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Swiss Observer

Digitale Kriminalität steigt 2024 in der Schweiz um 35 %

Schweizer Behörden melden einen alarmierenden Anstieg der Cyberkriminalität: Über 59'000 digitale Straftaten wurden registriert. Damit hat sich die Zahl der Vorfälle seit 2020 mehr als verdoppelt.

Digitale Kriminalität steigt 2024 in der Schweiz um 35 %
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz steht vor einer digitalen Abrechnung. Eine erschütternde Enthüllung, die die Illusion der Sicherheit im Internet zunichtemacht: Das Bundesamt für Statistik (BFS) meldet, dass die digitale Kriminalität 2024 alarmierend um 35 % zugenommen hat. Das ist nicht bloss ein statistischer Ausreisser, sondern ein grundlegender Wandel in der Kriminalitätslandschaft. Allein im vergangenen Jahr registrierten die Behörden über 59'000 digitale Straftaten. Diese Zahl verlangt von der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft sofortige Aufmerksamkeit.

Die Entwicklung ist eindeutig und zutiefst beunruhigend. Seit Beginn der offiziellen Erhebungen im Jahr 2020 hat sich das Ausmass der digitalen Kriminalität mehr als verdoppelt. Die Schweiz galt lange als Festung der physischen Sicherheit, doch die virtuelle Grenze erweist sich als weit durchlässiger. Die Daten zeichnen das Bild eines Landes, das mit einer ausgeklügelten, sich rasch wandelnden Bedrohung zu kämpfen hat, die keine Kantonsgrenzen kennt. Je mehr sich unser Leben ins Internet verlagert, desto aggressiver folgen die Kriminellen und machen unsere Vernetzung zu einem Risiko.

Digitale Portemonnaies im Visier: Zahlungsbetrug steigt um 105 %

Die schockierendste Zahl im Bericht für 2024 betrifft den unablässigen Angriff auf Vermögenswerte. Der Missbrauch von Online-Zahlungssystemen und ausländischen Identitäten ist massiv um 105 % gestiegen. Dieser dreistellige Zuwachs zeigt, dass Cyberkriminelle die lukrativsten Ziele ins Visier genommen haben: Schweizer Bankkonten und digitale Portemonnaies.

Dabei gehen sie gezielt vor. Das BFS bestätigt, dass inzwischen über 90 % aller digitalen Straftaten unter den Begriff «cyberwirtschaftliche Kriminalität» fallen. Die Zeiten harmloser Hackerangriffe sind vorbei: Die digitalen Kriminellen von heute sind Profis, denen es ums Geld geht. Ob sie Prepaidkarten ausnutzen oder Identitäten stehlen, ihre Methoden werden immer dreister. Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ist diese Zahl eine eindringliche Warnung: Die Sicherheit digitaler Zahlungsmittel ist ständig zunehmenden Angriffen ausgesetzt.

Phishing-Epidemie: Kriegführung mit cyberwirtschaftlichen Mitteln

Während der Zahlungsbetrug zunimmt, bleibt der Einstieg in diese Straftaten trügerisch einfach. Phishing-Angriffe sind deutlich um 56 % gestiegen. Das zeigt, dass Social Engineering im Arsenal der Cyberkriminellen nach wie vor eine mächtige Waffe ist. Die Angreifer hacken nicht nur Firewalls, sondern auch die menschliche Psyche. Sie bringen Menschen dazu, ihnen die Schlüssel zu ihrem digitalen Leben auszuhändigen.

Diese Zunahme beim Phishing treibt den breiteren Anstieg der cyberwirtschaftlichen Kriminalität voran. Indem die Kriminellen Vertrauen und Zeitdruck ausnutzen, umgehen sie ausgeklügelte technische Schutzmassnahmen. Der Anstieg um 56 % deutet auf eine massive Ausweitung der Aktivitäten hin, wahrscheinlich mithilfe von Automatisierung und KI, um überzeugendere Köder zu gestalten. Das digitale Ökosystem der Schweiz befindet sich derzeit in einer Art asymmetrischer Kriegsführung, in der ein einziger Klick zu verheerenden finanziellen Verlusten führen kann. Wachsamkeit ist nicht länger freiwillig, sondern eine Voraussetzung, um in der modernen digitalen Wirtschaft zu bestehen.

Alarm für die ganze Schweiz: Kriminalität insgesamt nimmt zu

Die explosionsartige Zunahme digitaler Straftaten trägt zu einem breiteren, beunruhigenden Trend im ganzen Land bei. Das BFS meldet, dass die Gesamtzahl der Straftaten gemäss Schweizerischem Strafgesetzbuch um 8 % gestiegen ist und damit über 560'000 registrierte Vorfälle erreicht hat. Traditionelle physische Straftaten bestehen zwar weiterhin, doch der digitale Bereich lässt die Gesamtkriminalität rasch anwachsen, verzerrt die Statistiken und stellt die Ressourcen der Strafverfolgungsbehörden vor neue Herausforderungen.

Dieser Gesamtanstieg um 8 % setzt die Schweizer Polizeikorps stark unter Druck. Sie müssen nun den digitalen Raum ebenso gründlich überwachen wie die Strassen von Zürich oder Genf. Die Verdoppelung der digitalen Kriminalität seit 2020 deutet auf einen dauerhaften strukturellen Wandel des kriminellen Verhaltens hin. Mit Blick auf das Jahr 2025 ist die Botschaft klar: Die Sicherheit der Schweiz hängt ebenso sehr von der Cybersicherheit ab wie von der Polizeiarbeit vor Ort. Die Zahlen liegen vor und verlangen eine entschlossene, landesweite Reaktion.