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Swiss Observer

Berner Büro des israelischen Rüstungsunternehmens Elbit Systems verwüstet

Am Berner Büro des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems entstand ein Schaden von mehreren zehntausend Franken, nachdem eine Person Zutritt zum Gebäude erlangt und Ausrüstung zerschlagen hatte. Die Polizei hat Ermittlungen wegen der gezielten Sachbeschädigung aufgenommen.

Berner Büro des israelischen Rüstungsunternehmens Elbit Systems verwüstet
AISWI swissinfo.ch

Am Berner Büro des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems entstand bei einem dreisten Angriff, der die Hauptstadt erschüttert hat, ein Schaden von mehreren zehntausend Franken. Kurz nach 20 Uhr am vergangenen Freitag wurde die Ruhe im Büroquartier gestört, als eine einzelne Person Zutritt zum Gebäude erlangte und eine gezielte Zerstörungsaktion begann. Die Kantonspolizei Bern steht nun vor einem Tatort mit zerschlagener Ausrüstung und einem zerstörten Eingang und hat eine umfassende Untersuchung des Vorfalls eingeleitet.

Nachdem ein Alarm ausgelöst worden war, eilte die Feuerwehr zum Einsatzort. Die Behörden bestätigten jedoch, dass tatsächlich kein Feuer ausgebrochen war und, was besonders wichtig ist, niemand verletzt wurde. Der finanzielle Schaden ist allerdings erheblich. Es handelte sich nicht um eine zufällige Rowdyaktion, sondern um einen gezielten Angriff auf ein bestimmtes Unternehmen. Nach vorläufigen Erkenntnissen der Polizei handelt es sich bei der tatverdächtigen Person um eine Frau. Sie hinterliess eine Spur der Verwüstung, die auf ein Motiv hindeutet, das weit über eine einfache Sachbeschädigung hinausgeht. Während die Ermittlerinnen und Ermittler die Trümmer untersuchen, erinnert der Vorfall eindringlich an die physischen Risiken, denen umstrittene internationale Unternehmen in der Schweiz ausgesetzt sind.

Virales Filmmaterial enthüllt gezielten Angriff

Ein verstörendes Video, das im Internet kursiert, hat die Anonymität des Angriffs offenbar beendet und soll genau den Moment zeigen, in dem sich die Tat ereignete. Das von Aktivistengruppen veröffentlichte Filmmaterial zeigt eine gezielte Abfolge von Handlungen: Zunächst löst eine Gestalt absichtlich den Feueralarm aus, vermutlich um Verwirrung zu stiften, bevor sie mit einem Hammer auf die Glastür einschlägt, auf der «Elbit Systems Switzerland» steht. Im Video ist zu sehen, wie die tatverdächtige Person mehrere heftige Schläge ausführt und damit die Grenze zwischen öffentlichem Protest und kriminellem Eindringen durchbricht.

Diese digitalen Belege stehen nun im Zentrum der öffentlichen Berichterstattung und machen aus einer Polizeimeldung ein virales Spektakel. Die Aufnahmen sind drastisch und eindeutig. Indem die Aktivistinnen und Aktivisten die Tat dokumentiert haben, bekannten sie sich nicht nur dazu, sondern verstärkten auch die Wirkung der Sachbeschädigung weit über die physischen Grenzen Berns hinaus. Die Polizei bestätigte, dass ihr das Filmmaterial bekannt ist und dass es mit den am Tatort festgestellten Schäden übereinstimmt. Die Eskalation von Strassenprotesten hin zu dokumentiertem Eindringen deutet auf einen Taktikwechsel hin: weg vom lautstarken Widerstand, hin zu direkten, gefilmten Aktionen, die einschüchtern und stören sollen.

Rüstungskonzern im Visier

Elbit Systems ist Kontroversen gewohnt, doch die Aufmerksamkeit für seine Aktivitäten in der Schweiz nimmt rasant zu. Als wichtiger Drohnenlieferant für die Schweizer Armee steht das israelische Unternehmen an der heiklen Schnittstelle zwischen der Schweizer Landesverteidigung und internationalen geopolitischen Konflikten. Diese Sachbeschädigung ist eine direkte Ablehnung dieser Partnerschaft. Kritikerinnen und Kritiker sowie propalästinensische Gruppen verurteilen seit Langem die Abhängigkeit des Schweizer Militärs von der Technologie von Elbit. Sie argumentieren, dadurch werde die neutrale Schweiz in Konflikte im Ausland hineingezogen.

Der Angriff auf das Büro ist die physische Verkörperung einer politischen Auseinandersetzung, die seit Jahren andauert. Das Unternehmen stellt sogenannte Dual-Use-Güter her, also Technologien, die sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen können. Deshalb steht es unter intensiver Beobachtung der UNO und von Menschenrechtsorganisationen, insbesondere im Zusammenhang mit Exporten nach Israel während des Gaza-Konflikts. Mit dem Angriff auf den Firmensitz versuchen Aktivistinnen und Aktivisten, die logistischen und symbolischen Verbindungen zwischen Bern und der globalen Rüstungsindustrie zu kappen. Die beschädigte Ausrüstung ist ein Kollateralschaden in einem viel grösseren ideologischen Kampf, der auf Schweizer Boden ausgetragen wird.

Zunehmender Protest auf Schweizer Boden

Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern Teil eines rasch eskalierenden Musters des Protests in der Schweizer Hauptstadt. Die Sachbeschädigung folgt einer Entwicklung zunehmender Spannungen und markiert eine Abkehr von friedlichen Kundgebungen hin zu direkten Aktionen. Erst vor wenigen Monaten, Ende 2024, wurde derselbe Gebäudeeingang mit Sprayfarbe beschmiert. Was damals eine Warnung war, hat sich nun zu einer Zerstörung mit einem Schaden von mehreren zehntausend Franken entwickelt. Zudem machten unbewilligte Demonstrationen im Mai 2025 die wachsende Unruhe über die militärische Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Israel deutlich.

Bern wird zunehmend zu einem Brennpunkt internationaler Konflikte. Der Übergang von Graffiti zu Hammerschlägen stellt eine gefährliche Eskalation dar und stellt die Fähigkeit der lokalen Strafverfolgungsbehörden infrage, umstrittene Einrichtungen zu schützen. Während die Ermittlungen weitergehen und eine Anzeige eingereicht wird, bleibt die Frage: Ist dies der Höhepunkt der Gewalt oder lediglich der Auftakt einer aggressiveren Protestbewegung? Für die Schweizer Behörden besteht die Herausforderung nun aus zwei Teilen: Sie müssen ein Verbrechen mit erheblichem Sachschaden untersuchen und gleichzeitig mit einem angespannten politischen Klima umgehen, das sich nicht abzukühlen scheint.