kämpft, baut das Schweizer Uhrenzentrum seine Dominanz weiter aus. Das ist nicht bloss eine Fachmesse, sondern eine eindrückliche Demonstration industrieller Stärke. Über 60'000 Besucherinnen und Besucher werden in den Hallen der Palexpo erwartet. Das zeigt: Auch wenn die Gesamtwirtschaft ins Schwitzen kommt, bleibt die Nachfrage nach Schweizer mechanischer Exzellenz gross. Die schiere Dimension der Veranstaltung mit 6'000 Detailhändlern und 1'700 Journalistinnen und Journalisten unterstreicht Genfs Stellung als unbestrittene Hauptstadt der Zeit. Diese Rekordbeteiligung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Die Branche muss beweisen, dass ihre Dynamik kein kurzfristiger Effekt der Zeit nach der Pandemie ist, sondern Ausdruck eines nachhaltigen Wandels des Luxuskonsums.
Die Bedeutung der persönlichen Begegnung
Die sinnliche Anziehungskraft einer Schweizer Uhr hält der Digitalisierung stand. Cyrille Vigneron, Präsident der Watches and Wonders Geneva Foundation, betont, dass sich die Gesellschaft nach physischen Begegnungen «sehnt». Die Zahlen geben ihm recht: Der Onlinehandel hat den Verkauf im Geschäft nicht überholt. Das bestätigt, dass eine Uhr im fünfstelligen Preisbereich nicht bloss einen Mausklick, sondern einen Handschlag und eine Lupe verlangt. Die Messe ist eine wichtige Korrektur der Annahme aus der Pandemiezeit, die Welt werde sich vollständig ins Internet verlagern. Indem die WWGF die Branchengrössen Rolex, Richemont und Patek Philippe sowie neu auch LVMH und Chanel zusammenbringt, hat sie eine Festung für die Branche geschaffen. Dieses Treffen ist strategisch notwendig: Hier werden die bedeutendsten Geschäfte des Jahres abgeschlossen, und 6'000 Detailhändler aus aller Welt können das sinnliche Erlebnis von Luxus neu erfahren.
Widerstandsfähigkeit in geopolitisch turbulenten Zeiten
Die Schweizer Uhrenindustrie begegnet einer Welt mit «unsicheren geopolitischen Situationen» mit einer eindrücklichen Anpassungsleistung. Nathalie Fontanet von der Genfer Kantonsregierung beschreibt die aktuelle Lage der Branche als «bemerkenswert widerstandsfähig». Während andere Sektoren sich bei einem Rückgang im Luxussegment vielleicht zurückziehen, gehen Schweizer Uhrenhersteller voran, indem sie ihre Designs und Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Die Aufnahme von Branchenschwergewichten wie Chanel, Hermès und der LVMH-Gruppe in den Stiftungsrat signalisiert einen in der Geschichte des Uhrmacherhandwerks beispiellosen Zusammenhalt. Diese Einigkeit schützt vor Marktvolatilität. Indem die Marken ihren Einfluss in Genf bündeln, sorgen sie dafür, dass die Schweizer Uhrmacherei ein sicherer Hafen für Kapital und ein Leuchtturm der Stabilität in einer zunehmend zersplitterten Weltwirtschaft bleibt.
Öffnung für die Öffentlichkeit als Investition in die Zukunft
Die letzten drei Messetage markieren einen deutlichen Strategiewechsel: Die Tore werden für die breite Öffentlichkeit geöffnet. Die Messe ist kein abgeschotteter Zirkel für die Elite mehr, sondern soll gezielt die nächste Generation von Sammlerinnen und Sammlern inspirieren. Indem die Branche die Welt einlädt, die «Kunst der Uhrmacherei» aus nächster Nähe zu erleben, schafft sie einen kulturellen Schutzwall um ihre Produkte. Zum Abschluss der einwöchigen Messe verlagert sich der Fokus vom Handelsvolumen auf die kulturelle Wirkung. Der Erfolg der Watches and Wonders 2026 wird nicht nur an den unmittelbaren Bestellungen gemessen, sondern auch daran, ob es gelingt, den «Traum» von der mechanischen Uhr im digitalen Zeitalter lebendig zu halten. Für die Schweiz steht viel auf dem Spiel. Die Messe ist der ultimative Beweis dafür, dass das Herz der Schweizer Industrie trotz wirtschaftlichen Gegenwinds präziser und ehrgeiziger denn je schlägt.