Gesellschaft
Antisemitische Vorfälle in Davos führen zu Polizeiermittlungen
Mehrere jüdische Touristen berichten von Belästigungen und körperlichen Einschüchterungsversuchen in Davos. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, und es gibt Bedenken wegen religiöser Diskriminierung.

Die Behörden im Schweizer Kanton Graubünden haben nach mehreren Meldungen über antisemitische Belästigungen jüdischer Touristen im Ferienort Davos Ermittlungen aufgenommen. Die Vorfälle, an denen mutmasslich ein einzelner Angreifer beteiligt war, wurden vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) verurteilt und haben einen Schatten auf das beliebte Ferienziel geworfen. Sie geben Anlass zu Bedenken wegen religiöser Diskriminierung und der Sicherheit von Touristen.
Mehrere Angriffe in Davos gemeldet
Laut dem SIG berichteten zwei Paare und ein junger Mann unabhängig voneinander, am Dienstagabend von einem Mann angegangen worden zu sein. Zu den mutmasslichen Angriffen, die verbale Beleidigungen, Drohungen, Schubsen und Anspucken umfassten, kam es an mehreren öffentlichen Orten, darunter in einem Geschäft, an einem See und in einem Bus. Die Opfer beschrieben den Angreifer als Mann mittleren Alters, der Englisch und Arabisch sprach und auf den «Krieg in Palästina» Bezug nahm. Jonathan Kreutner, Generalsekretär des SIG, sagte, aufgrund der Beschreibungen sei «der Angreifer wahrscheinlich in allen drei Fällen dieselbe Person».
Behörden nehmen Ermittlungen auf
Die Kantonspolizei Graubünden hat den Eingang einer Meldung zu den Vorfällen bestätigt und offiziell eine Untersuchung eröffnet. Die Polizei hat zwar keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben, doch der SIG ruft alle Opfer aktiv dazu auf, sich zu melden. «Eine Person hat Anzeige erstattet. Wir empfehlen allen Betroffenen, dies ebenfalls zu tun», sagte Kreutner. Er betonte, dass formelle Anzeigen wesentlich seien, damit die Polizei den Sachverhalt überprüfen und ihre Ermittlungen vorantreiben könne. Der SIG bezeichnete die Schilderungen der Opfer als glaubwürdig.
Ein Muster vereinzelter Spannungen
Davos ist seit Langem ein beliebter Ferienort für Menschen jüdischen Glaubens, insbesondere für orthodoxe jüdische Familien aus aller Welt. Allerdings kam es in der Stadt auch immer wieder vereinzelt zu antisemitischem Verhalten und kulturellen Spannungen. Dies ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Vorfall Schlagzeilen macht. Im August des Vorjahres wurde ein 19-jähriger jüdischer Mann von zwei Asylsuchenden angegriffen. Diese wiederkehrenden Ereignisse machen die unterschwelligen Spannungen in einer Stadt deutlich, die ein Mikrokosmos des globalen Tourismus ist und in der kulturelle und religiöse Unterschiede bisweilen aufeinanderprallen.