Crans-Montana
Gemeindepräsident von Crans-Montana im Visier der Ermittler, während die Schweiz Indoor-Pyrotechnik verbietet
Die Strafuntersuchung zum tödlichen Barbrand in Crans-Montana wurde auf den Gemeindepräsidenten und vier weitere Amtsträger wegen fahrlässiger Tötung ausgeweitet. Als Reaktion auf die Tragödie tritt ab dem 1. April ein landesweites Verbot von Pyrotechnik wie Wunderkerzen in Flaschen in geschlossenen öffentlich zugänglichen Räumen in Kraft.

Die rechtliche Abschirmung um die Tragödie von Crans-Montana ist eingebrochen. Im dramatischen Ausbau der Strafuntersuchung haben die Staatsanwälte nun Gemeindepräsident Nicolas Féraud einbezogen und ihn wegen fahrlässiger Tötung formell untersucht. Die Walliser Staatsanwaltschaft bestätigte am Montag, dass die Untersuchung auf fünf weitere Gemeindevertreter ausgeweitet wurde, sodass die Zahl der Beschuldigten auf neun steigt. Es geht nicht mehr nur um die Fahrlässigkeit eines Barbesitzers; der Fokus richtet sich nun auf die höchsten Ebenen der lokalen Regierung.
Neben Gemeindepräsident Féraud richtet sich die Untersuchung nun gegen ein früheres Gemeinderatsmitglied, das für die Sicherheit zuständig war, einen früheren Brandschutzbeauftragten sowie aktuelle Verantwortliche für die öffentliche Sicherheit. Ihnen werden schwere Vorwürfe gemacht: fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. Die Folgen sind unmittelbar und gravierend. "Nun stellt sich die Frage, ob Herr Féraud diese Gemeinde weiterhin führen kann", erklärte Sebastien Fanti, Anwalt der Opferfamilien, und deutete damit einen möglichen politischen Zusammenbruch nach der Katastrophe an. Die Beschuldigten sind zwischen dem 7. und 15. April zur Einvernahme vorgeladen, während die Ermittler entschlossen versuchen, die Verantwortung für die Katastrophe zuzuordnen, die 41 Menschenleben forderte.
Null Toleranz: Die Schweiz setzt ein umfassendes Indoor-Pyrotechnik-Verbot durch
Ab dem 1. April 2026 ist es in der Schweiz mit Indoor-Pyrotechnik offiziell vorbei. In einem raschen und entschiedenen regulatorischen Durchgreifen hat die Interkantonale Behörde für technische Handelshemmnisse (AIET) ein generelles Verbot pyrotechnischer Geräte in allen geschlossenen öffentlich zugänglichen Räumen angekündigt. Diese drastische Massnahme ist eine direkte Reaktion auf den tödlichen Auslöser des Brandes von Crans-Montana: Wunderkerzen in Champagnerflaschen, die im Untergeschoss der Bar Le Constellation Schallschutzschaum entzündeten.
"Ab dem 1. April 2026 sind pyrotechnische Artikel in öffentlich zugänglichen Räumen verboten", erklärte die AIET und übte dabei ihre vom Bund übertragene Befugnis in allen 26 Kantonen aus. Während eine umfassende Revision der schweizerischen Brandschutzvorschriften im Gange ist, deren Frist bis Oktober 2027 verlängert wurde, um über 11'000 technische Stellungnahmen zu bearbeiten, wollten die Behörden nicht warten. Das sofortige Verbot unterstreicht die Dringlichkeit der Gefahr. Mehrere Kantone, darunter Genf und Waadt, hatten diese Geräte bereits verboten, doch dieser Bundesentscheid stellt sicher, dass für gefährliche Indoor-Feuerwerke keine Zuflucht mehr bleibt.
Systemisches Versagen: Der Skandal um die "fehlenden" Kontrollen
Eine erschreckende Lücke von vier Jahren bei der Sicherheitskontrolle liegt im dunklen Zentrum dieser Untersuchung. Die öffentliche Empörung brach aus, als die lokalen Behörden einräumten, dass die Bar Le Constellation seit 2019 keine obligatorische Brand- und Sicherheitskontrolle mehr durchlaufen hatte. Dieses krasse Versäumnis deutet auf ein systemisches Versagen der Gemeinde hin und belastet die Verantwortlichen, denen nun fahrlässige Tötung vorgeworfen wird. Die Bar bewegte sich in einem regulatorischen blinden Fleck, als das Unglück geschah.
Die AIET hat signalisiert, dass die anstehende Regulierungsreform 2027 vor allem "Regeln zur Häufigkeit und Qualität der Kontrollen" priorisieren wird, doch für die Opfer von Crans-Montana kommt diese Reform zu spät. Die Untersuchung hat ergeben, dass das Feuer ausbrach, als Wunderkerzen zu nahe an die Decke gehalten wurden und brennbare Isolierung entzündeten, eine Gefahr, die eine sachkundige Kontrolle vielleicht erkannt und behoben hätte. Das Versäumnis, jährliche Kontrollen durchzusetzen, hat aus einem Verfahrensfehler eine strafrechtliche Haftung gemacht und die Gemeinde dem Vorwurf eines tödlichen Versagens ausgesetzt.
Ein erschüttafter Kanton: Gerechtigkeit für 41 verlorene Leben suchen
Der menschliche Preis der Tragödie im Le Constellation bleibt quälend hoch. Während der juristische Apparat weiterarbeitet, kämpften Ende Februar noch immer 58 Überlebende in Spitälern und Rehabilitationskliniken um ihre Genesung. Der Brand, der 41 Menschenleben forderte, meist Jugendliche, hat im Kanton Wallis eine bleibende Narbe hinterlassen. "Seit dem 1. Januar ist unser Kanton nicht mehr derselbe", erklärte Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard und beschrieb eine Gemeinschaft, die "tief erschüttert" ist.
Um konkrete Unterstützung zu bieten, stimmt der Kantonsrat über die Gründung einer Stiftung mit 10 Millionen Franken ($12.8 Millionen) zugunsten der Opfer und ihrer Familien ab. Finanzielle Hilfe kann jedoch den Ruf nach Verantwortung nicht zum Verstummen bringen. Anwälte der Hinterbliebenen haben die Ausweitung der Untersuchung begrüsst und erklärt, die Familien brauchten dringend Antworten. Je näher die Einvernahmetermine im April rücken, desto gespannter blickt das Land auf das Wallis und wartet darauf, ob die Justiz ein Urteil fällen kann, das dem Ausmass dieses beispiellosen Verlusts gerecht wird.