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Swiss Observer

Greensill-Skandal der Credit Suisse: Politiker fordern Transparenz

Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier fordern die öffentliche Offenlegung von Dokumenten der Finanzaufsicht zum Greensill-Skandal bei der Credit Suisse. Gerichtsverfahren in London bringen unterdessen frühe Warnsignale ans Licht.

Greensill-Skandal der Credit Suisse: Politiker fordern Transparenz
AISWI swissinfo.ch

Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben ihre Forderungen nach Transparenz im Greensill-Skandal der Credit Suisse verstärkt und verlangen, dass wichtige Dokumente der Finanzaufsicht öffentlich zugänglich gemacht werden. Der Vorstoss erfolgt, während Dokumente der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) in Gerichtsverfahren in London auftauchen und wichtige Einblicke in die Geschäftstätigkeit der Bank gewähren. Der SVP-Parlamentarier Rémy Wyssmann treibt die Forderung mit einem Vorschlag voran, die Finma dem Öffentlichkeitsgesetz zu unterstellen. Dafür erhält er parteiübergreifend Unterstützung, auch von den Grünen.

Der Greensill-Skandal kommt ans Licht

Im Zentrum des Skandals steht die Liquidation von «Greensill-Fonds» im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar. Sie erwies sich als entscheidender Faktor für den späteren Niedergang der Credit Suisse und ihre Übernahme durch die UBS. Kürzlich veröffentlichte Finma-Dokumente zeigen, dass die Geschäftsleitung der Credit Suisse ausdrücklich vor ihrer Zusammenarbeit mit dem australischen Investor Lex Greensill gewarnt worden war. Die Dokumente legen offen, wie Greensill verschiedene Interessen innerhalb der Bank manipulierte, insbesondere im Zusammenhang mit riskanten Geschäftsbeziehungen zum Stahlkonzern GFG Alliance von Sanjeev Gupta.

Gerichtsverfahren und Ermittlungen

Derzeit sind mehrere Gerichtsverfahren hängig. Die UBS fordert von der japanischen Investmentgesellschaft Softbank Schadenersatz in Höhe von 440 Millionen Franken. Die Staatsanwaltschaft Zürich setzt ihre Ermittlungen fort; seit 2021 laufen verschiedene «Entsiegelungsverfahren». Die Finma hat vier Enforcementverfahren gegen ehemalige Manager der Credit Suisse eingeleitet, doch ihr aktueller Stand ist unklar. In den Gerichtsverfahren in London sind zuvor vertrauliche Finma-Dokumente ans Licht gekommen, die Softbank als Teil ihrer Verteidigungsstrategie eingebracht hat.

Debatte um Transparenz

Es ist eine hitzige Debatte darüber entbrannt, wie viel Transparenz von Finanzaufsichtsbehörden verlangt werden soll. Befürworterinnen und Befürworter argumentieren, die Öffentlichkeit müsse besseren Zugang zu Informationen erhalten. Widerstand kommt hingegen von Branchenexperten wie David Wyss, einem ehemaligen Mitglied der Finma-Geschäftsleitung. Er warnt, eine Unterstellung der Finma unter das Öffentlichkeitsgesetz wäre wegen der sensiblen Daten «hochtoxisch». Die Kontroverse verdeutlicht, wie heikel das Gleichgewicht zwischen öffentlicher Rechenschaftspflicht und der Vertraulichkeit des Finanzsektors im Schweizer Bankwesen ist.

Auswirkungen und künftige Folgen

Die Folgen des Greensill-Skandals prägen weiterhin die Regulierung und Aufsicht des Schweizer Bankwesens. Der Fall hat zu umfassenderen Reformen beigetragen, darunter die Pläne der Schweiz für strengere Too-big-to-fail-Regeln für Banken und erweiterte Befugnisse der Aufsichtsbehörden. Die Rolle des Skandals bei der späteren Übernahme der Credit Suisse durch die UBS markiert einen historischen Wandel im Schweizer Bankwesen. Die laufenden Ermittlungen und Gerichtsverfahren lassen zugleich darauf schliessen, dass sich die vollen Auswirkungen des Skandals noch nicht gezeigt haben.