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Swiss Observer

Strafanzeige nach Gold- und Rolex-Geschenken Schweizer Wirtschaftsführer an Trump

Gegen Schweizer Wirtschaftsführer, die dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump Luxusgeschenke, darunter einen Goldbarren und eine Rolex-Uhr, überreichten, ist wegen des Verdachts auf Korruption eine Strafanzeige eingereicht worden. Ein hochrangiger Schweizer Vertreter spielte das Treffen herunter und erklärte, es habe sich um eine «private Initiative» gehandelt.

Strafanzeige nach Gold- und Rolex-Geschenken Schweizer Wirtschaftsführer an Trump
AILe News

Ein Treffen hochrangiger Schweizer Wirtschaftsvertreter mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, bei dem es um Handelszölle gehen sollte, ist zu einer juristischen und politischen Kontroverse eskaliert. Zwei Politiker der Schweizer Grünen haben wegen des Verdachts auf Korruption Strafanzeige eingereicht, nachdem bekannt geworden war, dass die Wirtschaftsführer Trump Luxusgeschenke, darunter einen ein Kilogramm schweren Goldbarren und eine Rolex-Uhr, überreicht hatten. Der Vorfall hat in der Schweiz eine heftige Debatte über den Einfluss von Unternehmen, das diplomatische Protokoll und die Integrität der rechtlichen und politischen Institutionen des Landes ausgelöst. Die nun bei der Bundesanwaltschaft eingereichte Anzeige wirft die Frage auf, ob die Wirtschaftsführer gegen Schweizer Recht verstossen haben, indem sie versuchten, einen ausländischen Amtsträger zu beeinflussen.

Die rechtliche Herausforderung: Korruptionsvorwürfe

Das rechtliche Vorgehen wurde von den Grünen-Politikern Raphaël Mahaim und Greta Gysin eingeleitet. Ihre bei der Bundesanwaltschaft eingereichte Anzeige richtet sich gegen die Wirtschaftsdelegation, die sich Anfang November 2025 mit Trump traf. Zu dieser Gruppe gehörten bekannte Persönlichkeiten wie Alfred Gantner von Partners Group, Jean-Frédéric Dufour von Rolex und Johann Rupert von Richemont. Im Zentrum der Anzeige steht die Frage, ob die üppigen Geschenke einen Versuch darstellen, einen ausländischen Amtsträger unrechtmässig zu beeinflussen. Mahaim argumentiert, der Vorfall drohe, «den Rechtsstaat zu untergraben», und die internationale Reputation der Schweiz zu beschädigen. Er warnt vor einer Normalisierung des «transaktionalen Politikstils». Die Schweizerische Bundesanwaltschaft hat den Eingang von drei separaten Strafanzeigen im Zusammenhang mit dem Treffen bestätigt.

Die Geschenke, das Abkommen und das diplomatische Protokoll

Hauptziel des Treffens war es, eine Senkung der US-Zölle auf Schweizer Exporte auszuhandeln, die mit 39 Prozent hoch waren. Die Delegation scheint erfolgreich gewesen zu sein: Sie erreichte eine Vereinbarung, durch die die Zölle auf 15 Prozent gesenkt wurden und wichtige Ausnahmen für die Luftfahrt- und Pharmabranche erwirkt wurden. Neben ihren Argumenten überreichten die Wirtschaftsführer die inzwischen berüchtigten Geschenke. Der Unternehmer Alfred Gantner verteidigte die Geste mit dem Argument, solche Geschenke entsprächen dem diplomatischen Protokoll. Kritiker verweisen hingegen auf internationale Antikorruptionsstandards, denen zufolge jedes Geschenk, das den Anschein erwecken könnte, eine öffentliche Entscheidung zu beeinflussen, unethisch ist. In der Schweiz würden solche Geschenke normalerweise dem Staat und nicht einer Einzelperson gehören, um den Anschein persönlicher Einflussnahme auszuschliessen.

Eine «private Initiative»: Die Haltung der Regierung

Die Schweizer Regierung hat sich von der Angelegenheit in gewissem Mass distanziert. Helene Budliger Artieda, die Staatssekretärin für Wirtschaft (Seco), bestätigte, dass sie von den Geschenken wusste, betonte jedoch, das Seco habe sich «bewusst nicht eingemischt ... da es sich um eine private Initiative handelte». Trotz der rechtlichen Ungewissheit lobte sie das Vorgehen der Wirtschaftsführer und bezeichnete ihren Besuch als «entscheidend». Gegenüber der NZZ sagte sie: «Persönlich freut es mich sehr, dass es in diesem Land einen Unternehmergeist gibt, der bereit ist zu helfen, wenn das Land Hilfe braucht, und der auch Risiken eingeht.» Diese offizielle Haltung verdeutlicht unterschiedliche Sichtweisen: Während manche ein mögliches Verbrechen sehen, betrachten andere das Vorgehen als patriotische Unternehmensdiplomatie.

Ein gespaltenes Land: Stärke oder Skandal?

Die Kontroverse hat einen politischen Graben in der Schweiz offengelegt. Die Grünen-Politiker sehen eine gefährliche Verwischung der Grenzen, die der Glaubwürdigkeit der Schweiz schadet. Andere, darunter die Politikerin Céline Amaudruz von der UDC/SVP, bezeichnen das rechtliche Vorgehen als «übertrieben». Sie argumentiert, die enge Abstimmung zwischen Regierung und Wirtschaft sei eine «Stärke und kein Nachteil», und verweist auf den greifbaren Erfolg der Zollsenkung. Diese Sicht teilen auch die Wirtschaftsführer selbst. Berichten zufolge zeigten sie Trump auf, wie geplante Schweizer Investitionen in den USA in Höhe von 200 Milliarden Franken in den nächsten fünf Jahren dazu beitragen würden, das Handelsdefizit zu verringern.

Wie geht es weiter? Die Entscheidung der Bundesanwaltschaft steht aus

Über das weitere Schicksal der Anzeige entscheidet nun die Schweizerische Bundesanwaltschaft. Sie muss beurteilen, ob die Beweise die Eröffnung eines formellen Ermittlungsverfahrens gegen die Wirtschaftsführer rechtfertigen. Wird das Verfahren weitergeführt, könnte der Fall schliesslich vor dem Bundesstrafgericht verhandelt werden. Die Entscheidung wäre wegweisend und könnte die Grenzen des Engagements von Unternehmen in der Schweizer Aussenpolitik neu definieren sowie einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie das Land mit Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit ausländischen Amtsträgern umgeht. Vorerst warten die Schweizer Öffentlichkeit und die politische Führung auf den nächsten Schritt der Bundesanwaltschaft.