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Swiss Observer

Genf plant grossen Ausbau des öffentlichen Verkehrs mit neuer Metrolinie

Genf kündigt ein ambitioniertes Infrastrukturprojekt mit einer unterirdischen Metro und verbesserten grenzüberschreitenden Verbindungen an, um die regionale Mobilität zu verbessern.

Genf plant grossen Ausbau des öffentlichen Verkehrs mit neuer Metrolinie
AIThe Local Switzerland

Jeden Tag strömen unglaubliche 112'000 Arbeitnehmende über die französische Grenze nach Genf und bringen die Infrastruktur des Kantons an ihre absolute Belastungsgrenze. Das bestehende System ist nicht bloss stark ausgelastet, sondern überlastet und bringt die wirtschaftlichen Verkehrsadern der Region während der Stosszeiten ins Stocken. Als mutige und entschlossene Antwort auf diese Mobilitätskrise hat Genf ein gewaltiges Infrastrukturprojekt im Umfang von 4 Milliarden Franken vorgestellt, das den Verkehrsstau auflösen soll.

Dabei handelt es sich nicht einfach um eine Renovation, sondern um eine vollständige Neuausrichtung des regionalen Verkehrs. Die Behörden flicken nicht länger ein marodes Verkehrssystem, sondern verpflichten sich zu einer massiven Investition, um die Zukunft des Kantons zu sichern. Auch wenn die vollständige Umsetzung dieser Vision noch Jahrzehnte entfernt ist, zeigt das gewaltige Ausmass der Investition, dass sich Genf endlich der Realität seiner metropolitanen Ausdehnung stellt. Die Botschaft ist klar: Die Ära der vom Auto geprägten Verkehrsüberlastung geht zu Ende, und mit beispiellosem Ehrgeiz wird eine neue Ära leistungsfähiger Schnellverbindungen eingeläutet.

Die Zukunft unter Tage: Eine 22 Kilometer lange Verkehrsader

Das Kernstück dieses ambitionierten Plans ist eine 22 Kilometer lange unterirdische Metrolinie, die ein technisches Meisterwerk werden soll. Die neue Nord-Süd-Achse führt direkt vom Fuss des Jura bis zum Fuss des Salève und wird die Geografie des Genfer Verkehrs grundlegend verändern. Besonders spektakulär ist die geplante Unterquerung des Seebeckens Rade, die beide Ufer der Stadt effizient und nahtlos miteinander verbinden soll.

Die Strecke ist auf grösstmögliche Wirkung ausgelegt und führt über wichtige Verkehrsknotenpunkte wie CERN, Meyrin und das Quartier Sécheron, bevor sie unter dem Wasser hindurch nach Eaux-Vives und Plainpalais verläuft. Mit Haltestellen im Abstand von jeweils 800 bis 1200 Metern soll kein wichtiges Quartier abgehängt werden. Dabei geht es nicht nur darum, Menschen zu befördern, sondern auch um Geschwindigkeit. Nach der Fertigstellung können Pendlerinnen und Pendler ihre Reisezeit deutlich verkürzen und den ganzen Kanton in nur 30 Minuten durchqueren. Diese unterirdische Verkehrsader wird das Rückgrat eines erneuerten Genfs bilden und das Chaos an der Oberfläche vollständig umgehen.

Grenzen überwinden: Bessere Verbindungen für Pendler

Genf baut die logistischen Hindernisse zwischen der Schweiz und Frankreich mit Nachdruck ab. Da die Region unabhängig von nationalen Grenzen als ein einziger Wirtschaftsraum funktioniert, soll das neue Projekt tief ins benachbarte Frankreich hineinreichen. Die Metro erhält zwei wichtige Anschlusspunkte jenseits der Grenze: Saint-Genis im Département Ain und Saint-Julien im Département Haute-Savoie. Damit werden die Grenzgängerinnen und Grenzgänger direkt in das Schweizer Verkehrsnetz eingebunden.

Die Behörden warten jedoch nicht auf die Metro, um den grenzüberschreitenden Verkehr zu verbessern. Eine unmittelbare Entlastung zeichnet sich ab. Der Léman Express soll deutlich ausgebaut werden: Neue Doppelstockzüge werden die Pendlerkapazität um ganze 50 Prozent erhöhen. Zudem soll eine wichtige neue Verbindung zwischen Annemasse und dem Flughafen Genf bereits 2026 in die Testphase gehen. Durch den Ausbau der Verbindungen nach Lyon und zum europäischen TGV-Nord-Süd-Netz festigt Genf seine Stellung nicht nur als Schweizer Stadt, sondern auch als europäischer Verkehrsknotenpunkt.

Vision 2040: Ein neues Genf gestalten

Das Projekt ist zwar ein planerischer Erfolg, doch Fortschritt braucht Geduld. Die vollständige Metrolinie soll zwischen 2040 und 2045 fertiggestellt werden. Damit gehört das Projekt eindeutig zur Infrastruktur, deren Umsetzung eine ganze Generation beansprucht. Die lange Wartezeit ist jedoch strategisch notwendig, um den Autoverkehr zu «entlasten», der derzeit die Stadt, den Kanton und die grenzüberschreitenden Regionen belastet.

Die noch weiter reichende Möglichkeit einer Metroverbindung nach Annecy deutet darauf hin, dass dieses Projekt erst der Anfang einer umfassenderen regionalen Integration ist. Für die Schweizer Bevölkerung und die Einwohnerinnen und Einwohner Genfs ist die Ankündigung ein Versprechen, dass sich ihre Stadt weiterentwickelt, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. An die Stelle kurzfristiger Reaktionen tritt eine vorausschauende, visionäre Stadtentwicklung. Genf sichert seine Lebensqualität und wirtschaftliche Bedeutung für die nächsten fünfzig Jahre und beweist damit, dass es bereit ist, für eine funktionierende Zukunft tief zu graben, im wörtlichen wie im finanziellen Sinn.