Gesellschaft
Antisemitische Vorfälle in der Romandie steigen um 90 Prozent
Die CICAD meldet für 2024 einen beispiellosen Anstieg antisemitischer Vorfälle: In der Romandie wurden 1’789 Vorfälle registriert, darunter 42 körperliche Angriffe und eine Zunahme des Online-Hasses.

Die Romandie verzeichnete 2024 einen alarmierenden Anstieg antisemitischer Vorfälle um 89,5 Prozent. Dies geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Intercommunity Coordination Against Anti-Semitism and Defamation (CICAD) hervor. Die Organisation dokumentierte im Laufe des Jahres insgesamt 1’789 Vorfälle, ein beispielloser Anstieg antisemitischer Aktivitäten in der Region. Dieser starke Anstieg hat bei jüdischen Gemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen in der ganzen Schweiz grosse Besorgnis ausgelöst.
Körperliche Gewalt und Besorgnis über Schulen
Unter den gemeldeten Vorfällen registrierte die CICAD 42 körperliche Angriffe, von denen sich mehrere in Bildungseinrichtungen ereigneten. Die Organisation äusserte besondere Besorgnis darüber, dass Schulen zu «neuen Brutstätten des Hasses» werden. Diese Vorfälle in Bildungseinrichtungen stellen einen beunruhigenden Trend dar, der die traditionellen Schweizer Werte der Toleranz und Inklusion infrage stellt. Antisemitische Gewalt an Schulen hat Forderungen nach verstärkten Sicherheitsmassnahmen und Bildungsprogrammen zur Bekämpfung von Diskriminierung ausgelöst.
Online-Hass und Auswirkungen sozialer Medien
Der digitale Raum hat sich zu einem bedeutenden Schauplatz im Kampf gegen den Antisemitismus entwickelt. Die CICAD meldet eine deutliche Zunahme antisemitischer Inhalte im Internet, insbesondere auf Social-Media-Plattformen. Diese digitale Form des Hasses gibt zunehmend Anlass zur Sorge, da sie eine Plattform für die rasche Verbreitung antisemitischer Rhetorik und Verschwörungstheorien bietet. Die Anonymität im Internet hat zur Verbreitung solcher Inhalte beigetragen und stellt Behörden sowie Organisationen, die diese Inhalte beobachten, vor neue Herausforderungen.
Landesweiter Kontext und Reaktionen
Der Anstieg antisemitischer Vorfälle beschränkt sich nicht auf die französischsprachigen Regionen. Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund dokumentierten 2024 in der Deutschschweiz, in Graubünden und im Tessin 221 Vorfälle. Dieser landesweite Trend hat zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und jüdischen Gemeinschaften geführt, um die wachsende Herausforderung anzugehen. Die Schweizer Behörden arbeiten daran, Schutzmassnahmen zu verstärken und die Überwachung in den verschiedenen Sprachregionen auszubauen.