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ETH-Forscherin unter möglichen Nobelpreisträgern für Physik

Die ETH-Zürcher Professorin Nicola Spaldin wurde von Clarivate als mögliche Nobelpreisträgerin für Physik genannt. Ihre Kandidatur widerspiegelt die internationale Bedeutung ihrer Forschung. Nobelpreisnominierungen bleiben jedoch vertraulich, und Prognosen sind grundsätzlich unsicher.

ETH-Forscherin unter möglichen Nobelpreisträgern für Physik
AISWI swissinfo.ch

Der Physikpreis wird am 6. Oktober bekannt gegeben, und die ETH-Zürcher Professorin Nicola Spaldin steht bereits auf der Liste öffentlicher Prognosen. Clarivate, das britisch-amerikanische Datenunternehmen, nahm die schweizerisch-britische Forscherin in seine Liste für 2026 auf. Darin führt es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, die seiner Einschätzung nach Nobelpreisniveau erreicht haben. Die Bekanntgabe rückt eine ETH-Forscherin gut zwei Wochen vor Beginn der Nobelpreiswoche in Stockholm ins internationale Rampenlicht.

Spaldins Aufnahme in die Liste widerspiegelt die Reichweite ihrer theoretischen Arbeit zu magnetoelektrischen Multiferroika. Diese Materialien reagieren sowohl auf magnetische als auch auf elektrische Felder. Diese Kombination könnte Technologien von der Datenspeicherung bis zur Magnetsensorik verbessern. Ihre Forschung hat dazu beigetragen, die theoretischen Grundlagen für das Verständnis dieser Materialklasse zu schaffen.

Die Prognose ist klar einzuordnen. Nobelpreisnominierungen bleiben 50 Jahre lang geheim, und die Nobelpreiskomitees veröffentlichen keine Informationen über ihre Beratungen. Die Preisträgerinnen und Preisträger erfahren das Ergebnis erst kurz vor der offiziellen Bekanntgabe. Clarivates Liste signalisiert daher wissenschaftlichen Einfluss, nicht eine bestätigte Nominierung oder eine bevorstehende Auszeichnung. Dieser Unterschied ist wichtig, während sich die Aufmerksamkeit auf die Schweizer Forschungsinstitutionen und die Preise von 2026 richtet.

Wie Spaldins Materialien die Technologie der Zukunft prägen könnten

Spaldins Forschung befasst sich mit Materialien, die zwei grundlegende Kräfte miteinander koppeln: Magnetismus und Elektrizität. Magnetoelektrische Multiferroika lassen sich durch magnetische und elektrische Felder beeinflussen. Dadurch können Forschende Materialeigenschaften auf eine Weise steuern, die bei herkömmlichen Materialien nicht möglich ist.

Diese Kombination weckt Interesse wegen möglicher Anwendungen in der energieeffizienten Datenspeicherung. Sie könnte auch die Entwicklung hochpräziser Magnetfeldsensoren ermöglichen, die für wissenschaftliche Instrumente und fortgeschrittene Ingenieurtechnik relevant sind. Der Quelle zufolge legte Spaldin die theoretischen Grundlagen für diese Materialklasse. Ihr Beitrag verbindet sie mit einem Forschungsgebiet, das Festkörperphysik, Materialwissenschaft und die Entwicklung neuer Geräte umfasst.

Die Bedeutung theoretischer Physik zeigt sich oft erst mit der Zeit. Forschende entwickeln Modelle, die das Verhalten von Materialien erklären. Spätere Teams prüfen diese Ideen im Labor oder untersuchen mögliche technologische Anwendungen. Clarivates Methodik konzentriert sich auf den Einfluss veröffentlichter Arbeiten innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft, gemessen vor allem an den Zitierungen durch andere Forschende. Spaldins Aufnahme zeigt, dass ihre Forschung für Kolleginnen und Kollegen, die an neuartigen Materialien arbeiten, zu einem wichtigen Bezugspunkt geworden ist.

Clarivates Liste liefert Hinweise, aber keine Gewissheit

Clarivate hat 22 Forschende in seine Liste von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Nobelpreisniveau für 2026 aufgenommen. Die Erfolgsbilanz des Unternehmens ist jedoch ein Anhaltspunkt und keine Prognose. Die Auswahl beruht auf dem Einfluss der wissenschaftlichen Arbeit innerhalb der Forschungsgemeinschaft, insbesondere darauf, wie häufig Fachartikel zitiert werden. Zitationszahlen können zeigen, dass eine Arbeit andere Forschende beeinflusst hat. Sie geben jedoch keinen Aufschluss über die vertraulichen Beratungen der Nobelpreiskomitees.

Seit 2002 hat Clarivate 487 Forschende als Citation Laureates ausgezeichnet. 89 von ihnen erhielten später einen Nobelpreis, das entspricht etwa 18 Prozent. Auch der zeitliche Abstand ist unterschiedlich. Manche Forschende erhalten den Preis erst Jahre, nachdem Clarivate sie genannt hat.

Neben Spaldin umfasst die Liste Forschende aus den USA, Kanada, Dänemark, Israel, Japan und China. Diese internationale Zusammensetzung unterstreicht den globalen Wettbewerb um den Physikpreis. Zugleich rückt sie die ETH Zürich in ein weitreichendes Netzwerk von Institutionen, deren Forschende anhand der Sichtbarkeit und des Einflusses ihrer Arbeit beurteilt werden.

Die Prognose hat in der Schweiz einen Präzedenzfall. Clarivate identifizierte die Physiker Didier Queloz und Michel Mayor sechs Jahre, bevor sie den Nobelpreis erhielten. Ihr Beispiel zeigt, weshalb die Liste Aufmerksamkeit erregt. Die historische Erfolgsquote von 18 Prozent macht zugleich deutlich, weshalb keine Prognose als feststehendes Ergebnis betrachtet werden sollte.

Die Schweiz blickt auf die Bekanntgabe in Stockholm

Die Schweizer Wissenschaft geht mit einer vertrauten Mischung aus Erwartung und Zurückhaltung in die Nobelpreiswoche. Die Preisverleihungen 2026 beginnen am 5. Oktober mit dem Medizinpreis, gefolgt vom Physikpreis am 6. Oktober und dem Chemiepreis am 7. Oktober. Für die ETH Zürich verschafft Spaldins Aufnahme einer der führenden technischen Hochschulen der Schweiz in der Zeit vor der Bekanntgabe des Physikpreises prominente Aufmerksamkeit.

Die Schweiz hat in jüngerer Zeit eine starke Verbindung zu Forschung, die mit Nobelpreisen gewürdigt wurde. Clarivate hatte zuvor Didier Queloz und Michel Mayor hervorgehoben, die später den Nobelpreis für Physik erhielten. Auch weitere Forschende an Schweizer Hochschulen wurden als Clarivate Citation Laureates aufgeführt: der Chemiker Michele Parrinello von der Università della Svizzera italiana und der ETH Zürich, der Biochemiker Michael N. Hall von der Universität Basel, der Chemiker Michael Grätzel von der EPFL, der Ökonom Ernst Fehr von der Universität Zürich, der Physiker Daniel Loss von der Universität Basel und die Immunologin Andrea Ablasser von der EPFL.

Spaldins Kandidatur widerspiegelt auch den internationalen Charakter der Schweizer Forschung. Ihre Arbeit ist über eine einzelne Institution oder ein einzelnes Land hinaus von Bedeutung. Das Forschungsgebiet neuartiger Materialien verbindet grundlegende Physik mit möglichen industriellen Anwendungen. Die offizielle Antwort kommt am 6. Oktober aus Stockholm. Bis dahin bleibt Clarivates Bekanntgabe ein Zeichen wissenschaftlichen Einflusses und ein Grund, die ETH Zürich genau im Blick zu behalten.

Am 6. Oktober kommt die Antwort

Der entscheidende Moment bleibt der Öffentlichkeit verborgen, bis die Nobelstiftung das Ergebnis bekannt gibt. Die Identität der Nominierten ist 50 Jahre lang geschützt, und die Komitees legen nicht offen, wie sie konkurrierende Entdeckungen gewichten. Diese Geheimhaltung lässt Raum für jährliche Spekulationen, auch anhand von Listen, die auf dem Einfluss von Publikationen, Zitationsdaten und Experteneinschätzungen beruhen.

Für Spaldin liegt die unmittelbare Bedeutung in der Anerkennung durch einen viel beachteten Indikator für wissenschaftliches Ansehen. Ihre Arbeit zu magnetoelektrischen Multiferroika hat Forschenden einen Rahmen für die Untersuchung von Materialien gegeben, die sich durch elektrische und magnetische Felder steuern lassen. Ob das Nobelpreiskomitee zum gleichen Schluss kommt, lässt sich aus Clarivates Liste nicht ableiten.

Die Bekanntgabe des Physikpreises am 6. Oktober wird die Frage für dieses Jahr beantworten. Wird Spaldin ausgezeichnet, erhält die Schweiz einen weiteren prominenten Nobelpreis-Moment, der mit Forschung an der ETH Zürich verbunden ist. Wird sie nicht ausgezeichnet, ordnet Clarivates Würdigung ihre Arbeit dennoch unter den einflussreichen Beiträgen ein, die die moderne Materialphysik prägen. In beiden Fällen wird die Aufmerksamkeit auf den Forschenden liegen, die neue Wege zur Steuerung von Materie entwickeln, und auf den Institutionen, die langfristige theoretische Arbeit unterstützen.