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Swiss Observer

ETH Zürich gründet Erdbeobachtungszentrum für 100 Millionen Franken

Eine Grossspende ermöglicht die Gründung des Swiss Geolab in Luzern. Es verbindet Satellitendaten und KI, um die Erdbeobachtungsforschung voranzubringen.

ETH Zürich gründet Erdbeobachtungszentrum für 100 Millionen Franken
AISWI swissinfo.ch

Mit einer gewaltigen Investition von 100 Millionen Franken in die Erdbeobachtung festigt die Schweiz ihren Status als globale Forschungsgrösse. Die ETH Zürich hat die Gründung eines hochmodernen Erdbeobachtungszentrums in Luzern bestätigt. Damit wird die Wissenschaftslandschaft der Zentralschweiz neu geprägt. Es handelt sich nicht einfach um ein neues Gebäude, sondern um eine strategische Drehscheibe für Umweltdaten. Möglich macht dies eine grosszügige Spende aus dem Nachlass des verstorbenen Uhrenunternehmers Jörg G. Bucherer.

Die Initiative, die den Namen «Swiss Geolab» trägt, erweitert die Präsenz der ETH Zürich über ihre traditionellen Standorte hinaus. Das eidgenössische Institut für Technologie ist in den globalen Ranglisten führend. Mit der Ausweitung nach Luzern setzt es nun ein deutliches Zeichen für die Dezentralisierung von Fachwissen. Auch der Kanton nutzt die Gelegenheit und steuert 2,8 Millionen Franken an die Infrastrukturkosten bei, um den Erfolg der Einrichtung sicherzustellen. Die Partnerschaft unterstreicht eine wichtige nationale Priorität: die Führungsrolle der Schweiz in den sich rasch entwickelnden Bereichen Raumfahrt und Klima zu sichern. Bis 2030 soll die Einrichtung als Leuchtturm der Innovation dienen und zeigen, dass dem Zusammenspiel von Schweizer Präzision und umfangreichem Kapital kaum Grenzen gesetzt sind.

Mit KI den Planeten entschlüsseln

Wir ertrinken in Daten, hungern aber nach Erkenntnissen, bis jetzt. Die zentrale Aufgabe des neuen Erdbeobachtungszentrums ist es, eine gravierende Ineffizienz der modernen Wissenschaft anzugehen: die unzureichende Nutzung von Satellitendaten. Satelliten, Drohnen und Bodenstationen übermitteln täglich Terabytes an Informationen, doch ein beträchtlicher Teil davon bleibt ungenutzt. Das Zentrum will diesen Engpass überwinden, indem es mithilfe fortschrittlicher künstlicher Intelligenz unterschiedliche Datenströme zusammenführt und daraus verwertbare Erkenntnisse gewinnt.

Es steht viel auf dem Spiel. Indem das Zentrum Daten aus dem Orbit mit Messungen am Boden verknüpft, soll es Durchbrüche bei der Früherkennung von Naturkatastrophen ermöglichen. Diese Fähigkeit wird angesichts der zunehmenden Klimaschwankungen immer dringlicher. Darüber hinaus soll die Einrichtung die Landwirtschaft grundlegend verändern, indem sie besonders genaue Ertragsprognosen liefert und so die Versorgungsketten für Lebensmittel gegen künftige Erschütterungen absichert. ETH-Präsident Joël Mesot betonte, die Initiative biete eine einmalige Gelegenheit, den Wissenstransfer auf ein «beispielloses Niveau» zu heben und Rohdaten in Strategien zu verwandeln, die Leben retten können.

Eine prominente Führung übernimmt das Kommando

Die ETH Zürich hat mit dem Astrophysiker Thomas Zurbuchen eine prominente Persönlichkeit für die Leitung dieses ambitionierten Projekts gewonnen. Zurbuchen, weltweit als «Dr. Z» bekannt, ist eine führende Fachperson auf seinem Gebiet und war zuvor bei der NASA als Direktor für wissenschaftliche Missionen tätig. Seine Ernennung zeigt, dass das Swiss Geolab nicht nur ein nationales Projekt ist, sondern auch auf der Weltbühne mitspielen will. Unter seiner Leitung wird das Zentrum interdisziplinär arbeiten und die Grenzen zwischen Physik, Informatik und Umweltingenieurwesen überwinden.

Als stellvertretende Direktorin kommt Verena Griess hinzu, eine renommierte Expertin für Forstressourcenmanagement. Damit soll die Leitung kosmische Ambitionen mit fundierter ökologischer Fachkenntnis verbinden. Das Zentrum soll hochqualifizierte Fachkräfte anziehen und in Luzern rund 100 anspruchsvolle Arbeitsplätze schaffen. Diese geballte Fachkompetenz wird die Entwicklung neuer Algorithmen und Methoden vorantreiben und dafür sorgen, dass die Schweiz im globalen Wettlauf um das Verständnis unseres sich wandelnden Planeten weiterhin an der Spitze bleibt.

Ein Vermächtnis aus Präzision und Grosszügigkeit

Die Finanzierung dieses wissenschaftlichen Vorhabens ist ebenso schweizerisch wie die Forschung selbst. Die 100 Millionen Franken stammen aus dem Nachlass von Jörg G. Bucherer, dem legendären Uhren- und Schmuckhändler, der 2023 verstorben ist. Bucherer, der mit Präzision und Luxus ein Imperium aufgebaut hatte, widmete sein Vermögen einer Stiftung zur Förderung von Kunst, sozialen Einrichtungen und Naturwissenschaften. Diese Spende ist ein wegweisender Akt der Philanthropie und sorgt dafür, dass sein Vermächtnis durch wissenschaftliche Entdeckungen weiterlebt.

Die Finanzierung ist auf eine nachhaltige Wirkung ausgelegt: Die Jörg G. Bucherer Stiftung wird im kommenden Jahrzehnt jährlich 10 Millionen Franken auszahlen. Dieser stetige Kapitalzufluss ermöglicht langfristige Planung und Stabilität, die bei einer von Fördergeldern abhängigen Forschung oft nicht selbstverständlich sind. Während die Bauarbeiten mit Blick auf die Fertigstellung 2030 vorbereitet werden, steht Luzern vor einem Wandel: Aus dem Tourismusziel soll ein Zentrum wissenschaftlicher Forschung werden. Damit zeigt sich, dass der durch Schweizer Tradition geschaffene Wohlstand die Zukunft der Schweiz wirksam voranbringen kann.