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Swiss Observer

Spannungen in Davos: Europäische Staats- und Regierungschefs stellen sich Trumps Zolldrohungen wegen Grönland entgegen

Das World Economic Forum in Davos ist zur Bühne geopolitischer Konflikte geworden: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilen öffentlich die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit Grönland. Während des Gipfels wird Trump voraussichtlich ein Treffen zu diesem umstrittenen Thema abhalten.

Spannungen in Davos: Europäische Staats- und Regierungschefs stellen sich Trumps Zolldrohungen wegen Grönland entgegen
AIThe Local Switzerland

Das World Economic Forum hat sich abrupt von einer Feier des globalen Handels zu einem Krisenstab mit hohem Einsatz gewandelt. In den Schweizer Alpen haben die Spannungen ihren Siedepunkt erreicht: Europäische Staats- und Regierungschefs stellen sich offen US-Präsident Donald Trump entgegen, der mit beispiellosen Mitteln versucht, den Verkauf Grönlands zu erzwingen. Was einst ein Ort der Champagnerdiplomatie war, ist nun das Epizentrum einer transatlantischen Krise, die das westliche Bündnis zu zerreissen droht.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der französische Präsident Emmanuel Macron haben eine koordinierte Offensive gestartet und weigern sich, dem Druck aus Washington nachzugeben. In einer trotzigen Rede erklärte Macron, Europa «ziehe Respekt Schikanen vor» und signalisierte damit eine deutliche Verschärfung der Haltung des Kontinents. In Davos liegt eine nervöse Anspannung in der Luft, während das traditionelle Drehbuch wirtschaftlicher Zusammenarbeit zugunsten einer Machtpolitik nach dem Recht des Stärkeren zerrissen wird. Da der US-Präsident am Mittwoch auf der Bühne erwartet wird, ist der Schweizer Ferienort zu «Little America» geworden, doch der Empfang ist alles andere als herzlich.

Trumps Ultimatum: Grönland verkaufen oder den Preis zahlen

Präsident Trump hat seine territorialen Ambitionen zu einer umfassenden wirtschaftlichen Belagerung ausgeweitet. In einem Schritt, den Kritiker als «Erpressung» bezeichnen, hat das Weisse Haus ein beispielloses Ultimatum gestellt: Ab dem 1. Februar sollen auf alle Waren aus acht wichtigen europäischen Ländern Zölle von 10 Prozent erhoben werden, oder Grönland soll übergeben werden. Auf der Liste stehen Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland. Damit wird das Herz der nordeuropäischen Wirtschaft getroffen.

Doch damit endet die Drohung nicht. Trump hat ausdrücklich erklärt, dass die Abgaben am 1. Juni auf lähmende 25 Prozent steigen werden, sollte bis zum Sommer keine Einigung über den «vollständigen und uneingeschränkten Kauf» des arktischen Gebiets zustande kommen. «Es gibt kein Zurück», erklärte Trump auf Truth Social und stellte den Erwerb als unabdingbare Voraussetzung für die nationale Sicherheit der USA dar. Das ist keine blosse Rhetorik mehr, sondern eine tickende Zeitbombe für den transatlantischen Handel. Washington setzt darauf, dass der wirtschaftliche Schmerz Kopenhagen zur Kapitulation zwingen wird.

Europa zückt die handelspolitische «Bazooka»

Europa weigert sich, nachzugeben. Angesichts existenzieller wirtschaftlicher Nötigung bereitet sich die Europäische Union darauf vor, ihre mächtigste Waffe einzusetzen: das «Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmassnahmen», umgangssprachlich als Brüssels handelspolitische «Bazooka» bekannt. Vertreterinnen und Vertreter warnen, dass der Staatenbund ein umfangreiches Vergeltungspaket im Wert von fast 93 Milliarden Euro (86 Milliarden Franken) vorbereitet. Ins Visier geraten sensible US-Exporte, von Flugzeugen und Motorrädern bis zu Whiskey und Zitrusfrüchten.

«Wir werden weiterhin geeint auftreten», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung der betroffenen Länder, die sich gegen die vom Weissen Haus ausgelöste «gefährliche Abwärtsspirale» stellen. Der französische Präsident Macron hat die sofortige Aktivierung dieser Abwehrmassnahmen gefordert, während der britische Premierminister Keir Starmer die Drohungen der USA als «äusserst wenig hilfreich» und «falsch» bezeichnet hat. Die Botschaft aus Davos ist glasklar: Wenn Washington einen Handelskrieg will, ist Europa bereit, gleichermassen Schaden anzurichten. Die Ära der europäischen Naivität ist, wie Macron feststellte, offiziell vorbei.

Spannungen in der Arktis führen zu Rissen in der NATO

Der Konflikt hat die Handelsbilanzen hinter sich gelassen und ist bis in die gefrorene Tundra der Arktis vorgedrungen. Dabei werden tiefe Risse im NATO-Bündnis sichtbar. Als deutliches Zeichen ihrer Souveränität haben Deutschland und andere Länder Truppen zu einer Aufklärungsmission nach Grönland entsandt. Trump hat diesen Schritt als direkte Provokation aufgefasst. Die Reaktion des US-Präsidenten kam umgehend und fiel scharf aus: Er drohte mit Zöllen von 200 Prozent auf französischen Wein und machte sich über Macrons politischen Rückhalt lustig.

Selbst enge Verbündete tun sich schwer, die Kluft zu überbrücken. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, sonst häufig eine Brückenbauerin zur Trump-Regierung, warnte den Präsidenten direkt, Sanktionen wären ein «Fehler». Gleichzeitig versuchte sie, den Konflikt als blosses «Missverständnis» darzustellen. Doch angesichts Tausender Menschen, die in Nuuk und Kopenhagen mit Rufen wie «Hände weg von Grönland» protestieren, ist die geopolitische Lage eindeutig. Die Arktis ist nicht mehr nur eine schmelzende Eiskappe, sondern der heisseste Brennpunkt in den westlichen Sicherheitsbeziehungen.

Die Konfrontation am Mittwoch: ein entscheidender Moment

Alle Augen richten sich nun auf Mittwoch. Dann soll Donald Trump in Davos sprechen und ein wichtiges Treffen zur Grönlandkrise abhalten. Der Ausgang dieser Gespräche dürfte die Entwicklung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr massgeblich bestimmen. Schweizer Behörden und globale Anlegerinnen und Anleger verfolgen die Ereignisse mit angehaltenem Atem, denn eine fehlende Deeskalation könnte eine rezessionsartige Schockwelle auslösen.

Für die Schweiz als Gastgeberin dieses diplomatischen Zusammenpralls steht enorm viel auf dem Spiel. Ein gespaltenes westliches Bündnis schwächt die multilaterale Ordnung, auf die Schweizer Neutralität und Handel angewiesen sind. Wie von der Leyen warnte, nützt diese «Abwärtsspirale» nur den Gegnern der Demokratie. Die Welt hält den Atem an: Wird Davos einen Durchbruch bringen, oder markiert der Gipfel den Beginn eines historischen Bruchs im transatlantischen Bündnis?