Wirtschaft
Geschlechterlücke in Schweizer Führungspositionen: Regionale Unterschiede bleiben bestehen
Eine neue Studie zeigt langsame, aber stetige Fortschritte bei Frauen in Führungspositionen, mit deutlichen Unterschieden zwischen Schweizer Regionen und Branchen.

Die Schweiz hat in den vergangenen zehn Jahren bescheidene, aber stetige Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen erzielt. Aktuelle Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes CRIF zeigen, dass Frauen im Februar 2025 28,4% aller im Handelsregister eingetragenen Führungspositionen innehatten. Das entspricht einem Anstieg um 2,9 Prozentpunkte seit 2014. Diese allmähliche Verbesserung spiegelt die anhaltenden Bemühungen der Schweiz wider, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Führungsrollen abzubauen. Das Tempo des Wandels zeigt jedoch, dass noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht.
Regionale Unterschiede
Die Studie weist auf erhebliche regionale Unterschiede beim Frauenanteil in Führungspositionen in der Schweiz hin. Die deutschsprachigen Kantone Aargau und Basel-Landschaft liegen mit dem höchsten Anteil an weiblichen Führungskräften an der Spitze. Dieser nähert sich einem Drittel aller Führungspositionen. Zürich und Glarus folgen mit 29,8% dicht dahinter, während Appenzell Innerrhoden und Thurgau mit 29,7% ebenfalls gut abschneiden. Zwischen den deutschsprachigen und den lateinischen Regionen besteht jedoch ein deutlicher Unterschied: In den französischsprachigen Kantonen und im Tessin ist der Frauenanteil geringer. Im Kanton Freiburg ist er mit 25,5% am niedrigsten. Dies verdeutlicht die anhaltenden regionalen Unterschiede bei den Fortschritten in der Gleichstellung der Geschlechter.
Unterschiede nach Branchen
Der Frauenanteil in Führungspositionen unterscheidet sich je nach Wirtschaftsbranche stark. Im Veterinärwesen beträgt er 55%, während bei sozialen Dienstleistungen und persönlichen Dienstleistungen mit rund 50% nahezu Gleichstand herrscht. In traditionell männerdominierten Branchen bestehen dagegen weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Im Tiefbau, im Maschinenbau und im Baugewerbe liegt der Frauenanteil deutlich unter 15%. Im Detailhandel zeigt sich ein besonderes Paradox: Nur 35% der Führungskräfte sind Frauen, obwohl Frauen zwei Drittel der Beschäftigten ausmachen. Jüngst gab es positive Entwicklungen in der Rundfunkbranche, bei sozialen Dienstleistungen und in der Herstellung chemischer Produkte. Dort ist der Frauenanteil in Führungspositionen am stärksten gestiegen.
Unternehmensführung und Ausblick
Auch bei der Zusammensetzung von Verwaltungsräten zeigt sich eine allmähliche Verbesserung. Frauen besetzen inzwischen 24,7% der Verwaltungsratssitze. Im Untersuchungszeitraum ist der Anteil um 2,8 Prozentpunkte gestiegen. Basel-Stadt liegt bei der Geschlechtervielfalt in Verwaltungsräten mit einem Frauenanteil von 26,5% an der Spitze, gefolgt von Aargau (26%) und Zürich (25,9%). Zug liegt mit 19,5% weiblichen Verwaltungsratsmitgliedern zurück. Die Zahlen zeigen, dass bei der Geschlechtervielfalt in der Unternehmensführung zwar Fortschritte erzielt werden, für die Gleichstellung aber anhaltende Bemühungen nötig sind. Branchenexpertinnen und -experten betonen, dass weitere Fortschritte ein aktives Engagement von Männern und Frauen in Führungspositionen sowie die fortgesetzte Unterstützung durch die Politik und das Bekenntnis der Unternehmen zu Diversitätsinitiativen erfordern.