Wirtschaft
Genf erwägt angesichts des wirtschaftlichen Drucks eine neue Abstimmung über Sonntagsverkäufe
Das Genfer Parlament stimmt einem Vorschlag zu, der den Geschäften erlaubt, an zwei zusätzlichen Sonntagen pro Jahr zu öffnen. Dies könnte ein Referendum auslösen, während die Stadt mit den Herausforderungen des Detailhandels ringt.

Die Genfer Detailhandelslandschaft könnte sich verändern: Das Kantonsparlament hat eine bedeutende Änderung der Regeln für Sonntagsverkäufe gutgeheissen. Der neue Vorschlag wurde mit 63 zu 33 Stimmen angenommen und würde es den Geschäften erlauben, zusätzlich zum geltenden 31. Dezember an zwei weiteren Sonntagen pro Jahr zu öffnen. Diese Gesetzesinitiative ist der jüngste Versuch, die Handelsregeln an die sich wandelnden wirtschaftlichen Bedürfnisse einer der internationalsten Städte der Schweiz anzupassen.
Historischer Kontext und frühere Abstimmungen
Der Weg zu geänderten Öffnungszeiten an Sonntagen in Genf war von mehreren Volksabstimmungen geprägt. Die Bevölkerung hat bereits dreimal über ähnliche Fragen abgestimmt, was die Komplexität und Sensibilität des Themas zeigt. 2016 stimmten die Schweizer Stimmberechtigten einer Regelung zu, die Geschäften erlaubte, an drei Sonntagen pro Jahr zu öffnen, sofern ein erweiterter Gesamtarbeitsvertrag vorlag. Die Verhandlungen darüber kamen jedoch nie zum Abschluss. Ein anschliessendes, auf zwei Jahre befristetes Gesetz, das 2019 versuchsweise Öffnungen ohne einen solchen Vertrag ermöglichen sollte, wurde 2021 in einer Volksabstimmung abgelehnt.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Der Vorstoss für längere Öffnungszeiten an Sonntagen erfolgt angesichts des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks auf den Genfer Detailhandel. Der Vorschlag soll lokale Unternehmen unterstützen, die mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, insbesondere im Wettbewerb mit dem benachbarten Frankreich und dem Onlinehandel. Die zusätzlichen Verkaufstage könnten den Detailhändlern wichtige wirtschaftliche Chancen eröffnen und zugleich den Tourismus sowie die lokalen Ausgaben ankurbeln. Die Auswirkungen auf die Rechte der Arbeitnehmenden und auf kleine Unternehmen bleiben jedoch ein zentraler Aspekt der laufenden Debatte.
Aussichten auf ein Referendum
Trotz der deutlichen Zustimmung des Parlaments könnte der neue Vorschlag zu Sonntagsverkäufen erneut vor das Volk kommen. Die Möglichkeit eines Referendums unterstreicht den demokratischen Charakter der Schweizer Politik und die anhaltende Debatte zwischen wirtschaftlichen Interessen und sozialen Erwägungen. Angesichts der früheren Abstimmungen und der Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in der Schweizer Kultur dürfte ein mögliches Referendum eine breite öffentliche Diskussion auslösen. Dabei müssten sowohl die Rechte der Arbeitnehmenden als auch die Bedürfnisse der Unternehmen sorgfältig abgewogen werden.