Artenschutz
Bedrohte Grevy-Zebras im Zoo Zürich geboren
Der Zoo Zürich feiert die Geburt von zwei männlichen Grevy-Zebras. Damit verzeichnet er einen wichtigen Erfolg beim Schutz dieser vom Aussterben bedrohten Art.

Die Artenschutzarbeit im Zoo Zürich hat diesen Monat einen entscheidenden doppelten Erfolg erzielt: Zwei männliche Grevy-Zebras sind zur Welt gekommen. Damit wurde ein bedeutender Meilenstein für eine Art erreicht, die am Rand des Aussterbens steht. Das erste Fohlen kam in der Nacht auf den 4. Oktober zur Welt, nach einer anstrengenden Tragzeit von 13 Monaten. Nur 48 Stunden später brachte eine zweite Stute ein gesundes männliches Fohlen zur Welt. Damit gelang ein Zuchterfolg, den die Verantwortlichen des Zoos als lebenswichtig für das Überleben der Art bezeichnen.
Hinter diesem genetischen Erfolg steht Rashidi, ein Hengst, der im Sommer 2024 aus Lissabon kam und seither seine Nachkommenschaft gesichert hat. Er ist der Vater beider Neugeborenen und bemerkenswerterweise auch eines dritten Fohlens, dessen Geburt in den nächsten Tagen erwartet wird. Diese rasche Folge von Geburten ist nicht einfach Glück, sondern ein gezielter Erfolg internationaler Zuchtprogramme, die schrumpfende Bestände stärken sollen. Nach einer kurzen, zehntägigen Eingewöhnungszeit in der Ruhe der Stallungen erkunden die Neuzugänge nun vorsichtig die Lewa-Savanne. Sie sind für die Öffentlichkeit sichtbar und bedeuten einen Hoffnungsschimmer für ihre Artgenossen in freier Wildbahn.
Riesen der Savanne: die seltenste Zebraart
Grevy-Zebras sind unbestritten die Riesen unter den Pferdeartigen: Sie sind imposant gebaut und unterscheiden sich biologisch deutlich von anderen Arten. Anders als ihre kleineren Verwandten, die Steppen- und Bergzebras, fallen Grevy-Zebras mit einer Schulterhöhe von bis zu 160 cm und einer Länge von bis zu drei Metern von Kopf bis Schwanz auf. Sie sind die grössten wild lebenden Pferdeartigen der Welt und an ihren grossen, runden Ohren sowie den schmalen, kunstvoll angeordneten Streifen sofort zu erkennen.
Benannt nach dem ehemaligen französischen Präsidenten Jules Grévy, sind diese majestätischen Tiere weit mehr als eine grössere Variante des gewöhnlichen Zebras. Sie sind ein einzigartiges Meisterwerk der Evolution, angepasst an raue Lebensräume. Ihre Grösse hat sie jedoch nicht geschützt. Ihr charakteristisches Fellmuster machte sie in der Vergangenheit zu einem bevorzugten Ziel von Wilderern, während ihre besonderen Lebensraumansprüche sie anfällig für Umweltveränderungen machen. Die Anwesenheit dieser Riesen in Zürich bietet der Öffentlichkeit eine seltene Gelegenheit, die beeindruckende Grösse einer Art zu erleben, die in den afrikanischen Ebenen rasch verschwindet.
Im Kampf gegen das Aussterben: Die Zahlen sprechen für sich
Die Lage könnte kaum ernster sein. Der weltweite Bestand der Grevy-Zebras ist alarmierend geschrumpft. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass in freier Wildbahn nur noch 2500 bis 3000 Tiere leben. Diese Tiere sind weitgehend auf die trockenen, unwirtlichen Savannen Kenias und Äthiopiens beschränkt und kämpfen an zwei Fronten: gegen den fortschreitenden Verlust ihres Lebensraums und die anhaltende Bedrohung durch die Jagd. Sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Diese Einstufung ist für Artenschützerinnen und Artenschützer weltweit ein Alarmsignal höchster Stufe.
Vor diesem Hintergrund ist jede Geburt in menschlicher Obhut ein strategischer Schritt im Kampf gegen das Aussterben. Der Bestand in freier Wildbahn ist zersplittert und fragil. Deshalb ist die in Zoos wie Zürich bewahrte genetische Vielfalt unverzichtbar. 3000 Tiere mögen für Laien nach einer beträchtlichen Zahl klingen, biologisch betrachtet befindet sich der Bestand jedoch in der Gefahrenzone. Krankheiten oder Dürren könnten in einer einzigen Saison einen erheblichen Anteil der Tiere auslöschen. Der Erfolg des Zoos Zürich ist nicht nur ein lokaler Grund zum Feiern, sondern stärkt das globale Sicherheitsnetz, das verhindern soll, dass diese Tiere der Geschichte angehören.
In Zürich wächst ein neues Vermächtnis heran
Während die beiden männlichen Fohlen beginnen, die Lewa-Savanne zu erkunden, bereitet sich der Zoo Zürich bereits auf eine dritte Geburt vor. Mit der unmittelbar bevorstehenden Geburt eines dritten Fohlens wäre der dreifache Zuchterfolg für den Zoo und seinen Hengst Rashidi komplett. Dieser Zuwachs im Bestand in menschlicher Obhut unterstreicht die wichtige Rolle, die Schweizer Institutionen bei den weltweiten Bemühungen um die biologische Vielfalt spielen. Der Zoo hat sich erfolgreich von einem Ort der Beobachtung zu einem aktiven Akteur bei der Erholung von Arten entwickelt.
Für Besucherinnen und Besucher sind die Fohlen eine eindrückliche Erinnerung an die Widerstandskraft und Verletzlichkeit der Natur. Der Zoo hat bestätigt, dass die bisherigen Geburten reibungslos verliefen, was die Zuversicht für die bevorstehende Geburt stärkt. Wenn die jungen Zebras heranwachsen, werden sie als Botschafter ihrer Artgenossen in freier Wildbahn wirken und das Bewusstsein für Artenschutzprojekte in Ostafrika sowie deren Unterstützung fördern. Zürich hat gezeigt, dass wir mit dem richtigen Fachwissen und Engagement Arten vom Rand des Aussterbens zurückholen können, damit die donnernden Hufe der Grevy-Zebras auch künftige Generationen begleiten.