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Swiss Observer

Bitcoin-Initiative lanciert: Kampagne fordert Kryptowährungsreserven bei der SNB

Eine neue Volksinitiative verlangt, dass die Schweizerische Nationalbank Bitcoin als Teil der Landesreserven hält. Das Komitee beginnt mit der Sammlung von 100'000 Unterschriften für eine Volksabstimmung.

Bitcoin-Initiative lanciert: Kampagne fordert Kryptowährungsreserven bei der SNB
AISWI swissinfo.ch

Die Zeit für eine monetäre Revolution läuft. Seit Dienstag hat mit der Veröffentlichung der «Bitcoin-Initiative» im Bundesblatt der Wettlauf um die finanzielle Zukunft der Schweiz offiziell begonnen. Die Initianten haben eine kühne Offensive gestartet, um die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu zu zwingen, Bitcoin in ihre nationalen Vermögenswerte aufzunehmen. Dieser Schritt würde die Definition staatlicher Reserven grundlegend verändern. Dem Komitee unter der Leitung des Internetpioniers Yves Bennaïm steht nun eine entscheidende Frist bevor: Es muss innerhalb der nächsten 18 Monate 100'000 gültige Unterschriften sammeln, um den radikalen Vorschlag zur Abstimmung zu bringen.

Es handelt sich nicht bloss um einen Vorschlag, sondern um eine Forderung nach Souveränität. Die Initiative mit dem Titel «Für eine finanziell starke, souveräne und verantwortungsvolle Schweiz» will das traditionelle Zögern der Banken umgehen, indem sie das Anliegen direkt dem Volk vorlegt. Bei einem Erfolg wäre die Schweiz die erste grosse Volkswirtschaft, die den Besitz dezentraler Kryptowährungen neben traditionellen Goldreserven in der Verfassung vorschreibt. Das wäre ein Zeichen für einen dramatischen Wandel im globalen Finanzwesen.

Die Verfassung neu schreiben

Die Initiative zielt auf den Kern des Schweizer Finanzrechts. Der Vorschlag verlangt eine Verfassungsänderung, die ausdrücklich festhält, dass die SNB aus ihren Erträgen Währungsreserven aufbauen muss und dass diese Reserven sowohl Gold als auch Bitcoin umfassen müssen. Der Text legt zwar keinen konkreten Bitcoin-Anteil fest, doch der Auftrag ist eindeutig: Der digitale Vermögenswert muss in den nationalen Tresoren gleichberechtigt neben dem Edelmetall stehen.

Diese strategische Unbestimmtheit beim «Wie viel?» schafft Flexibilität, doch das «Was?» ist nicht verhandelbar. Indem Bitcoin in der Verfassung verankert wird, soll die Schweizer Wirtschaft gegen Inflation und die Abwertung von Fiat-Währungen gewappnet werden. Yves Bennaïm hat erklärt, das Hauptziel sei, «eine Debatte anzustossen». Doch die rechtlichen Schritte, die diese Woche eingeleitet wurden, lassen auf ein weitaus konkreteres Ziel als eine blosse Diskussion schliessen. Es geht um eine diversifizierte, digital ausgerichtete Bilanz, die den Status quo des vergangenen Jahrhunderts infrage stellt.

Konflikt mit der Tradition der Zentralbanken

Die Initiative steht einem mächtigen und historisch skeptischen Gegner gegenüber: der Schweizerischen Nationalbank selbst. Die SNB vertritt seit Langem eine konservative Haltung gegenüber digitalen Vermögenswerten und gibt der Stabilität Vorrang vor der Spekulation. Erst vor zwei Jahren erklärte der damalige Präsident Thomas Jordan unmissverständlich, Bitcoin «erfülle die Anforderungen» an Währungsreserven nicht. Die neue Kampagne stellt sich dieser Zurückhaltung direkt entgegen und zwingt die Institution, sich mit einer Realität auseinanderzusetzen, die sie bisher verworfen hat.

Dieser Konflikt zeigt die erhebliche Spannung zwischen der finanziellen Innovation an der Basis und institutioneller Vorsicht. Während sich die SNB mit traditionellen Instrumenten auf die Steuerung von Inflation und Zinssätzen konzentriert, argumentiert die «Bitcoin-Initiative», der Ausschluss der weltweit führenden Kryptowährung sei eine Pflichtverletzung. Die Zentralbank könnte sich schon bald nicht nur in Sitzungszimmern, sondern auch vor der öffentlichen Meinung dafür rechtfertigen müssen, Bitcoin auszuschliessen, während die Unterschriftensammlung in den Kantonen an Fahrt gewinnt.

Eine Nation bereits im Wandel

Während die Zentralbank zögert, bewegt sich der Schweizer Privatsektor bereits im Eiltempo auf eine kryptofreundliche Zukunft zu. Ganze 25 Prozent der Schweizer Banken bieten inzwischen Dienstleistungen rund um Kryptowährungen an oder haben konkrete Pläne dafür. Das zeigt, dass die Finanzbranche ihre Angst vor digitalen Vermögenswerten weitgehend abgelegt hat. Der Markt hat sich geäussert, und zwar mit überwältigender Unterstützung für die Integration. Diese Diskrepanz zwischen einem zukunftsorientierten Geschäftsbankensektor und einer zurückhaltenden Zentralbank schafft eine Spannung, die diese Initiative auflösen will.

Die Schweiz gilt weltweit bereits als «Krypto-Nation», doch die Initiative will diesen Titel von einem Werbeslogan der Wirtschaft zu einer Realität in der Verfassung machen. Gelingt es den Initianten, 100'000 Unterschriften zu sammeln, muss die Schweizer Bevölkerung in der anschliessenden Abstimmung entscheiden, ob ihr nationales Vermögen weiterhin ausschliesslich an traditionelle Fiat-Währungen und Gold gebunden bleiben oder auf die digitale Welt ausgeweitet werden soll. Die Debatte ist nicht länger theoretisch. Sie ist da und dringlich.