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Swiss Observer

Antimuslimische Diskriminierung ist laut Studie «tief verwurzelt» in der Schweizer Gesellschaft

Die erste umfassende Studie des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft zeigt weit verbreitete antimuslimische Einstellungen in Institutionen. Von 2471 Diskriminierungsfällen wurde nur einer gemeldet.

Antimuslimische Diskriminierung ist laut Studie «tief verwurzelt» in der Schweizer Gesellschaft
AISWI swissinfo.ch

Eine wegweisende Studie des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft hat alarmierend hohe Werte antimuslimischer Diskriminierung in der ganzen Schweiz offengelegt. Die erste umfassende qualitative Grundlagenstudie dieser Art zeigt, dass 2019 mehr als 35 % der Musliminnen und Muslime angaben, rassistische Diskriminierung erlebt zu haben. Noch besorgniserregender ist, dass laut der Studie mehr als zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung starke Vorbehalte gegenüber Menschen muslimischen Glaubens hegen. Dies weist auf tief verwurzelte Vorurteile in der Schweizer Gesellschaft hin.

Die strukturelle Natur antimuslimischer Einstellungen

Die Studie betont, dass antimuslimische Diskriminierung weit über individuelle Vorurteile hinausgeht und zentrale institutionelle Strukturen durchdringt. Laut Mitautor Hansjörg Schmid zeigt sich diese Fremdenfeindlichkeit in verschiedenen Institutionen, darunter im Bildungswesen, am Arbeitsplatz, bei der Polizei und in den Medien. Der systematische Charakter dieser Diskriminierung deutet auf tiefgreifendere gesellschaftliche Probleme hin, die umfassende institutionelle Reformen statt bloss einer Veränderung des individuellen Verhaltens erfordern.

Nicht gemeldete Fälle: eine stille Krise

Zu den eindrücklichsten Ergebnissen gehört eine gravierende Untererfassung: Von 2471 Musliminnen und Muslimen, die Diskriminierung erlebt hatten, meldete nur eine Person den Vorfall offiziell. Marianne Helfer, Leiterin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, führt dies auf mangelndes Vertrauen in die institutionellen Unterstützungssysteme zurück. Viele Betroffene befürchten, dass ihre Anliegen abgewiesen oder nicht ernst genommen werden. So entsteht ein Kreislauf des Schweigens, der das Problem weiter bestehen lässt.

Empfehlungen und weiteres Vorgehen

Die Autorinnen und Autoren der Studie schlagen mehrere konkrete Massnahmen vor, um diese Herausforderungen anzugehen. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören der Ausbau von Beratungsangeboten und die Einführung robuster Überwachungssysteme, um die Untererfassung zu bekämpfen. Die Studie unterstreicht, dass es mehr gesellschaftliche Bildung und Sensibilisierung braucht, um das Verständnis für muslimische Gemeinschaften zu fördern. Die Beteiligung der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus signalisiert, dass die Behörden das Problem anerkennen. Dies könnte den Weg für systematischere Interventionen und politische Reformen ebnen.