Cybersicherheit
Cyber-Defence-Team entdeckt Schwachstellen in Flugzeugsicherheitssystem
Der Cyber-Defence Campus der Schweizer Armee hat kritische Schwachstellen in Kollisionswarnsystemen der Zivilluftfahrt entdeckt und damit international Sicherheitsbedenken ausgelöst.

In einer eindrücklichen Demonstration digitaler Kompetenz hat der Cyber-Defence Campus des Schweizer Verteidigungsdepartements die Illusion der Unverwundbarkeit der Sicherheit in der Zivilluftfahrt erschüttert. Forschende haben erfolgreich zwei kritische Schwachstellen im Traffic Alert and Collision Avoidance System (TCAS) II identifiziert und ausgenutzt, dem zentralen System zur Verhinderung von Zusammenstössen in der Luft. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine theoretische Studie: Das Schweizer Team löste aktiv falsche Warnungen im Cockpit eines Piloten aus und bewies damit, dass sich das System täuschen lässt.
Mit einem zertifizierten Prozessor und einer eigens eingerichteten Funkanlage manipulierte das Team die digitalen Signale, denen Piloten ihr Leben anvertrauen. Die Folgen sind unmittelbar und erschreckend. Durch das Vortäuschen dieser Signale könnte ein Angreifer Piloten theoretisch dazu zwingen, aufgrund vermeintlicher Gefahren gefährliche Ausweichmanöver zu fliegen. Diese mutige Entdeckung von Armasuisse unterstreicht eine beunruhigende Realität: Die digitale Festung, die unseren Luftraum schützt, weist Risse auf, und Schweizer Fachleute haben als Erste Licht darauf geworfen.
US-Behörden bestätigen schwerwiegende Bedrohung
Die Schockwellen dieser Schweizer Entdeckung haben sofort den Atlantik überquert und in Washington höchste Alarmbereitschaft ausgelöst. Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) und die Cyber Defense Agency (CISA) haben keine Zeit verloren, die Daten zu analysieren, und ein Urteil gefällt, das weltweit Beachtung verlangt. Die FAA hat eine der Schwachstellen als «schwerwiegend» eingestuft, während die CISA die zweite als «mittel» bezeichnet hat. Diese doppelte Bestätigung durch die weltweit führenden Luftfahrt- und Cyberbehörden unterstreicht die Tragweite der Situation.
Armasuisse bezeichnet diese Beurteilung zu Recht als «wegweisend» für Europa und darüber hinaus. Sie signalisiert einen Wandel in unserer Sicht auf die Sicherheit der Avionik. Wir haben es nicht länger mit hypothetischen Risiken zu tun, sondern mit einer bestätigten, schwerwiegenden Schwachstelle in einem System, auf das sich täglich Millionen Passagiere verlassen. Die rasche Einstufung durch die US-Behörden zeigt die unbestreitbare Qualität und Dringlichkeit der Erkenntnisse, welche die Cyber-Einheit der Schweizer Armee gesammelt hat.
Ungeschützt in der Luft: keine sofortige Lösung verfügbar
Hier ist die alarmierendste Zahl überhaupt: Derzeit gibt es null technische Gegenmassnahmen. Gemäss eigener Beurteilung der FAA muss sich die Luftfahrtbranche mit einer Schwachstelle auseinandersetzen, für die es keine sofort verfügbare Behebung gibt. Dies ist eine kritische Sicherheitslücke. Das TCAS-II-System ist keine optionale Ausrüstung, sondern für jedes Zivilluftfahrzeug mit einem Gewicht von mehr als 5,7 Tonnen vorgeschrieben. Von grossen internationalen Verkehrsflugzeugen bis hin zu privaten Geschäftsflugzeugen ist die gesamte Flotte mit einer bekannten Schwachstelle unterwegs.
Das System dient als «letzte Massnahme», um katastrophale Zusammenstösse in der Luft zu verhindern. Wenn alle anderen Massnahmen der Flugsicherung versagen, ist TCAS die letzte Verteidigungslinie. Die Erkenntnis, dass sich diese ultimative Sicherheitsvorkehrung manipulieren lässt und es derzeit keine technische Lösung gibt, um dies zu verhindern, setzt Hersteller und Aufsichtsbehörden stark unter Druck. Die Branche muss nun alles daransetzen, eine Lücke zu schliessen, die Schweizer Forschende weit aufgerissen haben.
Berns zentrale Rolle für die weltweite Flugsicherheit
Die Schwachstellen geben zwar Anlass zur Sorge, doch dieser Vorfall zeugt zugleich von der Schweizer Exzellenz im Bereich der Cyberabwehr. Der Cyber-Defence Campus hat sich als erstklassige Stelle zur Überwachung von Bedrohungen bewiesen, die Herstellern und internationalen Aufsichtsbehörden entgehen. Indem die Schweiz diese Mängel aufgedeckt hat, bevor böswillige Akteure sie hätten ausnutzen können, hat sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der weltweiten Luftfahrt geleistet.
Während die Luftfahrtbranche fieberhaft Gegenmassnahmen entwickelt, bleibt Bern fest im Blickpunkt. Diese Entdeckung unterstreicht die Notwendigkeit einer vorausschauenden, staatlich unterstützten Cyberforschung. In einer Zeit, in der Kriegsführung und Terrorismus zunehmend digital stattfinden, ist die Fähigkeit der Schweiz, kritische Infrastrukturen zu überprüfen und zu sichern, selbst wenn es sich um so komplexe Infrastrukturen wie internationale Luftfahrtsysteme handelt, nicht bloss ein Vorteil, sondern eine Notwendigkeit. Die Botschaft ist klar: Die Wachsamkeit der Schweiz macht den Luftraum sicherer, eine Schwachstelle nach der anderen.