Naturkatastrophe
Katastrophe in Blatten: Nationalratspräsidentin ruft zur nationalen Solidarität auf
Nationalratspräsidentin Maja Riniker eröffnet die Sommersession mit einem Appell zur Unterstützung der Opfer des Bergsturzes von Blatten und hebt den beispiellosen Charakter der Katastrophe hervor.

Der politische Alltag kam an diesem Montag jäh zum Stillstand, als die Sommersession des Parlaments nicht mit einer Debatte, sondern mit einer ernsten Erklärung zur nationalen Krisensituation eröffnet wurde. Nationalratspräsidentin Maja Riniker durchbrach die Routine im Bundeshaus und widmete ihre Eröffnungsansprache ganz der Verwüstung in Blatten. Die Bilder aus der Region sind erschütternd: Ganze Dörfer wurden unter einer unerbittlichen Flut aus Fels und Geröll begraben.
«Wir waren erschüttert», erklärte Riniker mit einer Stimme, die der Tragweite der Situation Nachdruck verlieh. Die Katastrophe hat für die Bewohnerinnen und Bewohner von Blatten und Ried den bisherigen Alltag ausgelöscht und ihnen binnen weniger Augenblicke ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage genommen. Bern sandte eine klare Botschaft: Der Bund schaut nicht weg. Indem Riniker diese Tragödie sofort in den Mittelpunkt stellte, signalisierte sie, dass der Staatsapparat nun die Nothilfe priorisieren muss. Der Schock ist spürbar, doch die Entschlossenheit wächst. Die Schweiz steht vor einer schweren Bewährungsprobe, und die höchsten Regierungsebenen sind nun voll in die Bewältigung eingebunden.
Die unerbittliche Wucht der Natur
Die Zerstörung in Blatten und Ried ist vollständig. Riniker beschönigte die Lage nicht, als sie die Szene beschrieb: «Die Natur hat nicht nur Häuser und Strassen weggerissen, sondern auch Besitztümer, Erinnerungen und alles, was den Menschen lieb und teuer ist.» Dies ist kein Einzelfall, sondern eine erschreckende Zuspitzung einer Reihe heftiger geologischer Ereignisse. Nach den Katastrophen in Bondo, Brienz und im Maggiatal muss sich die Schweiz mit einer neuen, unberechenbaren Realität auseinandersetzen, in der die Natur mit erschreckender Geschwindigkeit und Zerstörungskraft wirkt.
Die gewaltigen Felsmassen, die diese Dörfer begraben haben, führen uns unsere Verletzlichkeit deutlich vor Augen. Infrastruktur, deren Bau Jahrzehnte dauerte, wurde innert Sekunden ausgelöscht. Der Vergleich mit früheren Katastrophen zeigt einen beunruhigenden Trend: Extremereignisse werden für die Schweizer Alpengemeinden zur neuen Normalität. Riniker unterstrich in ihrer Rede, dass die Zerstörung das Ausmass eines «Jahrtausendereignisses» habe und eine Reaktion erfordere, die dem beispiellosen Ausmass des geologischen Zusammenbruchs gerecht werde. Die Landschaft des Tals hat sich unwiderruflich verändert, und die Wunden im Gelände spiegeln das Trauma der lokalen Bevölkerung wider.
Der menschliche Preis des Chaos
Inmitten der Trümmer ist das menschliche Leid erschütternd. Ein Hirte wird weiterhin vermisst, eine ernste Tatsache, die über den Bergungsarbeiten schwebt. «Unsere Gedanken sind bei allen Einwohnerinnen und Einwohnern und bei der Familie des Hirten, der noch vermisst wird», sagte Riniker und lenkte den Blick damit wieder auf die einzelnen Leben, die dieses Ereignis zerstört hat. Besitztümer lassen sich ersetzen, doch der mögliche Verlust eines Menschenlebens ist die eigentliche Tragödie von Blatten.
Die Lage hätte jedoch katastrophal schlimmer sein können. Riniker würdigte die «professionelle» Arbeit der Rettungskräfte und die entschlossenen Massnahmen der lokalen Behörden, die rechtzeitig Evakuierungen angeordnet hatten. Ihre Weitsicht hat zweifellos unzählige Leben gerettet und gezeigt: Wir können die Natur zwar nicht kontrollieren, doch unsere Vorbereitung ist die einzige Verteidigungslinie. Die Rettungsarbeiten laufen derzeit auf Hochtouren und müssen unter schwierigen Bedingungen das Gebiet sichern. Die Dankbarkeit des Parlaments spiegelt eine Nation wider, die ihren Einsatzkräften zutiefst verpflichtet ist. Diese begeben sich in Gefahr, wenn die Berge ins Tal stürzen.
Eine Nation steht beim Wiederaufbau zusammen
Solidarität ist jetzt das Gebot der Stunde. Der Appell aus Bern ist überparteilich und unmissverständlich. Ständeratspräsident Andrea Caroni verurteilte gemeinsam mit Riniker die «unfassbare» und «herzzerreissende» Tragödie und bekräftigte, dass beide Parlamentskammern geschlossen an der Seite der Opfer stehen. «Die Schweiz steht solidarisch hinter Ihnen», versprach Caroni und betonte, dass die Kraft der Menschen nun der Kraft der Natur begegnen müsse.
Dies ist ein entscheidender Moment für den nationalen Zusammenhalt der Schweiz. Rinikers Appell an die Bevölkerung, Mitgefühl zu zeigen, ist eine direkte Aufforderung zu finanzieller und moralischer Unterstützung für jene, die alles verloren haben. Der Weg des Wiederaufbaus wird lang und beschwerlich sein und, wie Riniker festhielt, «sehr viel Kraft» erfordern. Doch die Botschaft aus der Hauptstadt ist unmissverständlich: Die Menschen in Blatten und Ried werden diesen Weg nicht allein gehen. Die ganze Kraft der Schweizer Solidarität wird mobilisiert, damit diese Gemeinden aus den Felsmassen wieder auferstehen können.