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Swiss Observer

Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz muss wegen Steuerhinterziehung fast eine Million Franken Busse bezahlen

Der ehemalige Chef der Raiffeisenbank, Pierin Vincenz, muss nach der Abweisung seiner Beschwerde durch das Schweizerische Bundesgericht eine Busse von knapp einer Million Franken bezahlen. Das Urteil bestätigt, dass er zwischen 2012 und 2015 Einkommen in Höhe von 3,4 Millionen Franken nicht deklariert hat.

Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz muss wegen Steuerhinterziehung fast eine Million Franken Busse bezahlen
AISWI swissinfo.ch

Die höchste rechtliche Instanz der Schweiz hat gesprochen, und der Preis für Pierin Vincenz’ Überheblichkeit beträgt fast eine Million Franken. Das Schweizerische Bundesgericht hat eine Beschwerde des ehemaligen Raiffeisen-CEO entschieden abgewiesen und damit eine Busse von 980'000 Franken bestätigt. Sie ist eine scharfe Zurechtweisung für den einst gefeierten Finanzmagnaten. Dies ist kein blosser administrativer Klaps auf die Finger, sondern eine definitive juristische Niederlage für Vincenz’ Versuch, das Schweizer Steuersystem zu umgehen. Das am 1. Mai 2026 abgeschlossene Urteil bestätigt, dass selbst die mächtigsten Figuren der alpinen Bankenwelt nicht über dem Gesetz stehen. Jahrelang verkörperte Vincenz das aggressive Wachstum von Raiffeisen, heute steht er jedoch als Symbol für institutionelle Schande. Diese Busse von knapp einer Million Franken markiert einen wichtigen Meilenstein in einem tiefen Fall, der die Schweizer Öffentlichkeit in seinen Bann gezogen und das Vertrauen in die heimische Bankenwelt erschüttert hat. Die Weigerung des Gerichts, auf seine Beschwerde einzutreten, signalisiert das Ende seiner steuerbezogenen Manöver und erzwingt eine längst überfällige Abrechnung.

Die Täuschung um drei Millionen Franken aufgedeckt

Zwischen 2012 und 2015 fehlten in Pierin Vincenz’ Steuererklärungen Einkommen von sage und schreibe 3,4 Millionen Franken. Während er an der Spitze der drittgrössten Bankengruppe der Schweiz stand, deklarierte Vincenz seine Einkünfte gegenüber den Behörden in Appenzell Ausserrhoden systematisch zu niedrig. Dies war kein einfacher Schreibfehler, sondern ein anhaltendes Versäumnis, während des Höhepunkts seines beruflichen Einflusses beträchtliches Vermögen zu deklarieren. Das Kantonsgericht deckte diese Diskrepanz ursprünglich im April 2025 auf, doch erst das jüngste Eingreifen des Bundesgerichts sorgte dafür, dass er zur Rechenschaft gezogen wurde. Neben der Busse von 980'000 Franken muss sich Vincenz nun auf die Aussicht erheblicher Nachsteuerzahlungen einstellen, die die Busse selbst übersteigen könnten. Der enorme Umfang der nicht deklarierten Gelder, mehr als die zusammengezählten Jahreseinkommen Dutzender durchschnittlicher Schweizerinnen und Schweizer, verdeutlicht die tiefe Kluft zwischen dem öffentlichen Image des Bankers und seinem privaten Finanzgebaren. Während die Einzelheiten dieser verborgenen Millionen ans Licht kommen, zeichnen sie das Bild eines Mannes, der glaubte, in einer parallelen Finanzrealität agieren zu können, abgeschirmt durch seinen Status und die Komplexität seiner Geschäfte.

Schattenverfahren und das Ende der Geheimhaltung

Die Rechtsprechung im Schweizer Steuersystem findet oft hinter verschlossenen Türen statt, doch der Fall Vincenz hat dieses Schweigen gebrochen. Monatelang blieb der Rechtsstreit in Appenzell Ausserrhoden der Öffentlichkeit vollständig verborgen, geschützt durch die strengen Schweizer Datenschutzbestimmungen für Steuerverfahren. Erst dank der beharrlichen Recherchearbeit der SonntagsZeitung und der Tamedia-Gruppe kam die Wahrheit ans Licht. Die Ermittler stiessen ursprünglich nicht bei einer routinemässigen Prüfung auf den Verdacht der Steuerhinterziehung, sondern bei der Durchsicht der in Zürich eingereichten Anklageschriften zu seinen anderen mutmasslichen Straftaten. Diese kantonsübergreifende Zusammenarbeit markiert einen bedeutenden Wandel darin, wie Schweizer Behörden gegen schwerwiegendes Fehlverhalten prominenter Personen im Finanzbereich vorgehen. Dass der CEO einer Grossbank mit einer derart hohen Busse rechnen musste, ohne dass die Öffentlichkeit bis zur letzten Stunde davon erfuhr, wirft grundlegende Fragen zur Transparenz im Schweizer Rechtssystem auf. Gleichzeitig war die Forderung der Öffentlichkeit nach Rechenschaft noch nie so gross. Indem die Medien diese «Schattenverfahren» ans Licht gebracht haben, stellen sie sicher, dass Vincenz’ finanzielle Manöver nicht nur von einem Richter, sondern auch von der Gesellschaft beurteilt werden, der er gedient hat.

Ein endloser juristischer Sumpf

Obwohl die Busse wegen Steuerhinterziehung nun rechtskräftig ist, ist Pierin Vincenz’ Weg durch das Schweizer Justizsystem noch lange nicht zu Ende. Er bleibt die zentrale Figur in einem umfangreichen Betrugs- und Veruntreuungsprozess in Zürich, in dem er und sein Geschäftspartner Beat Stocker mit Vorwürfen der ungetreuen Geschäftsführung und der Urkundenfälschung konfrontiert sind. Obwohl eine frühere Verurteilung 2024 wegen «Verfahrensfehlern» aufgehoben wurde, lässt sich die Staatsanwaltschaft nicht beirren. Die nächste Berufungsverhandlung mit hohem Einsatz ist für August angesetzt. Damit dürfte Vincenz auf absehbare Zeit in den Schlagzeilen bleiben. Die Folgen für den Schweizer Bankensektor sind weitreichend: Die «Vincenz-Ära» bei Raiffeisen, die einst von der aggressiven Expansion in Stripclubs und Private Equity geprägt war, ist nun ein warnendes Beispiel für das Versagen der Unternehmensführung. Während die Schweiz ihre Finanzregulierung verschärft, wirkt der Schatten von Vincenz’ Führung in der Branche weiter nach. Diese Steuerbusse von knapp einer Million Franken ist lediglich ein Kapitel in einer umfassenderen Geschichte der Rechenschaft, die für eine Generation die Grenzen der Macht von Führungskräften in der Schweiz definieren wird. Der Banker, der einst die Märkte bewegte, muss sich nun bei jedem Schritt nach dem Kalender der Gerichte richten.