Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Brienz drohen wegen Rutschgefahr langjährige Evakuierungen

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Schweizer Bergdorfs Brienz/Brinzauls müssen sich auf mögliche Evakuierungen über mehrere Jahre einstellen. Fachleute warnen trotz laufender Schutzmassnahmen vor anhaltender Rutschgefahr.

Brienz drohen wegen Rutschgefahr langjährige Evakuierungen
AISWI swissinfo.ch

Das Schweizer Bergdorf Brienz/Brinzauls steht vor einer beispiellosen Herausforderung: Fachleute warnen wegen anhaltender Rutschgefahr vor möglichen Evakuierungen über mehrere Jahre. Jüngste Analysen zeigen, dass die Sicherheitslage im Dorf prekär bleibt und langfristige Evakuierungsmassnahmen nötig sind, um die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten. Damit zeichnet sich eine deutliche Abkehr von den anfänglichen Plänen für eine vorübergehende Evakuierung ab. Zugleich wird deutlich, wie komplex die geologischen Herausforderungen im Alpenraum sind.

Aktuelle Lage und Zugang

Obwohl sich die unmittelbare Lage etwas verbessert hat, gelten weiterhin strenge Zugangsregeln. Bewohnerinnen und Bewohner sowie Eigentümerinnen und Eigentümer von Ferienwohnungen dürfen ihre Liegenschaften derzeit täglich zwischen 9 und 19 Uhr betreten. Dieser kontrollierte Zugang ist ein sorgfältiger Kompromiss zwischen dem Erhalt der Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft und der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit. Die Behörden betonen jedoch, dass diese Regelung je nach den laufenden Risikobeurteilungen angepasst werden kann.

Technische Herausforderungen

Die geologische Situation stellt erhebliche technische Herausforderungen dar. Trotz laufender Schutzmassnahmen, darunter der Bau eines grossen Entwässerungsstollens unterhalb des Dorfes, warnen Fachleute, dass diese Massnahmen möglicherweise nicht ausreichen, um künftige Evakuierungen zu verhindern. Der Schuttkegel am Berg kann sich weiterhin rasch beschleunigen, insbesondere bei starken Niederschlägen oder nach Felsstürzen. Diese Anfälligkeit zeigt die Grenzen der derzeitigen baulichen Lösungen bei der Bewältigung der grundlegenden geologischen Instabilität auf.

Auswirkungen auf die Gemeinde

Der verlängerte Evakuierungszeitraum stellt die Gemeinde Brienz vor grosse Herausforderungen. Gemeindepräsident Daniel Albertin hat grundsätzliche Fragen zur Zukunftsfähigkeit der Siedlung aufgeworfen und erklärt: «Die Siedlung sollte nicht um jeden Preis erhalten werden.» Diese Haltung spiegelt die wachsende Einsicht wider, dass langfristige Lösungen schwierige Entscheidungen über die Zukunft des Dorfes erfordern könnten. Die Situation hat eine breitere Diskussion über die Anpassung an den Klimawandel und das Risikomanagement in alpinen Gemeinden ausgelöst.