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Swiss Observer

Amnesty International warnt vor schwindendem Demonstrationsrecht in der Schweiz

Neue Einschränkungen für Demonstrationen in Zürich und Genf geben Amnesty International Anlass zur Sorge über die Verschlechterung der bürgerlichen Freiheiten in der Schweiz.

Amnesty International warnt vor schwindendem Demonstrationsrecht in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Amnesty International hat erhebliche Bedenken über den sich verschlechternden Zustand des Demonstrationsrechts in der Schweiz geäussert, die traditionell für ihre starken demokratischen Werte und bürgerlichen Freiheiten bekannt ist. Der Jahresbericht der Organisation hebt einen beunruhigenden Trend zu zunehmenden Einschränkungen öffentlicher Demonstrationen hervor, insbesondere in grossen Städten. Diese Entwicklung markiert einen bedeutenden Wandel im Umgang der Schweiz mit den bürgerlichen Freiheiten und hat eine Debatte über das Gleichgewicht zwischen öffentlicher Ordnung und demokratischen Freiheiten ausgelöst.

Neue Einschränkungen in Grossstädten

Die bedeutendsten Änderungen gab es in Zürich und Genf, den grössten Städten der Schweiz. Zürich hat ein neues Gesetz eingeführt, das für Demonstrationen eine vorgängige Bewilligung verlangt, und eine umstrittene Massnahme eingeführt, die es den Behörden erlaubt, den Organisatoren die Polizeikosten in Rechnung zu stellen. Genf hat Einschränkungen für Demonstrationsorte und -zeiten erlassen, die insbesondere das Stadtzentrum betreffen. Vorausgegangen waren Beschwerden lokaler Unternehmen über Beeinträchtigungen. Diese Massnahmen stellen die weitreichendsten Einschränkungen des Demonstrationsrechts in der jüngeren Schweizer Geschichte dar.

Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft

Die neuen Einschränkungen haben sich unmittelbar auf die Zivilgesellschaft ausgewirkt, insbesondere auf studentische Aktivistinnen und Aktivisten sowie politische Demonstrierende. Studierenden drohten Sanktionen und rechtliche Konsequenzen, wenn sie an Protesten im Zusammenhang mit Gaza teilnahmen. Dies gab Anlass zur Sorge über das politische Engagement junger Menschen. Alexandra Karle, Direktorin von Amnesty International Schweiz, betont, dass diese Einschränkungen die Grundpfeiler der Schweizer Demokratie bedrohen. Die Massnahmen haben bei Aktivistengruppen und zivilgesellschaftlichen Organisationen für Unsicherheit darüber gesorgt, wie künftige Demonstrationen organisiert werden können.

Internationale humanitäre Verpflichtungen

Der Bericht nimmt auch die internationalen humanitären Verpflichtungen der Schweiz unter die Lupe, insbesondere im Zusammenhang mit der Kontroverse um die Finanzierung des UNRWA. Nachdem die Schweiz für 2024 zunächst 20 Millionen Franken vorgesehen hatte, reduzierte sie ihren Beitrag nach internationalem Druck auf 10 Millionen Franken. Dieser Entscheid hat zusammen mit der Reaktion des Landes auf das EGMR-Urteil zu den Klimaseniorinnen Amnesty dazu veranlasst, das Bekenntnis der Schweiz zu ihrer humanitären Tradition und ihren internationalen Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte infrage zu stellen.

Mögliche Folgen

Die aktuelle Entwicklung des Demonstrationsrechts in der Schweiz wirft ernsthafte Fragen zur Zukunft der bürgerlichen Freiheiten im Land auf. Amnesty International warnt, dass diese Einschränkungen für andere demokratische Staaten einen besorgniserregenden Präzedenzfall schaffen könnten. Die Organisation fordert die Schweizer Behörden auf, ihr Bekenntnis zum Schutz der Grundrechte zu bekräftigen und sich entschiedener für die Verteidigung des globalen Systems zum Schutz der Menschenrechte einzusetzen. Die anhaltende Debatte zwischen Sicherheitsbedenken und bürgerlichen Freiheiten prägt weiterhin den Umgang der Schweiz mit öffentlichen Demonstrationen.