Strafverfolgung
Berner Polizei testet «Super-Recognizer»-Programm zur Identifizierung von Straftätern
Die Kantonspolizei Bern startet diesen Sommer ein Pilotprojekt mit 30 Mitarbeitenden, die über eine überdurchschnittliche Fähigkeit verfügen, Gesichter zu erkennen und sich einzuprägen. Damit sollen die Bemühungen verstärkt werden, gewalttätige Straftäter aufzuspüren.

Eine beachtliche Truppe von 30 Elitepolizisten soll diesen Sommer die Strassen von Bern in ein Hightech-Fahndungsnetz verwandeln. Es handelt sich nicht um gewöhnliche Patrouillenpolizisten, sondern um sogenannte «Super-Recognizer»: Personen mit einer beinahe übernatürlichen Fähigkeit, sich Gesichter einzuprägen und sie in einer Menschenmenge wiederzuerkennen. Während die herkömmliche Überwachung auf fehleranfällige Algorithmen setzt, vertraut die Kantonspolizei Bern auf aussergewöhnliche biologische Fähigkeiten, um gewalttätige Straftäter aufzuspüren. Dieses Pilotprojekt stellt einen grundlegenden Wandel in der Schweizer Polizeistrategie dar: weg von der passiven Überwachung, hin zur aktiven, menschlichen Gesichtserkennung. Die Initiative kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die Stadt mit steigenden Sicherheitsanforderungen und dem Bedürfnis nach Präzision bei strafrechtlichen Ermittlungen konfrontiert ist. Mit diesen Mitarbeitenden will die Polizei die Zeit verkürzen, die benötigt wird, um Verdächtige auf körnigen CCTV-Aufnahmen oder bei chaotischen öffentlichen Anlässen zu identifizieren. Das ist keine Science-Fiction mehr, sondern die neue Realität der öffentlichen Sicherheit in der Schweiz.
Die besten zehn Prozent setzen neue Massstäbe bei der Überwachung
Nur 10 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten verfügten über die kognitiven Fähigkeiten, um dieser exklusiven Einheit beizutreten. Diese äusserst geringe Erfolgsquote unterstreicht, wie selten die Fähigkeit eines «Super-Recognizers» ist: Sie ermöglicht es, sich an ein Gesicht zu erinnern, das man nur einmal gesehen hat, selbst noch Jahre später oder wenn die Person stark verkleidet ist. Die Kantonspolizei Bern führte in ihren Reihen umfassende Tests durch, um die Besten der Besten auszuwählen. Dieses anspruchsvolle Auswahlverfahren stellt sicher, dass die 30 ausgewählten Mitarbeitenden zu den fähigsten des Landes gehören. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Polizeiarbeit, bei der eine Identifizierung langsam und mühsam sein kann, können diese Spezialisten einen belebten Bahnhof überblicken und eine gesuchte Person innert Sekunden erkennen. Die Datenlage ist klar: Menschliche Intuition kann, wenn sie durch diesen spezifischen neurologischen Vorteil unterstützt wird, aktuelle KI-Software zur Gesichtserkennung oft übertreffen. Diese hat häufig Schwierigkeiten bei schlechten Lichtverhältnissen oder ungewöhnlichen Blickwinkeln. Bern stellt nicht einfach mehr Personal auf die Strasse, sondern schärft den Blick des Gesetzes.
Politische Spannungen treiben Sicherheitsinnovationen voran
Das Programm entstand nicht aus dem Nichts, sondern wurde durch Unruhen ausgelöst. Die eskalierten propalästinensischen Demonstrationen im vergangenen Oktober gaben dem Kantonsparlament den entscheidenden Anstoss zum Handeln. Angesichts der Herausforderung, bei grossen, sich rasch bewegenden Menschenmengen Unruhestifter zu identifizieren, setzte die Mitte erfolgreich eine Motion durch, mit der Super-Recognizer in die Polizeiarbeit integriert werden sollten. Die Polizei hatte bereits mit internen Tests begonnen, doch dieser politische Auftrag beschleunigte den Zeitplan des Projekts erheblich. Die Schweiz steht nun vor einer komplexen Situation, in der das Demonstrationsrecht gegen die Notwendigkeit öffentlicher Ordnung abgewogen werden muss. Der Einsatz von Super-Recognizern gilt als gezielte Lösung: Einzelne Gesetzesbrecher sollen identifiziert werden, ohne die umfassenden Datenschutzbedenken, die oft mit automatisierter Massenüberwachung verbunden sind. Der Schritt ist jedoch nicht ohne Kritik geblieben. Die Kritiker verfolgen aufmerksam, wie Bern dem Beispiel von St. Gallen folgt, das bereits sechs solche Spezialisten eingesetzt hat. Das Berner Pilotprojekt steht unter Druck zu beweisen, dass menschliche Überwachung den Frieden wahren kann, ohne demokratische Werte zu beeinträchtigen.
Die Zukunft der Schweizer Polizeiarbeit ist biologisch
Wenn das Pilotprojekt diesen Sommer startet, richtet sich der Blick der ganzen Eidgenossenschaft auf Bern. Das Programm ist mehr als ein lokaler Versuch: Es ist ein Vorbild für die Zukunft der Schweizer Sicherheit. Bei einem Erfolg ist mit einer raschen Ausweitung von Super-Recognizer-Einheiten in anderen Kantonen zu rechnen, möglicherweise mit dem Aufbau eines nationalen Netzwerks von Spezialisten für die Gesichtserkennung. Die Folgen sind weitreichend. Kriminelle, die bisher auf die Anonymität einer Menschenmenge oder die Grenzen der Technologie setzten, stehen nun einem Gegner gegenüber, dem sie nur schwer entkommen können: dem menschlichen Gedächtnis. Dieser Wandel steht für einen breiteren Trend hin zu einer «intelligenten Polizeiarbeit» in der Schweiz, bei der spezialisierten menschlichen Fähigkeiten Vorrang vor einer übermässigen Abhängigkeit von rein digitalen Lösungen eingeräumt wird. Da Überwachungseinsätze im ganzen Land rasch zunehmen, wird der Erfolg der 30 Berner Mitarbeitenden darüber entscheiden, ob dieser biologische Ansatz zum Goldstandard der Polizeiarbeit wird. Die Botschaft an die kriminelle Unterwelt ist unmissverständlich: Die Polizei schaut nicht mehr nur zu, sie erinnert sich.