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Swiss Observer

Alarmierende Krise: Zwei Drittel der Lernenden in der Schweiz berichten von psychischen Problemen

Eine neue Umfrage von WorkMed zeigt, dass 61 % der Lernenden in der Schweiz psychische Probleme haben. Gewerkschaften fordern deshalb dringende Reformen, darunter längere Ferien.

Alarmierende Krise: Zwei Drittel der Lernenden in der Schweiz berichten von psychischen Problemen
AISWI swissinfo.ch

Eine wegweisende Umfrage des psychiatrischen Kompetenzzentrums WorkMed hat eine besorgniserregende psychische Krise unter Lernenden in der Schweiz aufgedeckt: Fast zwei Drittel berichten von psychischen Problemen. Die umfassende Studie, die 49 000 Lernende in der ganzen Schweiz einbezog, hat dringende Forderungen nach systemischen Reformen des Berufsbildungssystems ausgelöst. Die Ergebnisse stimmen mit früheren Untersuchungen der Gewerkschaft Unia aus dem Jahr 2024 überein und weisen auf ein anhaltendes und wachsendes Problem im Schweizer Lehrlingswesen hin.

Wichtigste Ergebnisse und Zahlen

Die Umfrage von WorkMed zeigt alarmierende Zahlen: 61 % der Lernenden geben an, während ihrer Ausbildung psychische Probleme zu erleben. Noch besorgniserregender ist, dass 60 % ihre psychischen Belastungen direkt auf die Bedingungen ihrer Lehre zurückführen. Die Studie zeigt auch einen beunruhigenden Trend bei der Zufriedenheit am Arbeitsplatz: Nur 56 % würden ihren Lehrbetrieb uneingeschränkt weiterempfehlen. 33 % würden dies nur unter Vorbehalt tun, während 11 % anderen aktiv davon abraten würden, in ihrem Betrieb eine Lehre zu machen.

Herausforderungen und Auslöser am Arbeitsplatz

Die Umfrage nennt mehrere zentrale Probleme am Arbeitsplatz, die zum psychischen Leidensdruck der Lernenden beitragen. Zu den Hauptproblemen gehören übermässig lange Arbeitstage, zu wenig Ferien und körperliche Belastungen in der Berufsfachschule. Besonders besorgniserregend ist, dass 60 % der Lernenden angeben, ihre Lehrbetriebe zeigten wenig Verständnis, wenn ihnen Fehler unterliefen oder persönliche Schwierigkeiten aufträten. Diese Bedingungen sind in Kleinstbetrieben besonders herausfordernd, wo deutlich mehr Lernende einen Lehrabbruch in Betracht ziehen.

Lücken im Unterstützungssystem

Eine zentrale Lücke im bestehenden System ist der fehlende Zugang zu Unterstützungsangeboten. Die Umfrage zeigt, dass 78 % der betroffenen Lernenden weder in ihrem Lehrbetrieb noch an ihrer Berufsfachschule ein Gespräch oder Unterstützung erhalten konnten. Junge Lernende betonen, dass Unterstützungsangebote kostenlos, vertraulich und anonym sein müssten. Der SGB weist jedoch darauf hin, dass solche Unterstützungsstrukturen in der Schweiz nur selten verfügbar sind. Dadurch wird es deutlich schwieriger, psychische Probleme anzugehen.

Vorgeschlagene Reformen und Lösungen

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) setzt sich für sofortige Reformen ein, um diese Herausforderungen anzugehen. Ein zentraler Vorschlag ist, die Ferien für Lernende von derzeit fünf auf acht Wochen zu verlängern. Zudem wird eine stärkere Anerkennung der Berufslehre und der Ausbau umfassenderer Unterstützungsstrukturen gefordert. Im Mittelpunkt steht die Schaffung kostenloser, vertraulicher und anonymer Unterstützungsangebote, die den psychischen Bedürfnissen der Lernenden wirksam gerecht werden und gleichzeitig die Schweizer Bildungsstandards wahren.