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Swiss Observer

Beinahe ausgestorbenes Schwarzes Alpenschwein offiziell als einheimische Schweizer Rasse anerkannt

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat das Schwarze Alpenschwein offiziell anerkannt und damit die Rasse vor dem Aussterben bewahrt. Nachdem die Zuchtbemühungen 2013 wieder aufgenommen wurden, ist sie heute die einzige erhaltene alte Schweinerasse der Schweiz. Dieser Status dürfte Massnahmen zu ihrem Erhalt ermöglichen.

Beinahe ausgestorbenes Schwarzes Alpenschwein offiziell als einheimische Schweizer Rasse anerkannt
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat ein Stück ihrer landwirtschaftlichen Seele offiziell vom Abgrund zurückgeholt. Das Bundesamt für Landwirtschaft anerkennt das Schwarze Alpenschwein nun als einheimische Rasse. Damit wird sein Status als einzige erhaltene alte Schweinerasse des Landes gefestigt. Das ist nicht bloss ein bürokratischer Haken auf einer Liste, sondern ein Sieg für die Biodiversität, auf den mehr als ein Jahrzehnt hingearbeitet wurde. Seit 2013 setzen sich engagierte Artenschützerinnen und Artenschützer dafür ein, den Rückgang aufzuhalten, der diese Tiere beinahe vollständig von der Schweizer Landschaft verschwinden liess. Heute steht die Rasse für Schweizer Widerstandskraft und hat sich von einer «verlorenen» Art in einen geschützten nationalen Schatz verwandelt. Die Anerkennung ermöglicht den unmittelbaren Zugang zu wichtigen Unterstützungsmassnahmen und Fördermitteln für den Erhalt. So soll sichergestellt werden, dass sich die Fehler der Vergangenheit, als moderne industrielle Rassen einheimische Sorten an den Rand des Aussterbens drängten, nicht wiederholen. Die Botschaft aus Bern ist klar: Das Schweizer Erbe ist nicht käuflich und wird nicht vergessen.

Drei Blutlinien trotzen dem vollständigen Aussterben

Nur drei erhaltene Blutlinien standen zwischen dem Schwarzen Alpenschwein und dem vollständigen biologischen Aussterben. Bis 1980 war die Rasse aus der breiten Landwirtschaft verschwunden. Die letzten verbliebenen Tiere hielten sich im rauen Gelände rund um den Lukmanier- und den Splügenpass. Das Ausmass der Erholung ist beeindruckend: Aus einer Handvoll vergessener Tiere ist ein strukturiertes Netzwerk aus 25 Zuchtbetrieben und 12 Mastbetrieben entstanden, die heute im ganzen Land tätig sind. Zu verdanken ist dieser Aufschwung der Zuchtorganisation Patrimont, die 2013 die Initiative zur Wiederbelebung des Bestands vorantrieb. Während andere alte Rassen dem Druck der ertragsorientierten industriellen Landwirtschaft erlagen, überlebte das Schwarze Alpenschwein im Schatten der Gipfel. Diese enge genetische Basis konnte erfolgreich überwunden werden. So entstand ein stabiles Fundament für einen Bestand, der heute an bedeutenden Orten wie dem Freilichtmuseum Ballenberg und dem Tierpark Goldau der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Erholung ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte der Schweizer Tierzucht.

Für die Gipfel geschaffen: Meisterschaft im Gebirge

Das Schwarze Alpenschwein ist ein biologisches Wunder, das von der Natur eigens für das raue Schweizer Klima geschaffen wurde. Anders als rosafarbene Industrierassen, die mit der starken UV-Strahlung in grossen Höhen zu kämpfen haben, verfügen diese Schweine über eine dunkle Pigmentierung, die sie auf natürliche Weise vor Sonnenbrand schützt. Ihr Körperbau ist eine direkte Anpassung an die steile Welt, in der sie leben: Sie haben einen kürzeren, kompakteren Rumpf und deutlich längere Beine als ihre Artgenossen im Flachland. Dadurch können sie sich mühelos an steilen, felsigen Hängen bewegen. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften werden die Tiere ausschliesslich an Betriebe in Bergregionen abgegeben, damit sie in der Umgebung bleiben, in der sie am besten gedeihen. Während moderne Rassen klimatisierte Ställe benötigen, trotzt das Schwarze Alpenschwein den Elementen. Diese «Meisterschaft im Gebirge» macht es zu einem wichtigen Bestandteil einer nachhaltigen alpinen Landwirtschaft und zu einer robusten Alternative zu empfindlichen kommerziellen Rassen, die in den Schweizer Bergen Mühe haben.

Die Zukunft der Schweizer Biodiversität sichern

Die Anerkennung des Schwarzen Alpenschweins durch den Bund markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die Schweizer Biodiversität. Dieser Statuswechsel ist mehr als symbolisch: Er erschliesst die finanziellen und strukturellen Unterstützungsmöglichkeiten, die nötig sind, um den Bestand über seine heutige Nische hinaus zu vergrössern. Der Kampf für einheimische Schweizer Rassen geht jedoch weiter. Während das Schwarze Alpenschwein seine Zukunft gesichert hat, haben andere traditionelle Nutztiere, darunter verschiedene Schweizer Rinderrassen, weiterhin mit der Dominanz globalisierter Genetik zu kämpfen. Dieser Erfolg zeigt beispielhaft, wie die Schweiz ihre landwirtschaftliche Identität schützen kann. Indem die Tiere in Gehegen zum Anschauen, etwa im Zoolino Zürich und in anderen öffentlichen Parks, gezeigt werden, macht das Land einer neuen Generation die Bedeutung genetischer Vielfalt bewusst. Das Ziel ist nicht mehr nur das Überleben, sondern das Gedeihen. Mit der Aufnahme des Schwarzen Alpenschweins in ihre langfristige Strategie bekräftigt die Bundesverwaltung für Landwirtschaft das Engagement der Schweiz für ein vielfältiges, widerstandsfähiges und authentisch schweizerisches Ökosystem. Das alte Schwein der Alpen ist zurück und diesmal bleibt es.