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Swiss Observer

Freiburg lanciert Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Jean Tinguely

Der Kanton plant ein umfangreiches Kulturprogramm mit Ausstellungen, einem Velorennen und einem Volksfest, um den 100. Geburtstag des Maschinenkünstlers zu feiern.

Freiburg lanciert Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Jean Tinguely
AISWI swissinfo.ch

Freiburg nimmt nicht einfach ein Datum im Kalender zur Kenntnis, sondern entfacht eine kulturelle Explosion zu Ehren seines exzentrischsten Sohnes. Am 22. Mai 2025 jährt sich der Geburtstag von Jean Tinguely, dem Meister des kinetischen Chaos, zum 100. Mal. Stadt und Kanton tun sich zusammen und lancieren ein umfangreiches, facettenreiches Programm, das niemand übersehen kann. Das ist keine biedere Retrospektive im Museum, sondern eine lebendige Hommage an den Mann, der die Kunst in Bewegung versetzte.

Die Behörden haben ein ehrgeiziges Veranstaltungsprogramm vorgestellt, das den «verspielten» und «unkonventionellen» Geist des Künstlers einfangen soll. Von hochkarätigen Ausstellungen bis zu öffentlichen Spektakeln erhebt Freiburg Anspruch darauf, das Zentrum von Tinguelys Welt zu sein. Der Umfang der Feierlichkeiten unterstreicht den nachhaltigen Einfluss des Künstlers auf das Schweizer Kulturerbe und verwandelt die Region in eine dynamische Bühne, auf der mechanische Kunst auf das öffentliche Leben trifft. Die Botschaft ist klar: Tinguelys Zahnräder drehen sich noch immer, und Freiburg ist bereit, die Lautstärke bis zum Anschlag aufzudrehen.

Chaos entfesseln: Das Fest im Juni

Reservieren Sie sich den 15. Juni im Kalender, denn Freiburg will die Stadt «Bewegung, Lärm, Musik, Chaos und viel Geselligkeit» überlassen. Das ist nicht einfach eine Party, sondern eine orchestrierte Störung im besten Sinne. Die Organisatoren haben sich mutig ein Motto gegeben, das die Stille ablehnt und das Klangchaos begrüsst, das Tinguelys Schaffen prägte. Bei einem grossen Volksfest mit lokalen Künstlerinnen und Künstlern werden die Strassen von derselben Energie erfüllt sein, die Tinguelys berühmte, sich selbst zerstörende Maschinen antrieb.

Im Mittelpunkt des Spektakels steht ein Umzug, angeführt von einer eigens für diesen Anlass gebauten Maschine, einer rollenden Hommage an den Erfindergeist. Er verspricht eine «fröhliche und unkonventionelle Atmosphäre» und greift damit unmittelbar den Geist des gebürtigen Freiburger Künstlers auf. Während andere Hundertjahrfeiern womöglich auf höfliche Reden setzen, wählt Freiburg lautes, bewegtes Treiben. Dieses öffentliche Fest bildet das pulsierende Herz des Jubiläums und zeigt, dass Tinguelys Vermächtnis nicht nur aus Metall und Motoren besteht, sondern auch aus der Freude am gemeinsamen Erleben inmitten des Lärms.

Der künstlerische Umweg der Tour de Romandie

In einer gelungenen Verbindung von Sport und Kultur bricht die Tour de Romandie 2025 mit ihrer Tradition, um dem Meister der mechanischen Kunst die Ehre zu erweisen. Das Rennen umfasst eine spezielle Etappe, die eine geografische Verbindung zwischen den beiden prägenden Orten in Tinguelys Leben schafft. Die Route soll das Feld von Basel, dem Standort des weltbekannten Tinguely-Museums, direkt nach Freiburg führen und dabei in unmittelbarer Nähe des Espace Jean Tinguely-Niki de Saint Phalle vorbeikommen.

Das ist mehr als ein Rennen, es ist eine Pilgerfahrt auf zwei Rädern. Indem die Tour de Romandie diese beiden bedeutenden Orte miteinander verbindet, unterstreicht sie die nationale Bedeutung des Künstlers. Nur selten richtet ein grosses Sportereignis seine Streckenführung so ausdrücklich nach einem kulturellen Jubiläum aus. Während sich die Velofahrerinnen und Velofahrer vom Rhein zur Saane vorarbeiten, folgen sie dem geografischen Bogen von Tinguelys Schaffen und tragen die Feierlichkeiten aus den Galerien hinaus auf den Asphalt der Westschweiz.

Das Vermächtnis eines Sohnes der Heimat zurückgewinnen

Jean Tinguely, geboren am 22. Mai 1925 in Freiburg, ist bis heute eine herausragende Persönlichkeit der Kunst des 20. Jahrhunderts. 2025 bekräftigt sein Heimatkanton seinen Anspruch auf sein Vermächtnis. Seine Werke wurden weltweit durch ihre satirische Kritik an der industriellen Überproduktion bekannt, doch seine Wurzeln liegen tief in der Schweiz. Das Jubiläum erinnert eindringlich an den Beitrag der Region zur internationalen Avantgarde.

Indem Freiburg Hochkultur, Volksfeste und Spitzensport miteinander verbindet, sorgt die Stadt dafür, dass Tinguelys Name einer neuen Generation in Erinnerung bleibt. Es handelt sich nicht um ein passives Gedenken, sondern um eine aktive Auseinandersetzung mit dem Kulturerbe. Während der Kanton seine «verspielten Konstruktionen» präsentiert und Tinguelys Leben feiert, festigt er zugleich Freiburgs Stellung als bedeutender Kulturstandort. Das Jahr 2025 verspricht ein lautes, bewegtes und unvergessliches Zeugnis für den Mann zu werden, der der Welt zeigte, dass Kunst nicht stillstehen muss.