Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Chinesische Filme dominieren das Internationale Filmfestival Freiburg

Rekordbesuch am FIFF 2025: Die chinesischen Produktionen «Black Dog» und «My Friend An Delie» gewinnen die wichtigsten Preise.

Chinesische Filme dominieren das Internationale Filmfestival Freiburg
AISWI swissinfo.ch

Chinesische Produktionen haben am 39. Internationalen Filmfestival Freiburg (FIFF) einen eindrücklichen Siegeszug hingelegt und damit eine Ära der absoluten Vorherrschaft des asiatischen Kinos in der Schweiz gefestigt. Zum zweiten Mal in Folge ging die prestigeträchtigste Auszeichnung des Festivals, der Grand Prix, an einen chinesischen Film. Das signalisiert einen unbestreitbaren Wandel im globalen kulturellen Zeitgeist. Die Ausgabe 2025 des Festivals feierte nicht einfach das Kino, sie wurde zur Krönung des chinesischen Filmschaffens.

Das Ausmass dieses Erfolgs zeigt sich an der Breite der Auszeichnungen. Es war kein einzelner Glückstreffer, sondern eine koordinierte künstlerische Übernahme. Während europäische Produktionen um Aufmerksamkeit rangen, gingen chinesische Filmschaffende mit dem Grand Prix, dem Preis der internationalen Filmkritik, dem Spezialpreis der Jury und dem Preis der Ökumenischen Jury nach Hause. Dieser überwältigende Erfolg zeugt von einer lebendigen, wiedererstarkten Filmindustrie, die sowohl beim Schweizer Publikum als auch bei internationalen Kritikerinnen und Kritikern grossen Anklang findet. Wenn sich der Vorhang über der diesjährigen Veranstaltung schliesst, ist die Botschaft klar: Freiburg ist zur wichtigsten europäischen Startrampe für Chinas filmische Schwergewichte geworden.

Guan Hus «Black Dog» gewinnt die wichtigsten Preise

Guan Hus Meisterwerk Black Dog hat die Festivallandschaft im Sturm erobert und sich mit einer rauen, kompromisslosen Vision den Grand Prix 2025 gesichert. Die internationale Jury blieb keine andere Wahl. Der Film erzählt auf eindringliche und ungeschönte Weise von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Mann und einem Hund und gewann nicht nur den Hauptpreis, sondern bestimmte auch die Gespräche. In einem seltenen Fall einhelliger Anerkennung erhielt die Produktion zudem den Preis der internationalen Filmkritik. Damit bewies sie, dass sie sowohl hochkarätige Jurys als auch erfahrene Filmkritikerinnen und Filmkritiker überzeugt.

Der Erfolg des Films beruht darauf, dass er kulturelle Barrieren überwindet. Seine mitreissende Erzählung überwindet Sprachunterschiede und entfaltet eine emotionale Wirkung, die in Freiburg stark nachhallte. Mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung an Black Dog bestätigte das FIFF einmal mehr seinen Ruf, mutiges, erzählerisch geprägtes Kino zu würdigen. Der Sieg ist ein bedeutender Meilenstein für Guan Hu und hebt ihn vom angesehenen Regisseur zu einem mächtigen Titanen der internationalen Festivalszene empor.

Debütregisseur Dong Zijian überrascht die Jury

Mit einer überwältigenden Demonstration seines Talents hat der Schauspieler und nun auch Regisseur Dong Zijian mit seinem Spielfilmdebüt My Friend An Delie alle Erwartungen übertroffen. Während erfahrene Regisseure oft Mühe haben, ihren Platz zu finden, stand Dong sofort im Zentrum des Geschehens und gewann sowohl den Spezialpreis der Jury als auch den Preis der Ökumenischen Jury. Dieser doppelte Erfolg für einen Debütregisseur ist aussergewöhnlich.

Die Jury fand für ihr Lob deutliche Worte und würdigte den Film als «eine kraftvolle und zutiefst ehrliche Darstellung von Kindheitstrauma, Freundschaft und Erinnerung». Dies ist nicht einfach ein Film, sondern eine psychologische Tiefenbohrung, die das Publikum mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert. Dong, der in China als Schauspieler bereits ein Star ist, hat nun bewiesen, dass er über eine ausgesprochen reife Regiestimme verfügt. Seine Fähigkeit, komplexe Themen wie Erinnerung und Trauma zu einer schlüssigen visuellen Erzählung zu verweben, lässt darauf schliessen, dass My Friend An Delie erst der Anfang einer erfolgreichen Filmkarriere ist.

Besucherrekord am Festival gebrochen

Das Interesse am Weltkino in der Schweiz wächst explosionsartig. Die Organisatoren haben bestätigt, dass das FIFF 2025 alle bisherigen Besucherrekorde gebrochen und die symbolische Marke von 50 000 Eintritten, die erst im vergangenen Jahr erreicht worden war, deutlich übertroffen hat. Das ist nicht bloss ein geringfügiger Anstieg, sondern ein eindrücklicher Beleg für Freiburgs wachsenden Einfluss auf der internationalen Bühne.

Der Rekordbesuch bestätigt die mutige Programmgestaltung des Festivals. Indem das FIFF Themen wie Freiheit in den Mittelpunkt rückte und starken internationalen Stimmen eine Plattform bot, hat es sich von einer Nischenveranstaltung zu einem kulturellen Schwergewicht entwickelt. Das Publikum in Freiburg stimmt mit den Füssen ab und verlangt nach vielfältigem, anspruchsvollem und hochstehendem Kino. Während das Festival weiter wächst, stellt es andere europäische Festivals vor eine Herausforderung: Sie müssen sich an die sich wandelnde globale Landschaft anpassen oder riskieren, von der in Freiburg sichtbaren Dynamik abgehängt zu werden.