Cybersicherheit
Cybervorfälle in der Schweiz steigen um 13'500 Fälle
Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit der Schweiz meldet einen dramatischen Anstieg von Cybervorfällen. Betrügerische Anrufe im Namen von Behörden geben zunehmend Anlass zur Sorge.

Die Schweiz sieht sich einer beispiellosen Welle digitaler Angriffe gegenüber. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) berichtet von einer alarmierenden Zahl: Allein im vergangenen Jahr wurde die Schweiz von fast 63'000 Cybervorfällen getroffen. Das sind 13'500 Fälle mehr als im Vorjahr und deutet auf eine volatile Veränderung der Bedrohungslage im Land hin. In der zweiten Jahreshälfte gingen die Zahlen leicht zurück, doch insgesamt zeichnet sich das beunruhigende Bild eines Landes ab, das unablässig digital angegriffen wird.
Betrug, Phishing und hartnäckiger Spam bleiben die bevorzugten Waffen von Cyberkriminellen, doch die schiere Zahl der Angriffe bringt die nationale Abwehr an ihre Grenzen. Um die Dimension dieser Bedrohung einzuordnen: Der staatsnahe Telekommunikationskonzern Swisscom wehrt jeden Monat sage und schreibe 200 Millionen Cyberangriffe auf seine Infrastruktur ab. Diese Zahlen sind nicht bloss Statistiken, sie sind ein dringender Aufruf zu erhöhter Wachsamkeit. Während das BACS mit dieser Flut von Vorfällen ringt, belegen die Daten eindeutig: Das digitale Sicherheitsnetz wird stärker strapaziert als je zuvor.
Die Telefonfalle: Betrüger geben sich vermehrt als Behörden aus
Der alarmierendste Anstieg betrifft einen dreisten Strategiewechsel: Kriminelle verlagern ihre Aktivitäten vom Posteingang auf die Telefonleitung. Die Meldungen über falsche Anrufe im Namen von Behörden sind explodiert und innerhalb von nur zwölf Monaten von rund 7'000 auf fast 22'000 gestiegen. Dieser aggressive Kurswechsel markiert eine gefährliche Weiterentwicklung des Social Engineering. Betrüger nutzen dabei das grosse Vertrauen aus, das die Schweizer Bevölkerung ihren staatlichen Institutionen entgegenbringt.
Während E-Mail-Bedrohungen zurückgegangen sind, ist das Telefon zum wichtigsten Täuschungsmittel geworden. Betrüger geben sich skrupellos als Polizistinnen und Polizisten, Steuerbeamte und Bankangestellte aus und setzen mit Anrufen die Betroffenen unter unmittelbaren Druck, um sie zur Kooperation zu bewegen. Das BACS hält fest, dass inzwischen fast 90% der betrügerischen Nachrichten angeblich aus dem öffentlichen Sektor stammen. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine lästige Störung, sondern um einen gezielten Angriff auf das Vertrauen der Bevölkerung. Die Betrüger umgehen einfach die immer besseren E-Mail-Filter und greifen zum Telefon.
Raffinierte Methoden: Vom CEO-Betrug bis zu Parkuhren
Cyberkriminelle erweitern ihr Repertoire mit skrupelloser Kreativität. Unternehmen und lokale Gemeinschaften kämpfen mit der Plage des «CEO-Betrugs», bei dem Betrüger dringende Zahlungsaufforderungen von Führungskräften eines Unternehmens erfinden. Eine beunruhigende Entwicklung: 2024 nahmen solche Machenschaften gezielt lokale Behörden und Kirchen ins Visier. Das zeigt, dass kein Bereich verschont bleibt. Gleichzeitig verdreifachten sich betrügerische Wettbewerbe in der zweiten Jahreshälfte. Dabei missbrauchen die Täter die vertrauenswürdigen Marken grosser Schweizer Detailhändler und Transportunternehmen, um Opfer anzulocken.
Die Betrüger lassen bei ihren neuen Methoden nicht nach. Sie kleben gefälschte QR-Codes auf Parkuhren, um Zahlungsdaten zu stehlen, und nutzen iMessages, um die üblichen SMS-Filter grosser Internetanbieter zu umgehen. Florian Schütz, Direktor des BACS, hob eine besonders heimtückische Methode hervor: E-Mail-Konten mit Spam zu überfluten, damit Nutzerinnen und Nutzer technische Unterstützung suchen. Haben die Betrüger sie erst einmal am Haken, verleiten sie die Betroffenen dazu, über Internetplattformen schädliche Software herunterzuladen. So erhalten sie Zugang zu deren IT-Umgebungen. Die Kreativität dieser Angriffe verlangt eine ebenso dynamische Reaktion der Bevölkerung.
Kritische Infrastrukturen: Der Staat schlägt zurück
Angesichts dieser Flut digitaler Kriminalität zieht die Schweizer Regierung in Fragen der nationalen Sicherheit eine klare Grenze. Seit dem 1. April 2025 gilt für kritische Infrastrukturen eine strikte Meldepflicht. Betreiberinnen und Betreiber essenzieller Dienstleistungen, von Energieversorgung und Trinkwasserversorgung bis hin zu Verkehrsnetzen, sind gesetzlich verpflichtet, erhebliche Cyberangriffe innerhalb einer Frist von 24 Stunden dem BACS zu melden.
Diese regulatorische Änderung unterstreicht die Schwere der Bedrohung. Die Regierung ist sich bewusst, dass ein Angriff auf diese Bereiche nicht bloss eine Datenpanne ist, sondern eine mögliche Katastrophe für die öffentliche Sicherheit. Mit der Verpflichtung zum raschen Informationsaustausch will das BACS die Lücke zwischen Erkennung und Abwehr schliessen. Die Schweiz beobachtet den Anstieg der Cyberkriminalität nicht länger nur, sondern mobilisiert aktiv ihre wichtigsten Sektoren, um der Realität der modernen hybriden Kriegsführung zu begegnen.