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Swiss Observer

Kartengebühren für kleine Schweizer Unternehmen sinken

Der Preisüberwacher hat mit Worldline eine neue Vereinbarung ausgehandelt. Schweizer Detailhändler könnten dadurch jährlich 10 bis 15 Millionen Franken an Transaktionsgebühren einsparen.

Kartengebühren für kleine Schweizer Unternehmen sinken
AISWI swissinfo.ch

Erstaunliche 15 Millionen Franken sollen in den Taschen der Schweizer Unternehmen bleiben, statt in Transaktionsgebühren zu verschwinden. In einem entscheidenden Erfolg für die heimische Wirtschaft hat der Preisüberwacher erfolgreich eine weitreichende Vereinbarung ausgehandelt, die die Kosten für bargeldlose Zahlungen senkt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Anpassung, sondern um eine finanzielle Entlastung für den Detailhandel, der seit Langem mit den stetig steigenden Kosten des digitalen Zahlungsverkehrs zu kämpfen hat.

Die am Dienstag bekannt gegebene Vereinbarung verspricht jährliche Einsparungen von 10 bis 15 Millionen Franken (12,5 bis 18,5 Millionen Dollar). Diese Finanzspritze kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt und ermöglicht es Unternehmen, wieder in ihren Betrieb zu investieren, statt Zahlungsdienstleister zu bezahlen. Das Ausmass der Einsparungen unterstreicht die Wirksamkeit des Eingreifens des Preisüberwachers und zeigt, dass regulatorischer Druck für den Schweizer Markt konkrete und wertvolle Ergebnisse bringen kann. Während digitale Transaktionen weiter zunehmen, sorgt die Vereinbarung dafür, dass die Geschäftskosten nicht unkontrolliert steigen.

Kleine Geschäfte profitieren besonders

Das Gipfeli am Morgen und der schnelle Espresso sind die eigentlichen Gewinner dieser Verhandlung. Während grosse Detailhändler Gebühren dank ihres Volumens auffangen können, tragen die kleinen Unternehmen in den Schweizer Innenstädten, also Kioske, unabhängige Bäckereien und Quartierrestaurants, die Hauptlast der Transaktionskosten bei kleinen Beträgen. Die neue Vereinbarung zielt gezielt auf diese Kleinsttransaktionen ab und beseitigt die finanziellen Hürden, die kleine Unternehmen dafür bestrafen, Kartenzahlungen anzunehmen.

Jahrelang belastete die Gebührenstruktur Käufe mit kleinen Beträgen überproportional stark und schmälerte die ohnehin hauchdünnen Margen kleiner Lebensmittelläden. Der Preisüberwacher wollte diese spezifischen Belastungen ausdrücklich senken und hat dies erreicht. Indem die Hürden für die Annahme bargeldloser Zahlungen gesenkt werden, modernisiert die Vereinbarung die betrieblichen Rahmenbedingungen für kleine Anbieter. So bleiben sie in einer zunehmend bargeldlosen Gesellschaft wettbewerbsfähig, ohne ihre Gewinnmarge zu opfern.

Den Zahlungsriesen im Zaum halten

Worldline, der unbestrittene Riese im Schweizer Zahlungsverkehr, wurde an den Verhandlungstisch gebracht und hat eine Verpflichtung unterzeichnet, die bis 2027 für Stabilität sorgt. Als führendes Unternehmen bei der Übermittlung und Gutschrift von Geldern für Händlerinnen und Händler im ganzen Land bestimmen die Gebührenstrukturen von Worldline die Marktbedingungen. Dass der Preisüberwacher mit einem derart marktbeherrschenden Akteur eine einvernehmliche Vereinbarung erzielen konnte, zeigt, wie entschieden die Interessen der Schweizer Unternehmen verteidigt werden.

Die vorherige Vereinbarung lief Ende 2024 aus und hinterliess die Möglichkeit von Preiserhöhungen. Der neue Vertrag gilt bis zum 30. September 2027 und beseitigt diese Unsicherheit. Er bietet den Händlern einen Planungshorizont von drei Jahren und ermöglicht ihnen, ihre Finanzen zu planen, ohne mit plötzlichen Gebührenerhöhungen rechnen zu müssen. In einem wirtschaftlich turbulenten Umfeld ist diese garantierte Stabilität ebenso wertvoll wie die Einsparungen selbst.

Forderung nach Transparenz und gesetzlichen Regeln

Während die finanziellen Einsparungen ein Erfolg sind, nimmt der Kampf um Transparenz erst Fahrt auf. Das Parlament hat die Herausforderung angenommen und verlangt, dass das undurchsichtige System der Gebühren für bargeldlose Zahlungen gesetzlich geregelt wird. In der vergangenen Sommersession forderten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier eine solide gesetzliche Grundlage, damit kleine Unternehmen nie wieder im Unklaren darüber gelassen werden, was sie bezahlen und warum.

Nun ist es am Bundesrat, diese Vorschriften auszuarbeiten. Das Ziel ist klar: Kleine Unternehmen sollen die nötige Transparenz erhalten, um Preise wirksam auszuhandeln und Angebote zu wählen, die tatsächlich ihren Interessen dienen. Damit verlagert sich der Schwerpunkt von reaktiven Verhandlungen hin zu einem vorsorglichen gesetzlichen Schutz. Die Schweiz bewegt sich auf ein System zu, in dem finanzielle Klarheit ein Recht und kein Privileg ist. So soll das Machtverhältnis zwischen Zahlungsriesen und lokalen Händlern dauerhaft ausgeglichener werden.