Crans-Montana
Brand in Crans-Montana: Barbesitzer konfrontiert, Regierung plant Opferhilfe
Nach dem tödlichen Brand in einer Bar in Crans-Montana konfrontierten Angehörige der Opfer die Besitzer bei einer Anhörung. Als Reaktion auf die Tragödie arbeitet die Schweizer Regierung an dringenden gesetzlichen Massnahmen zur Unterstützung der Opfer, während ein separates Feuer eine provisorische Gedenkstätte beschädigte.

Diese Woche brach auf den Strassen von Sitten blanke Wut aus, als die Familien der Opfer des Brandes in Crans-Montana erstmals den Besitzern der Unglücksbar Le Constellation gegenüberstanden. In einer erschütternden Szene vor dem Campus Energypolis wurden Jacques und Jessica Moretti von einer Reihe trauernder Angehöriger bedrängt, die «Mörder» und «Monster» schrien. Die Konfrontation markiert eine explosive Eskalation in der Folge der Tragödie vom 1. Januar, die erschütternde 41 Menschenleben forderte.
Die emotionale Belastung war deutlich spürbar, als Eltern Antworten verlangten. Ein verzweifelter Vater schrie: «Wo ist mein Sohn?», ein anderer fragte, wie das Paar nachts schlafen könne. Jacques Moretti versuchte, sich im Tumult zu verteidigen, und erwiderte: «Wenn wir zahlen müssen, zahlen wir. Es gibt keine Mafia, wir sind Arbeiter.» Diese Abwehrhaltung konnte die Wut einer Gemeinschaft, die durch den Verlust so vieler junger Menschen erschüttert ist, kaum besänftigen. Als die Morettis zur Aussage bei der Staatsanwaltschaft eintrafen, lag im Wallis weiterhin eine aufgeladene Mischung aus Trauer und der Forderung nach sofortiger Gerechtigkeit in der Luft.
Flammen an der Gedenkstätte: Brand löst neue Verzweiflung aus
In einer grausamen Wendung des Schicksals, die kaum zu fassen ist, wurde auch die provisorische Gedenkstätte für die Opfer von einem Feuer verwüstet. Am frühen Sonntagmorgen, kurz vor 6 Uhr, standen die Gedenkstätte in der Nähe der verkohlten Überreste der Bar in Flammen. Die weisse, igluartige Blache, die Blumen und Botschaften schützen sollte, wurde schwarz. Die Polizei schliesst eine Beteiligung Dritter aus und nennt brennende Kerzen als wahrscheinliche Ursache. Der Vorfall hat in einer ohnehin traumatisierten Gemeinschaft einen empfindlichen Nerv getroffen.
Das Gedenkbuch konnte zwar wie durch ein Wunder gerettet werden, doch die Zerstörung von Erinnerungsgegenständen hat Empörung ausgelöst. Laetitia Brodard-Sitre, deren 16-jähriger Sohn Arthur im Silvesterbrand ums Leben kam, kritisierte die lokalen Behörden öffentlich. «Es liegt in der Verantwortung der Gemeinde, für eine sichere Gedenkstätte zu sorgen», erklärte sie und brachte damit die Bestürzung von Familien zum Ausdruck, die sich im Stich gelassen fühlen. Dieses zweite Feuer ist ein düsteres Symbol für das Chaos, das Crans-Montana fünf Wochen nach der ursprünglichen Katastrophe weiterhin heimsucht.
Fahrlässigkeit und fahrlässige Tötung: Der juristische Druck steigt
Die Untersuchung der Katastrophe hat ein erschreckendes Versäumnis bei den Sicherheitsvorschriften zutage gefördert. Es wurde bekannt, dass Le Constellation seit 2019 keiner vorgeschriebenen jährlichen Brandschutzkontrolle mehr unterzogen worden war. Dieses schwerwiegende Versäumnis könnte das Schicksal der Feiernden besiegelt haben. Die Ermittler haben die Ursache des Brandes auf Champagnerflaschen mit Wunderkerzen zurückgeführt, die den Schallschutzschaum an der niedrigen Decke des überfüllten Lokals entzündeten.
Die rechtlichen Folgen reichen inzwischen über die Barbesitzer hinaus. Während den Morettis fahrlässige Tötung, Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen werden, richtet sich der Blick auch auf die Behörden. Gegen den Leiter der öffentlichen Sicherheit von Crans-Montana und einen ehemaligen Brandschutzbeauftragten wird nun strafrechtlich ermittelt. Die aufgedeckten versäumten Kontrollen deuten auf ein systemisches Versagen im Wallis hin und nähren die Auffassung, dass diese Tragödie nicht bloss ein Unfall, sondern eine durch administrative Nachlässigkeit verursachte, vermeidbare Katastrophe war.
Dringende Gesetzgebung: Bern sucht nach Entschädigung für die Opfer
Da die lokalen Ressourcen für eine Katastrophe dieses Ausmasses bei Weitem nicht ausreichen, ergreift die Schweizer Regierung beispiellose Massnahmen. Der Bundesrat hat das Justizdepartement beauftragt, bis Ende dieses Monats dringende gesetzliche Massnahmen auszuarbeiten, um die finanzielle Unterstützung der Opfer und ihrer Familien sicherzustellen. Bei 41 Todesopfern und mehr als 115 Verletzten dürften die Haftpflichtversicherung der Beschuldigten und ihr Privatvermögen kaum ausreichen, um die astronomisch hohen Schäden zu decken.
Bern drängt darauf, dass das Parlament andere Debatten auf die Märzsession verschiebt, um diesem dringenden Gesetz Vorrang zu geben. Der geplante Bundesbeitrag soll die Unterstützung durch Kantone und Versicherungen ergänzen und verhindern, dass die Opfer zusätzlich zu ihrer Trauer in den finanziellen Ruin getrieben werden. Dieser Schritt zeigt, dass man auf höchster Ebene erkannt hat: Der geltende Rechtsrahmen ist für Ereignisse mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten schlecht gerüstet, und der Staat muss dort einspringen, wo das System versagt hat.