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Swiss Observer

Bärenangriff im Unterengadin: Erster Angriff auf Nutztiere seit vier Jahren

Vier Schafe wurden trotz Schutzmassnahmen in der Nähe von Scuol getötet. Es ist der erste Bärenangriff auf Nutztiere in Graubünden seit 2021 und gibt Anlass zur Sorge über den Umgang mit Wildtieren.

Bärenangriff im Unterengadin: Erster Angriff auf Nutztiere seit vier Jahren
AISWI swissinfo.ch

Bei einem bedeutenden Wildtierereignis, das die Aufmerksamkeit der lokalen Behörden und der Bevölkerung auf sich gezogen hat, hat ein Bär in der Region Unterengadin bei Scuol, Kanton Graubünden, vier Schafe angegriffen und getötet. Der Vorfall ereignete sich auf einer Höhe von rund 2000 Metern im Val S-charl, nahe der italienischen Grenze. Es ist der erste derartige Angriff auf Nutztiere in der Region seit 2021. Der Angriff hat die Sorge über die zunehmende Präsenz grosser Raubtiere in den Schweizer Alpenregionen und deren Auswirkungen auf die lokale Landwirtschaft verstärkt.

Schutzmassnahmen und Auswirkungen

Obwohl die empfohlenen Schutzmassnahmen umgesetzt worden waren, darunter der Einsatz von Herdenschutzhunden, fiel die Schafherde dem Bären zum Opfer. Laut Arno Puorger vom Bündner Amt für Jagd und Fischerei «war die Herde zum Zeitpunkt des Vorfalls durch Hunde geschützt». Diese Erkenntnis hat Diskussionen über die Wirksamkeit der derzeitigen Schutzstrategien und darüber ausgelöst, ob weitere Massnahmen nötig sein könnten, um Nutztiere in der Region zu schützen. Besonders betroffen sind die lokalen Landwirte, die ihre Tiere im Sommer auf Alpweiden halten.

Historischer Hintergrund und Umgang mit Wildtieren

Der letzte dokumentierte Bärenangriff auf Nutztiere in Graubünden ereignete sich im August 2021, als ein Bär zwölf Schafe in den Gebieten Val d'Uina und Val S-charl tötete. Zwischen 2021 und Anfang 2025 erlebte die Region eine vergleichsweise ruhige Zeit. 2024 gab es lediglich einen kleineren Vorfall, bei dem ein ungeschützter Bienenstock in Valsot beschädigt wurde. Mit diesem jüngsten Angriff endet eine vierjährige Periode ohne Angriffe auf Nutztiere. Er macht deutlich, wie schwierig das Zusammenleben von Wildtieren und Landwirtschaft in den Schweizer Alpen weiterhin ist.

Reaktion vor Ort und künftige Massnahmen

Der Vorfall hat die lokalen Behörden dazu veranlasst, die Strategien zum Umgang mit Wildtieren in der Region zu überprüfen und möglicherweise auszubauen. Bären sind in der Schweiz zwar selten, doch ihre gelegentliche Präsenz erfordert einen sorgfältigen Ausgleich zwischen dem Schutz der Wildtiere und den Interessen der Landwirtschaft. Die für das Wildtiermanagement zuständigen Stellen des Kantons beobachten die Lage genau. Zudem wird über mögliche zusätzliche Schutzmassnahmen für Nutztiere in Gebieten mit hohem Risiko diskutiert. Der Vorfall erinnert an die anhaltenden Herausforderungen, vor denen die Alpengemeinden beim Zusammenleben mit grossen Raubtieren stehen.