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Swiss Observer

Analyse zeigt hohe Kosten der Banktreue für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten

Eine neue Studie von Moneyland.ch zeigt, dass Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten für ihre Treue zu einer einzigen Bank einen hohen Preis bezahlen. Bei der Analyse der kombinierten Jahreskosten für wichtige Dienstleistungen bei neun grossen Instituten stellte der Bericht fest, dass sich mit der Aufteilung der Bankbeziehungen erhebliche Einsparungen erzielen lassen. Die teuerste «Alles-aus-einer-Hand»-Option kostet beinahe 1000 CHF pro Jahr.

Analyse zeigt hohe Kosten der Banktreue für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten
AISWI swissinfo.ch

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten verlieren im Namen der Tradition viel Geld. Ein brisanter Bericht von Moneyland.ch legt eine harte Realität offen: Die legendäre Treue der Schweizer Bankkundinnen und Bankkunden wird jährlich mit Hunderten von Franken zu deren Nachteil ausgenutzt. Während die Schweizerinnen und Schweizer stolz auf Stabilität sind, kommt sie sie teuer zu stehen. Die Studie, für die neun grosse Kreditinstitute unter die Lupe genommen wurden, zeigt, dass es sich nur wenige leisten können, bei einer einzigen «Alles-aus-einer-Hand»-Bank Privatkonto, Sparkonto, Kreditkarte und Vorsorge zu führen. In einem Land mit hoher Finanzkompetenz deuten die Daten auf einen überraschenden blinden Fleck hin. Diversifikation ist nicht nur eine Strategie für Anlageportfolios, sondern inzwischen auch eine zwingende Überlebensstrategie für den Schweizer Alltagshaushalt. Das Modell der monolithischen Bankbeziehung bröckelt unter der Last seiner eigenen Gebühren.

Die Strafe von fast 1000 Franken wird sichtbar

Unglaubliche 964 CHF kostet die Bequemlichkeit bei der UBS pro Jahr. Sie ist die teuerste grosse Anbieterin des Landes für gebündelte Dienstleistungen. Die Migros Bank verlangt für dasselbe Leistungspaket mit 491 CHF deutlich weniger. Dieser Preisunterschied von fast 50 Prozent zeigt eine aggressive Preisstruktur, die jene bestraft, die es bequem haben wollen. Die Analyse zeigt, dass die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Valiant mit 597 beziehungsweise 607 CHF im Mittelfeld liegen, während Schwergewichte wie PostFinance und Raiffeisen über 700 beziehungsweise 800 CHF verlangen. Das sind keine geringfügigen Unterschiede, sondern ein systematischer Abfluss von Haushaltsvermögen. Für eine Familie oder eine gut verdienende Fachperson summieren sich diese vermeidbaren Gebühren über Jahrzehnte zu einem Vermögen, das verloren geht. Die Botschaft ist klar: Das «Alles-aus-einer-Hand»-Modell ist eine finanzielle Falle.

Säule 3a: Der grosse Vorsorge-Raubzug

Die alarmierendste Erkenntnis betrifft die Säule-3a-Vorsorge, bei der das Sparpotenzial geradezu revolutionär ist. Wer traditionelle Bankvorsorgepläne zugunsten spezialisierter digitaler Anbieter aufgibt, kann jedes Jahr zwischen 395 und sage und schreibe 740 CHF sparen. Hier trifft die «Treuestrafe» am härtesten, denn Vorsorgegelder sind langfristig gebunden und hohe Verwaltungsgebühren nagen am Zinseszinseffekt. Traditionelle Banken haben Mühe, diese Kosten zu rechtfertigen, während agile Konkurrenten wie Finpension, Viac und Frankly bessere Konditionen bieten. Berücksichtigt man zudem Kreditkartengebühren, die sich um bis zu 216 CHF senken lassen, sowie Fremdwährungskosten, schwindet die Grundlage für eine Bankbeziehung mit nur einem Institut. Die Daten zeigen: Für die Zukunft zu sparen ist am teuersten, wenn man es über die Bank tut, bei der man sein Privatkonto führt.

Digitale Herausforderer brechen mit dem Status quo

Neobanken und digitale Spezialisten sind nicht länger bloss «Alternativen», sie setzen den neuen Massstab für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für Vielreisende unterbieten Smartphone-Banken wie Alpian und digitale Anbieter wie Wise die traditionelle Konkurrenz bei Fremdwährungsbezügen und Zahlungen deutlich. Noch erstaunlicher sind die Unterschiede beim Onlinehandel. Wer gelegentlich mit einem Portfolio von 45 000 CHF handelt, bezahlt bei einem traditionellen Institut möglicherweise bis zu 855 CHF. Im deutlichen Gegensatz dazu sinken die Kosten bei einem Wechsel zu einem Spezialisten wie der Saxo Bank auf gerade einmal 68 CHF. Das ist keine geringfügige Verbesserung, sondern eine grundlegende Erschütterung des Geschäftsmodells. Diese Digitalanbieter nutzen ihre tieferen Gemeinkosten, um Konditionen anzubieten, mit denen traditionelle Filialbanken schlicht nicht mithalten können oder wollen. Der Schweizer Finanzsektor steht vor dem Moment «digital oder untergehen», während Konsumentinnen und Konsumenten endlich beginnen, mit ihren Apps abzustimmen.

Der Diversifizierungsplan für 2026

Kluges Geld setzt zunehmend auf ein hybrides Modell. Wie der Finanzexperte Ralf Beyeler festhält, muss man sich nicht ganz von der Hausbank trennen, um den Geldabfluss zu stoppen. Die Erfolgsstrategie für 2026 heisst «Cherry Picking». Das Privatkonto kann bei Bedarf bleiben, wo es ist, doch die Vorsorge lässt sich zu einem digitalen Spezialisten verlegen, für Reisen kann man eine Neobank nutzen und Wertschriftengeschäfte über einen spezialisierten Broker abwickeln. Dieser «entbündelte» Ansatz spart nicht nur Geld, sondern bringt welches ein. Die Studie kommt zum Schluss, dass Konsumentinnen und Konsumenten durch die Wahl der günstigsten Anbieter für jede Dienstleistung dank Zinsen und Boni aus Kosten einen Nettogewinn von 229 CHF pro Jahr machen können. Die Ära der blinden Treue ist vorbei. Für die modernen Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten führt der Weg zu Wohlstand über mehrere Logins und die Weigerung, weiterhin eine «Treuestrafe» zu bezahlen. Die Macht hat sich vom Sitzungssaal aufs Smartphone verlagert.