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Swiss Observer

Evakuierung des Dorfes Blatten: Erdrutschgefahr zwingt zu sofortigem Handeln

Die Schweizer Behörden ordnen wegen der drohenden Gefahr eines Erdrutschs durch einen instabilen Berg die vollständige Evakuierung von 300 Einwohnerinnen und Einwohnern des Dorfes Blatten im Wallis an.

Evakuierung des Dorfes Blatten: Erdrutschgefahr zwingt zu sofortigem Handeln
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Behörden haben die vollständige Evakuierung des Dorfes Blatten im Kanton Wallis angeordnet. Betroffen sind rund 300 Einwohnerinnen und Einwohner, da ein Erdrutsch unmittelbar droht. Die Evakuierungsanordnung wurde am Montag erlassen, nachdem Fachleute über dem Dorf erhebliche Bewegungen des Berges festgestellt hatten. Die Bewohnerinnen und Bewohner mussten ihre Häuser bis 11.30 Uhr verlassen. Die Behörden betonten, wie kritisch die Situation sei.

Einschätzung der geologischen Gefahr

Geologische Überwachungen haben alarmierende Bewegungen des Berges oberhalb von Blatten ergeben. Fachleute haben Verschiebungen von mehr als 2,90 Metern sowie fortlaufende Steinschläge registriert. Im schlimmsten Fall könnten zwischen 2 und 5 Millionen Kubikmeter Wasser zusammenkommen. Die Instabilität konzentriert sich auf das Gebiet des Kleinen Nesthorns und den Bereich des Birchgletschers. Fachleute rechnen mit einem unmittelbar bevorstehenden grossen Felssturz, der das Dorf direkt treffen könnte.

Durchführung der Evakuierung

Die Evakuierung begann mit einer Informationsveranstaltung um 10.00 Uhr in der örtlichen Turnhalle. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden angewiesen, das Wichtigste mitzunehmen und sich in die Nachbargemeinde Wiler zu begeben. Die lokalen Behörden haben Unterkünfte organisiert. Einige Bewohnerinnen und Bewohner kommen bei Verwandten und Freunden unter, andere werden in provisorischen Unterkünften untergebracht. Die gegenüberliegende Bergseite mit den Orten Weissenried und Eisten ist von der Evakuierungsanordnung nicht betroffen.

Massnahmen zur Bewältigung der Lage

Die Schweizer Behörden haben umfassende Überwachungssysteme eingerichtet, darunter Kameras und GPS-Geräte, um die Bewegungen des Berges zu verfolgen. Die kantonale Fachstelle für Naturgefahren überwacht die Lage laufend. Die Rettungsdienste haben einen Führungsstab eingerichtet, um die Massnahmen zu koordinieren. Regelmässige Informationen werden über die mobile App der Gemeinde und Alertswiss, das Warnsystem des Bundes, verbreitet.

Historischer Hintergrund

Der Bereich des Birchgletschers wird seit den 1990er-Jahren überwacht. Dies zeigt, dass man sich der möglichen geologischen Risiken in der Region schon lange bewusst ist. Die lokalen Behörden vermuten, dass die Schneeschmelze in Höhenlagen über 2500 Metern zur aktuellen Krise beigetragen haben könnte. Das Ereignis reiht sich in die Geschichte der Schweiz im Umgang mit alpinen Naturgefahren ein und verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen, vor denen Berggemeinden angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen stehen.