Crans-Montana
Tragödie in Crans-Montana: Über 40 Tote bei Brand in Silvesterbar
Ein verheerender Brand in der Bar «Le Constellation» im Schweizer Skiort Crans-Montana hat zu einer der schlimmsten Tragödien des Landes geführt. Rund 40 Menschen kamen ums Leben, 115 wurden schwer verletzt, während sie Silvester feierten.

Ein verheerender Brand hat aus einer Feier eine Trauerfeier gemacht und rund 40 Menschenleben gefordert. Was als fröhliche Silvesterfeier in der beliebten Bar «Le Constellation» in Crans-Montana begann, endete in einer «beispiellosen Katastrophe» und versetzte das Land in tiefe Erschütterung. Als die Sonne über den Walliser Alpen aufging, wurde das ganze Ausmass der Tragödie deutlich: Fast 40 Tote und mehr als 115 Schwerverletzte. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin bezeichnete die Ausmasse als erschreckend.
Das Feuer brach kurz vor 1.30 Uhr aus und verwandelte ein überfülltes Lokal voller junger Feiernder in eine tödliche Falle. Polizeikommandant Frederic Gisler bestätigte die erschütternde Zahl der Opfer und erklärte, die Rettungskräfte seien angesichts des enormen Ausmasses der Katastrophe überfordert gewesen. In der ganzen Eidgenossenschaft werden die Flaggen während fünf Tagen auf halbmast gesetzt, als Zeichen der Trauer um eine Nacht, die das Land gezeichnet hat. Dies ist nicht bloss ein lokaler Unfall, sondern ein nationales Trauma, das die Ruhe in einem unserer renommiertesten Ferienorte erschüttert hat.
Panik und Chaos: Augenzeugen berichten von Sekunden des Schreckens
Innerhalb weniger Augenblicke brach Panik im Lokal aus, als offenbar die Decke selbst Feuer fing. Überlebende schildern Szenen des Grauens, in denen der Wechsel von der Feier zum Kampf ums Überleben im Nu geschah. «Sekunden später stand die ganze Decke in Flammen», berichtete ein Augenzeuge und machte damit deutlich, wie erschreckend schnell sich das Feuer ausbreitete. In ihrer Verzweiflung versuchten Eingeschlossene, mit Stühlen die Fenster einzuschlagen. Andere, deren Kleidung bereits in Flammen stand, strömten schreiend um Hilfe auf die eiskalte Strasse.
Alexis Lagger, 18, wurde Zeuge des Geschehens. «Die Menschen rannten durch die Flammen», berichtete er. Die rund 200 Gäste hätten in einem chaotischen Gedränge um ihr Leben gekämpft. Das Lokal mit einem Untergeschoss wurde zu einem erstickenden Labyrinth. Ein Überlebender namens Alex erinnerte sich an die erschreckende Erkenntnis, dass Dutzende Menschen unten eingeschlossen sein könnten und nur eine schmale Treppe den Weg in Sicherheit bot. Die Luft war vom Geruch geschmolzenen Plastiks und Gas erfüllt, ein Albtraum für die Sinne, den die Überlebenden wohl nie vergessen werden.
Sprühkerzen im Verdacht: Ermittler schliessen Terroranschlag aus
Die Ermittler konzentrieren sich auf sogenannte Fontänen-Sprühkerzen als wahrscheinlichen Auslöser des tödlichen Brandes und wiesen Gerüchte über einen vorsätzlichen Anschlag rasch zurück. Während erste Berichte von einer Explosion sprachen, stellte die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud klar: «Von einem Terroranschlag kann überhaupt keine Rede sein.» Die Beweise deuten vielmehr auf einen tragischen Unfall hin: An Champagnerflaschen befestigte Feuerwerksfontänen entzündeten die niedrige Decke und lösten einen Flashover aus, der den Raum erfasste.
Die Ermittlungen richten sich nun auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Fragen gibt es insbesondere zu den Notausgängen im Untergeschoss des «Le Constellation». Ersten Informationen zufolge gab es einen Ausgang. Die Staatsanwaltschaft muss nun klären, ob er zugänglich, deutlich gekennzeichnet und vorschriftsgemäss war. Die Bar, die einem französischen Paar gehört, ist nun ein Tatort, der eingehend untersucht wird. Die Behörden werten sichergestellte Mobiltelefone aus, um den zeitlichen Ablauf zu rekonstruieren und zu verstehen, wie ein gewöhnlicher Gegenstand des Nachtlebens zu einer solchen Katastrophe führen konnte.
Das Land mobilisiert: Spitäler erreichen ihre Kapazitätsgrenzen
Die Notfallversorgung der Schweiz wurde an ihre Grenzen gebracht. Eine Grossoperation mit 140 Rettungskräften und 13 Helikoptern lief an. Die Einsatzkräfte reagierten sofort und in grossem Umfang. Da sich die Spitäler im Wallis rasch füllten, wurden Verletzte mit Helikoptern in andere Landesteile geflogen. Spezialisierte Brandverletztenzentren in Zürich und Lausanne nahmen mehr als 30 schwer verletzte Patientinnen und Patienten auf. Auch Genf und Bern öffneten ihre Türen für weitere Menschen, die um ihr Leben kämpften.
Dieser logistische Einsatz verdeutlicht die Schwere der Verletzungen. 42 Ambulanzen, die Hälfte davon aus dem Nachbarkanton Waadt, kämpften sich in der Winternacht durch die Zeit, um die Opfer ins Spital zu bringen. Die Europäische Union und das Nachbarland Frankreich boten bereits medizinische Hilfe und Spitalbetten an. Der französische Präsident Emmanuel Macron bestätigte, dass französische Spitäler einige der Verletzten behandeln. Es ist ein kontinentaler Einsatz zur Rettung von Menschenleben, während die medizinischen Teams schwere Verbrennungen und Traumata behandeln.
Eine internationale Tragödie: Das quälende Warten auf die Identifizierung
Die Tragödie in Crans-Montana ist ein internationaler Schicksalsschlag. Die Opfer stammen aus ganz Europa und darüber hinaus. Da der Ferienort Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anzieht, bestätigen die Behörden, dass die Opfer «verschiedene Nationalitäten» haben. Der italienische Aussenminister meldete mindestens 15 verletzte Italienerinnen und Italiener sowie ähnlich viele Vermisste. Auch französische Staatsangehörige sind unter den Opfern. Die Identifizierung hat nun traurige Priorität. Die Behörden warnen, dass dieser Prozess «Tage, ja sogar Wochen» dauern könnte.
Die Familien befinden sich in quälender Ungewissheit. Wegen der Schwere der Verbrennungen ist eine visuelle Identifizierung bei vielen Opfern unmöglich. Deshalb müssen DNA- und Zahndaten herangezogen werden. Mathias Reynard, Präsident der Walliser Regierung, betonte, wie heikel die Situation sei. Informationen könnten erst veröffentlicht werden, wenn man sich «zu 100 Prozent sicher» sei. Während die Schweiz trauert, steht sie solidarisch an der Seite der Familien über die Landesgrenzen hinweg. Sie alle verbindet die Trauer über eine Feier, die in einem unvorstellbaren Verlust endete.